Druckschrift 
Motive der hausindustriellen Stickerei in der Bukowina : = Motifs de la broderie paysanne en Bukovine = Designs of the home-industry embroideries in Bukovina
Entstehung
Wien [1912]
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Hausgeräte hat er selbst gefertigt, die Kleidung für die ganze Familie wird von denweiblichen Gliedern derselben aus selbst angebautem Flachs und Hanf, aus der Wolleder selbst gezüchteten Schafe im Hause hergestellt.

Eines aber ist der Bukowiner Landbevölkerung, sei sie im Norden oder Süden,Osten oder Westen ansässig, sei es Mann oder Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, hierbei ein unabweislichesBedürfnis; es ist dies das Verlangen, ihren verschiedenen Arbeiten nebst möglichsterZweckmäßigkeit und Dauerhaftigkeit auch einen gewissen äußeren Schmuck, eineangemessene Zier zu verleihen, und gerade auf diesem Gebiete zeigt dieselbe einennatürlichen Kunstsinn und ein angeborenes Verständnis, das im Hinblick auf diesonstige kulturelle Rückständigkeit derselben um so mehr unser Staunen, ja unsereBewunderung erregen muß.

Während der Mann das Haus und die darin befindlichen primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Einrichtungs-stücke sowie seine sonstigen Geräte für die Wirtschaft, die zumeist aus Holz gefertigtsind, mit Ornamenten mancherlei Art in Kerbschnitt oder auch anderweitig gearteterHandschnitzerei zu verschönern trachtet, geben hinwiederum die mannigfachen, vonden weiblichen Familienangehörigen auf dem Webstuhl hergestellten Teppiche undGürtel, insbesondere aber die Hemden und Kopftücher den Frauen und Mädchenwillkommene Gelegenheit, durch Anbringung reicher farbenprächtiger Stickereienin mannigfaltigster Form ihre Kunstfertigkeit zu betätigen, ihrem Schönheitsgefühlzu genügen.

Von dem Verlangen beseelt, diesen reichen Schatz zu heben, denselben derAllgemeinheit bekannt und zugänglich zu machen, andrerseits aber auch ihn derGefahr des Verschwindens und Verlorengehens zu entreifen und soviel als möglichhiervon zu retten, habe ich die vorliegende Arbeit unternommen und in jahrzehnte-langem Durchstreifen des Landes, kreuz und quer, nach allen Richtungen hin,durchgeführt; sie enthält Motive der hausindustriellen Stickerei der beiden in derBukowina heimischen Volksstämme, der Rumänen und Ruthenen. Ich mußtemir versagen, hier auch die Stickereien der andern hiesigen Volksstämme, die solchepflegen, so der Ungarn und Slowaken, mit einzubeziehen, ist doch die Fülle derersteren schon eine derartige, daß dieses Werk keineswegs auf VollständigkeitAnspruch machen kann, vielmehr nur eine Auslese des Besten derselben geben soll.Es war auch mein Bestreben, bei den weiters folgenden Ausführungen michstrengster Objektivität und Sachlichkeit zu befleifen und, unbeirrt von lokalenpolitischen, nationalen oder sprachlichen Tagesfragen, den Blick stets nur auf dasGanze gerichtet haltend, meine auf jahrzehntelanger Beobachtung und Erfahrungberuhenden Wahrnehmungen und Folgerungen auszusprechen; handelt es sich hierdoch keineswegs um eine Bevorzugung oder Zurücksetzung des einen oder andern,sondern im Gegenteil um eine volle und ganze Würdigung dieser schönen volks-kunstlichen Betätigung beider Volksstämme nicht nur im Lande selbst, sondern auchaufzerhalb desselben, sowohl in fachwissenschaftlichen als den weitesten gebildetenKreisen überhaupt, in welchen die Bukowina, wie auf so vielen andern, leider auchauf diesem Gebiete noch viel zu wenig beachtet, richtig beurteilt und geschätzt wird.Es ist mir nunmehr bei dem Erscheinen dieses Werkes eine angenehme Pflicht,dankbar zu gedenken aller jener Faktoren, welche mich bei meiner Arbeit materiellund ideell unterstützten, und sei hier an erster Stelle dem k. k. Ministerium füröffentliche Arbeiten und dem Bukowiner Landtage, welche die Mittel für dieseHerausgabe bewilligten, mein ergebener Dank zum Ausdruck gebracht.

Zu besonderem Danke fühle ich mich auch Herrn k. k. Gendarmeriemajor EduardFischer gegenüber verpflichtet, welcher die Liebenswürdigkeit hatte, mir die bei-gegebene Karte der Bukowina zu zeichnen und dank dessen Intervention ich michbei all meinen Aufenthalten und Sammelarbeiten auf dem Lande der werktätigstenUnterstützung des k. k. Gendarmeriekorps zu erfreuen hatte. Desgleichen gebührtmein Dank Herrn akademischem Maler Karl Olszewski, welcher so freundlich war,mir das Originalgemälde des stickenden Bauernmädchens auszuführen, weiters

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