Teilen der ornamental bemalten Füllungen eine gemalte Imitationvon Hartholzfournieren( Taf. XX). Ein besonders einfacher, malerischerDekor, wie an der auf Tafel XXI veranschaulichten Bettlade, ist fürdie Bauernmöbel im Sarntale typisch.
Unter dem Hausrat, welcher nach alter Sitte zum Heiratsgut( ,, Wazum") der bäuerlichen Braut gehört, bildet die Kinderwiegeein wichtiges Möbelstück, welches demgemäß oft in reichster Artmit Schnitzwerk und Malerei ausgestattet erscheint. Die mit Schnitzereigezierten Wiegen( Taf. XXII) befizen auch folcherart gewöhnlich mitKerbschnitzerei verzierte Wiegenbogen aus Birn- oder Buchsbaum-holz, welche beliebig verstellbar sind und zur Aufnahme des Schutz-behanges gegen direktes Sonnenlicht und Fliegen dienen. Die Kinder-wiege auf Tafel XXIII veranfchaulicht ein Beispiel reichfter Dekorierungeines folchen Möbelstückes mit bemaltem Schnitwerk und die nebenderfelben dargestellte Puppenwiege läßt erkennen, in welcher Weifedie farbenfreudige Ausstattung des bäuerlichen Mobiliars auch aufdas Kinderspielzeug übertragen wird.
Von Mobilien zur Aufbewahrung der Wäsche und Kleidungs-stücke waren in Tirol wie anderwärts von altersher Gewandtruhenin Verwendung, deren Gebrauch fich in diefem Lande jedoch nochvorherrschend neben den später entstandenen Kleiderschränken bisin die neuere Zeit erhalten hat. Unter den Gewandtruhen erfuhrendie ,, Brauttruhen", welche im„ Kammerwagen" vor der Hochzeitzum Haufe des Bräutigams geführt werden, stets die reichste Aus-zier. Sie weifen demgemäß je nach der Zeit und dem Orte ihrerEntstehung verfchiedene Formen und Verzierungsarten in Malereiund Schnitzwerk auf, deren eigenartige und ftilgemäße Durchbildungin den auf Tafel XIV bis einschließlich Tafel XVIII dargestellten Bei-spielen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert ersichtlich ist. Im allgemeinenfinden fich gemalte oder geschnitte Verzierungen nur an den Vorder-feiten der Gewandtruhen und feltener auch an den Schmalfeiten.( Taf. IV.)
In noch ausgedehnterem Maße wurde stets auf die dekorativeAusstattung der Kleiderschränke Bedacht genommen, welche gleichden Truhen aus Zirbel- oder Fichtenholz hergestellt durch reichepolychrome Bemalung auf braunem oder lichtblauem Grunde,beziehungsweise durch eine flott ausgeführte ornamentale Relief-fchnitzerei wahre Prunkftücke des bäuerlichen Mobilars vorstellen.( Taf. XXIX bis einfchließlich XXXIII.)
Im Unterinntaler- und in den füdtirolifchen Gebieten find vor-nehmlich die bemalten Kleiderschränke, wie überhaupt polychromdekorierte Möbel vorherrschend, während die Oberinntaler- Vinst-gauer Distrikte häufiger lediglich gefchnitte( Taf. XXXII) oder folchemit bemalter Schnitzerei aufweifen. Die urwüchfige Farbenfreudigkeitder bäuerlichen Maler manifeftiert sich in diefen Möbeldekors durchungefcheute Anwendung greller Farbenkontraste, welche jedoch inden meisten Fällen gepaart mit natürlichem Sinn für richtige Ver-teilung derfelben harmonische Gefamtwirkungen erzielte, die vielfachan orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen Farbenfinn erinnern.
Die Ornamente, welche bei Tiroler Bauernmöbeln aus ältererZeit zur Anwendung kamen, enthalten kaum Reminiszenzen an diejeweilig in städtifchen Kunstzentren vorherrfchende Stilrichtung; fiefind vielmehr als Produkte( pontaner Eingebung ihrer Herstellerdurchwegs originell unter Benütung von heimatlichen Pflanzen-formen ftilifiert und mit richtiger Empfindung für den Flächendekorangeordnet. Bei den aus neuerer Zeit stammenden Bemalungen anMöbeln und Geräten ist die naturaliftische Wiedergabe von Pflanzen-formen, wobei die Role zumeist als Vorbild dient, vorherrschend.Es ist nicht zu verkennen, daß bei größter Mannigfaltigkeit in derKonzeption folche Bemalungen innerhalb eines bestimmten Tal-gebietes und felbft einzelner Orte einen ihnen gemeinsamen Stil-charakter aufweifen, welcher wohl in der traditionellen Fortererbungder Anwendungsart und technischen Herstellung diefer Dekors be-gründet erfcheint.( Vergl. die auf Taf. XXIX und XXX dargestelltenSchränke mit jenen auf Taf. XXXI und XXXIII.) Die naturgroßenDetails von ornamentalen Möbelbemalungen auf Tafel XXXV laffenauch die maltechnische Wiedergabe frei erfundener Ziermotiveerkennen.
Naturgemäß findet sich die Anwendung figuraler Malereienan Bauernmöbeln, wie im Beispiele auf Tafel XXXI feltener. Ineinzelnen Fällen zieren die Schrankfüllungen auch naiv dargestellte
kleine Historiengemälde mit Szenen aus den Tiroler Befreiungs-kämpfen, fowie kleine Landschaftsbilder mit Staffagen.
Die Küchenfchränke, in welchen Milchschüffeln und anderesGefchirr aufbewahrt werden, bestehen gewöhnlich aus einem ver-schließbaren Schrein, über welchem ein Tellerbord aufgesetzt ist, deffenSeitenwände gleich jenen der freihängenden Tellerborde in denStuben( Taf. V) aus zierlich gefchweiften Brettern bestehen. Ge-wöhnlich find folche Küchenfchränke in rotbrauner oder blauer Farbegestrichen und feltener mit Ornamentmalerei geziert wie im Bei-[ piele auf Tafel VII.
In neuerer Zeit finden fich in Tiroler Bauernhäusern schonvielfach niedrige Schiebladenfchränke von nüchterner Ausstattung,welche bestimmt find, die althergebrachten Gewandtruhen zu erleben,während Schiebladenfchränke aus älterer Zeit, wie der auf Taf. XXXIVdargestellte Schrank aus dem 18. Jahrhundert, welche zur Auf-bewahrung der im Haufe erzeugten Leinwand dienen und in einemaufgelegten Schrein die Familiendokumente bewahren, nur noch inwenigen Exemplaren vorkommen. Bei dem hier gegebenen Beispielediefer Möbelart ift die kühne Verwendung von abwechselnd hoch-roten und weißen Farbflecken in den Umrahmungen der Schieb-laden auffallend. Der bäuerliche Maler beabsichtigte damit die Farbendes tirolischen Landeswappens zur Geltung zu bringen, wie diesam gemalten Dekor diverfer Bauernmöbel mehrfach anzutreffen ist.( Siehe Taf. XX, XXI, XXIII, XXVI, XXIX, XXX und XXXIII.]
Geräte. Die Anwendung von Kunstformen bei der Herstellung
aller Arten des bäuerlichen Gerätes war in Tirol inder ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch ganz allgemein undift in neuerer Zeit, wo vielfach schon fabriksmäßig erzeugte Wareihren Weg zu einfam gelegenen Orten findet, demgemäß feltenergeworden.
Die älteren Geräte aus Schmiedeifen, wie Leuchter für Kien-fpähne und Kerzen, Oellampen, welche gewöhnlich an einer uhr-zeigerartig beweglichen Latte an der Zimmerdecke aufgehängt werdenund die am offenen Herde und auf den Eßtifchen zum Aufstellender Pfannen dienenden Eifengeftelle( ,, Pfannknechte") geben Zeugnisvon dem Kunstfinne und der technischen Geschicklichkeit einfacherDorffchmiede.( Taf. XXXVI.]
Es muß naheliegend erscheinen, daß die Herstellung von allerleiHaus- und Landwirtschaftsgeräten aus Holz infolge leichter Bear-beitung des Materials nicht bloß dem Dorfhandwerker, fondernauch dem Landmann überhaupt Gelegenheit bot, feinen Schaffens-trieb und Formenfinn zu betätigen. Einfache mit primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitiven, dochftilgemäß angewendetem Schnitzwerk gezierte Gebrauchsgegenstände,wie die auf Taf. XXXVII dargestellten aus einem maffiven Holzftückgeschnitten Mohnmörfer, die geschnitten Salzbehälter( Taf. XXXVIII),Kochlöffelbehälter und Hobel( Taf. XXXIX), Senfenfcheiden Glossar ::: zum Glossareintrag Senfenfcheiden( Taf. XLI),Kumpfe für Senfenwebsteine( Taf, XLII). Melkerftühle und Milch-kübel( Taf. XLIII), Ochfenjoche und Schellenbogen für Kühe( TafelXLIV), Ziergehänge für Schafe( Taf. XLV) u. a. find augenscheinlichnicht handwerksmäßige Erzeugniffe, fondern lediglich Hauserzeugniffeeinzelner Bauern. Dazu gehören auch jene Zierstücke, welche zumfeftlichen Zuge nach und von der Alpe dienen, wie der aus Wurzel-holz gefchnitzte Stock( Taf. XLVI), mit welchem der Aelpler der Herdevoranfchreitet, gefolgt von der Leitkuh" welche den kerbschnitt-gezierten Schellenbogen trägt und die kleinen Melkerkästchen, ent-weder aus einem Holzstück gehöhlt und gefchnitt( Blockkästchen]oder aus Brettchen gefügt und bemalt( Taf. XLVII) in welchem dieSenner Bargeld und religiöfe Kleinodien aufbewahren.
Gleich den mit befonderer Zier ausgestatten Möbeln befindenfich unter den zum Heiratsgute der Bäuerin gehörigen Geräten vor-nehmlich Scheffeln, welche durch Bemalungen( Taf. XL) in mannig-facher Art geziert find, auch folche mit Kerbschnittverzierungen undfarbigen Wachseinlagen oder Holzintarsia.( Taf. XLIII).
In einigen Talgebieten Tirols finden auch die dem landwirt-fchaftlichen Betriebe dienenden Bauernwagen eine dekorative Aus-stattung mit Schnitzwerk und Malerei. Während fchön gebaute derartgezierte Bauernwagen( Taf. XLVIII) nur in einigen Gegenden Süd-tirols vorkommen, finden fich in Nordtirol von eigenartig geziertenFuhrwerken noch Bauernfchlitten( Taf. XLIV), vornehmlich im Ober-inntaler Gebiete.