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Heilborn, A. Allgemeine Völkerkunde. Berlin und Leipzig 1915 : [Rezension]
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,, Schwimmsack" an Stelle von Heilborns Schwimmschlauch" und sicherlich anstatt Weules ¹),, Balgfloẞ" in der Literatur einzuführen; denn der Ausdruck Schwimmsack" kommt wohl derVorstellung von der Sache am meisten entgegen. Auch mein Gerüstboot" möchte ich in diesemSinne empfehlen. Im ganzen handelt es sich hier um eine kurze, sehr gehaltvolle Zusammenstellungdes auch in der letzten Zeit über materielle Kultur der Völker von den Forschern Gebotenen. In sehrinstruktiver Weise wird stets, wo es nur angeht, auch die europäische Volkskunde vergleichs-weise herangezogen. Treffliche Abbildungen und ein ausgezeichnetes Literaturverzeichnis erhöhen nochden Wert dieses sonst auch so lesenswerten Werkes.Dr. Rudolf Trebitsch.

24.

Dempwolff, Otto: Die Sandawe. Hamburg( L. Friederichsen& Co.) 1916.( Abhand-lung des Hamburgischen Kolonialinstitutes, Band XXXIV.) Mit 48 Abbildungen imText. 180 S.

Unter den zahlreichen Völkerschaften der deutsch- ostafrikanischen Kolonie sind die Sandawe( Wa- Sandaui), welche im Bezirke Kilimatinde wohnen, besonders merkwürdig. Sie besitzen eine vonihren Nachbarn gänzlich abweichende Sprache, welche sich der Schnalzlaute bedient, die sich be-kanntlich in Afrika sonst nur bei Hottentotten Glossar ::: zum Glossareintrag  Hottentotten und Buschmännern Glossar ::: zum Glossareintrag  Buschmännern wiederfinden. Verfasser, der sichschon durch eine Reihe wertvoller Arbeiten über ostafrikanische Sprachen?) in der wissenschaftlichenWelt vorteilhaft eingeführt hat, widmet der Lautlehre und Grammatik des Ki- Sandawe im vorliegendenBuche eine eingehende Untersuchung. Es stellt sich dabei heraus, daß die Sandawesprache nur dreiSchnalzlaute( der dentalen, zerebralen und lateralen) kennt, während bekanntlich das Nama derenvier, das Buschmännische ihrer sogar sechs hat. Aber nicht bloß hinsichtlich der Schnalzlaute, auchin der Wortbildung und im Satzbau finden sich zahlreiche Übereinstimmungen zwischen Sandawe undHottentottisch Glossar ::: zum Glossareintrag Hottentottisch. Dempwolff will jedoch nicht so weit gehen, deshalb eine gemeinsame Abkunftbeider Völker von einem Stamme anzunehmen, meint aber, daß bei der Bildung und Entwicklungbeider Sprachen gleiche Faktoren mitgewirkt haben müssen, sei es durch Blutmischung, sei es durchKulturbeziehungen. So wie für die Hottentottensprache Glossar ::: zum Glossareintrag  Hottentottensprache die Hypothese besteht, daß sie ihren Ursprungder Mischung einer Buschmannurbevölkerung Glossar ::: zum Glossareintrag  Buschmannurbevölkerung mit hamitischen Einwanderern verdankt, so kann mandas gleiche für die Sandawesprache behaupten, nur daß hier noch weitere Beimengungen aus benach-barten junghamitischen und Bantusprachen hinzugekommen sind.

Auch der zweite Teil des Buches, der ethnographischer Natur ist, verdient volle Anerkennung;er bringt uns wertvolle Angaben über Wohnstätten und Einrichtung( interessant sind die in den Tembenbefindlichen Gestelle zum Aufhängen von Bogen und Pfeilen), über Ernährung, Schmuck und Haartracht,künstliche Verunstaltungen, Kleidung, Waffen, Jagd, Fischfang und Ackerbau, Sport und Spiele, Musikund Tanz, Technik usw. Auch über das Seelenleben dieses Volksstammes gewährt das Buch interessanteEinblicke durch Wiedergabe zahlreicher nach dem Diktat von Eingeborenen phonographisch auf-genommener Texte mit Übersetzung über die Rechte der Häuptlinge Glossar ::: zum Glossareintrag  Häuptlinge( in der Zeit vor der deutschenHerrschaft), Landbesitz, Erbrecht, Strafrecht, Familienbeziehungen, Geburt, Hochzeit und Begräbnis,endlich über Religion, Kultus und Mythologie. Was die letzteren anbelangt, so spielen Zauberhandlungenin den Texten auffallenderweise eine geringe Rolle( nur beim Regenmachen), sonst handelt essich meist um Ahnenverehrung und damit zusammenhängende Opfer. Interessant sind die Spureneiner Tradition von einem Kulturheros oder Heilbringer( Matunda, der den Menschen das Feuerverschaffte, welches sein Hund aus einem Termitenhügel holt). Totemismus gibt es unter denSandawe nicht. Endlich werden auch noch fünf vom Verfasser aufgezeichnete Märchen mitgeteilt, vondenen speziell Text 58( Freundschaft zwischen Hase und Giraffe) ein in Afrika weitverbreitetes Motiventhält. Über die anthropologischen Verhältnisse bringt das Buch nichts Wesentliches, doch stimmendie subjektiven Eindrücke des Autors von der Physis der Sandawe gut zu seiner auf dem Studiumder Sprache aufgebauten Hypothese ihrer Herkunft.

Die Arbeit Demp wolffs ergänzt die Publikationen von Reche über die Ethnologie und vonRied über die Anthropologie des abflußlosen Gebietes Deutsch- Ostafrikas in dankenswerter Weise;wir schließen mit dem Wunsche, daß allmählich alle Volksstämme der deutschen Kolonien durch solcheerschöpfende Monographien der völkerkundlichen Wissenschaft erschlossen werden mögen.

Wien.

1) Dr. Karl Weule, 1. c. S. 126, und Tafel 112, Abb. 6.

Dr. Rich. Lasch.

2) Dempwolff, Beiträge zur Kenntnis der Sprachen in Deutsch- Ostafrika( Zeitschr. f. Kolonial-sprachen II, 1912; III, 1913; IV, 1914; V; 1915.)