Druckschrift 
Völkerschmuck : mit besonderer Berücksichtigung des metallischen Schmuckes
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

VORWORT.

Als ein Vorlagenwerk für die schaffende Kunst des Goldschmiedes, als Motivenschatz und Quellvon Anregung für die fortarbeitende Erfindung auf dem köstlichen Gebiete des menschlichen Geschmeideswird das vorliegende Werk, das aus dem Schmuckapparat der gesamten Menschheit schöpft, in ersterLinie von Martin Gerlach der Öffentlichkeit zugebracht. In der Reihe ähnlicher Veröffentlichungen( ,, Die Quelle"), die der Kunstverlag Gerlach& Wiedling in Wien dem künstlerischen und kunst-gewerblichen Schaffen der Gegenwart, in welcher sich nach langem Stillstand wieder ein neuer künst-ferischer Wille regt, zu seiner Bereicherung und Vertiefung bereits an die Hand gegeben hat, durftedas Schmuckkapitel am wenigsten fehlen; denn gerade das Geschmeide, das seiner Natur nach undwegen seiner Kostbarkeit unter allen menschlichen Gebrauchsdingen am meisten zum Stillstand derFormen neigt und am wenigsten der Unrast der Mode unterworfen ist, bedarf aus diesem Grundevon Zeit zu Zeit und heute mehr als je künstlerischer Auffrischung und der Zufuhr frischen Erfindungs-geistes und erprobten Reizes.Bei der großen Zahl der im vorliegenden Werke reproduzierten Schmuckformen aus allerHerren Länder und aus allen Zeiten gewinnt dasselbe aber auch ohne ausdrückliche Absichtin dieser Richtung und daher auch ohne jeden Anspruch nach dieser Seite einen gewissenWert für die Geschichte und Ethnographie des Schmuckapparates der Menschheit. Aber wie schon der Mangel einerdiesbezüglichen Disposition zeigt der sich aus der mühsamen Herstellungsart des Werkes, dessen Blätter im Laufevon Jahren aus zahlreichen Museen und Privatsammlungen in ganz Europa nach und nach zusammenzuholen waren,genügend erklärt und entschuldigt kann eine derartige Bedeutung dem Werke nur als willkommene Nebenfruchterwachsen: seine wahre Absicht, der sich alles andere unterzuordnen hatte, zielt auf die Befruchtung der modernenProduktion, auf die Erweiterung des Ziergeschmackes der heutigen Goldschmiedekunst und zumal ihres Publikums,welches allmählich dazu erzogen werden muß, nicht bloß in der öden, abstrakten Kostbarkeit des Materials wie beimBrillantschmuck sondern vor allem in dem Adel und Reichtum der Form, in der Lebendigkeit der Erfindung, inder Mannigfaltigkeit und Eigenart der Zierweisen die besten Vorzüge des Geschmeides zu erblicken. Es läßt sich garnicht verkennen, daß gerade auf diesem Gebiete eine beklagenswerte künstlerische Verarmung platzgegriffen hat.Alle früheren Epochen haben an feiner Empfindung künstlerischer Werte im Schmuckwesen sowohl im Körper-wie im Gewandschmuck die Gegenwart weitaus übertroffen. Der Erbschmuck vergangener Geschlechter bis herunterzum Bauernschmuck der verschiedenen Nationen Europas, der formen- und farbensprühende Schmuckapparat desOrients Glossar ::: zum Glossareintrag Orients, selbst die primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Zierkünste niedrigstehender farbiger Völker ganz zu schweigen von dem künstle-rischen Adel des antiken Geschmeides sie besitzen alle in hervorragendem Maße, was wir heute mehr und mehr ver-missen und erst wieder zu erarbeiten haben: Fülle und Originalität der Erfindung, bestimmte Schmuckideale bis zur Ausbildungfester Schmucktrachten, Takt und feinste Empfindung für die seelische und ethische Seite, die dem Schmuck neben dem

3

1*