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DR. RUDOLF TREBITSCH, RASSE, KULTUR UND SPRACHE.
Südslawischen; die Slawen sind aber zur weißenRasse zu zählen. Derartige Beispiele ließen sichauf der ganzen Erde massenhaft vorbringen. Kanndoch behauptet werden, daß die Völker auf ihrenWanderungen oftmals in dem frisch eroberten Ge-biete die Sprache des Urvolkes angenommen haben.Häufiger dürfte es wohl sein, daß der Sieger demUnterjochten seine Sprache aufgenötigt hat. BeiPrimitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven, wie den Pygmäen in Zentralafrika undden Weddahs auf der Insel Ceylon, ist es das Ge-wöhnliche, daß sie die Sprache der sie umgeben-den, höher gesitteten, zumeist andersrassigenStämme zur ihrigen gemacht haben. Es bestehtalso wirklich kein enger Zusammenhang zwischenRasse und Sprache, hingegen wohl zwischen Kul-tur und Sprache; denn wir treffen im allgemeinendort höhere Kultur an, wo wir einer formenrei-cheren Sprache begegnen. Besonders die Aus-drücke der abstrakten Begriffe, die bei Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivennahezu fehlen, sind ein Prüfstein für eine weiterfortgeschrittene Zivilisation.
Die laienhafte Vorstellung, daß es edle und min-derwertige Rassen gebe, kann auch vor der Wissen-schaft nicht standhalten. Wohl sind einzelne Mensch-heitsgruppen in ihrer Körperlichkeit vom Tiereentfernter, andere stehen ihm näher; diese Er-scheinungen erlauben jedoch keine Rückschlüsseauf die Geistigkeit. Niemand wird beispielsweisebehaupten wollen, daß die Neger Glossar ::: zum Glossareintrag Neger, die die mensch-lichsten, nämlich am stärksten ausgebildeten Lip-pen haben, kulturell höher stehen, als die Euro-päer. Umgekehrt sind am Gehirn des äußerlichdem Tiere noch in vielen Punkten ähnlichen Austra-liers keine entscheidenden Merkmale zu finden, dieauf eine, im Vergleich zum Europäer, geringereGeistigkeit hinweisen könnten. Im allgemeinensind am Gehirn keine deutlichen Rassenunterschiedemerkbar, höchstens, daß das durchschnittliche Ge-hirngewicht der Natur- geringer ist als das derKulturvölker, eine Differenz, die sich ebenfalls beimgeistig höherstehenden Einzelindividuum, gegen-über dem geistig tieferstehenden geltend macht.In der großen Mehrzahl der Fälle ist auch dasDenkorgan des Mannes schwerer als das der Frau.Das Wort ,, edel" gebrauchen wir ganz unrichtiger-weise dann, wenn uns eine Rasse schöner erscheint,als eine andere. Dabei sollten wir aber nicht ver-gessen, daß der Schönheitsbegriff etwas ganz Re-latives darstellt. Die Vertreter aller Rassen fin-den das Individuum dann am schönsten, wenn esdie betreffenden Rassenmerkmale im ausgepräg-testen Maße besitzt. So bilden für den Mongolenmöglichst vorspringende Backenknochen und einekaum über die Wangen vorragende Nase das Ideal.Das sind Erscheinungen, die uns Europäern äußerstmißfallen.
Weil augenblicklich die am weitesten fortge-schrittene Kultur bei der weißen Rasse anzutreffenist, wird sie vielfach als die edelste, geistig höchst-stehende gepriesen. Zur Widerlegung dieser irrigenAnsicht verweise ich nochmals auf das bereits vor-gebrachte Beispiel Chinas. Es haben einfach nichtalle Rassen gleichzeitig ihre Blütezeit erlangt. Wo-von im wesentlichen die Kulturhöhe eines einerbestimmten Rasse zugehörigen Volkes abhängt,haben wir im früheren schon erwähnt. Jedenfallskommt dafür die Rassenstellung kaum in Betracht.
Unter anderem sind auch Seßhaftigkeit, eine ge-wisse Unabhängigkeit vom Nahrungserwerb undWohlstand Grundbedingungen für eine günstigeKulturentwicklung. Freilich sind hierfür noch an-dere Momente in Erwägung zu ziehen, auf dienäher einzugehen zu weit führen würde.
Lassen wir uns von Erfahrungen auf diesem Ge-biete belehren, so müssen wir folgendes zugeben:Wenn man weiße und andersfarbige Kinder, dienoch gar keine Vorbildung genossen haben, in eineSchule zusammenbringt, so zeigt es sich, daß siealle im Durchschnitt dieselben Fortschritte machen.Die ungünstigen Urteile, die vielfach von For-schungsreisenden über die geistige Veranlagungder Naturvölker Glossar ::: zum Glossareintrag Naturvölker heimgebracht wurden, beruhenzumeist auf allzu flüchtiger Beobachtung, auf derUnfähigkeit des Gewährsmannes, sich in die Seeledieser Wilden hineinzudenken, oder auf einer Ver-kennung ihrer, im Vergleich zu den unsrigen, ganzanders gearteten Lebensverhältnisse. So sind dieoft geäußerten Behauptungen der hier in Betrachtkommenden Gelehrten, daß die primitiveren Glossar ::: zum Glossareintrag primitiveren Völ-ker ihre Aufmerksamkeit nicht konzentrieren kön-nen, größtenteils dahin richtig zustellen, daß denLeuten Fragen vorgelegt wurden, die abseits vonihrem Interessenkreise lagen Auf diese Weise mußtesich freilich bei den Examinierten bald eine Er-müdung einstellen.
Man darf sonach wohl annehmen, daß die gei-stigen Anlagen bei den Völkern aller Rassen ursprüng-lich ungefähr dieselben sind. Es gibt eine gewisseEinheitlichkeit des Menschengeistes. Das zeigt sichsowohl in den Leistungen der materiellen, als auchder geistigen Kultur. In dem ersten Punkte lassensich gleiche Züge in den verschiedensten Gebietender Erde nachweisen. In den Anfängen der ma-teriellen Kultur, den ,, Kulturelementen", wie sichder Leipziger Forscher Prof. Karl Weule¹) aus-drückt, finden wir vielfach Übereinstimmungen.In der Feuererzeugung können wir nahezu auf derganzen Erde das Hervorrufen der Flamme durchAneinanderreiben von Holzstücken beobachten.Sowohl in der Urgeschichte Europas, als auch beiden jetzigen primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven Völkern sehen wir, daßWerkzeuge durch Behauen und auch Schleifen vonSteinen erzeugt werden. In der Bearbeitung derTierfelle sind nicht sämtliche Bewohner unseresPlaneten bis zur Gerberei vorgeschritten, aber biszum Walken dieser Naturprodukte haben es allegebracht, vorausgesetzt, daß sie derartige Dingeüberhaupt für ihre Bekleidung benützen. DasFlechten das ist ein Verfahren, durch das Zweigeoder Pflanzenfasern zur gegenseitigen Durch-kreuzung gebracht werden, auf daß solchermaßenein zusammenhängendes Gebilde hergestellt werde,
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scheint Gemeingut der Menschheit zu sein.Von der Weberei läßt sich nicht das gleiche be-haupten. Sie ist auf bestimmte Landstriche unseresGlobus beschränkt, was wohl darauf zurückzufüh-ren ist, daß man zu ihrer Ausübung geeigneter,in Fadenform gebrachter Stoffe bedarf. Diese sindsicherlich nicht überall anzutreffen. Daß derMensch Kleidungsstücke und Gebrauchsgegenstände
¹) Dr. Karl Weule, Kulturelemente der Menschheit.Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Franckh'sche Ver-lagshandlung, Stuttgart.