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fortgesetzt, die jetzt 64 rauchige Stücke zählt. Alljährlich wird dasWirtshaus, das auch sonst guten Zulauf hat, am Karfreitag von Neu-gierigen und Durstigen in großer Menge besucht. Nach einer Über-lieferung vermachte ein Londoner Bürger eine Summe Geldes, ausderen Ertrag alljährlich am Karfreitag 21 neugeprägte Sixpence undebensoviel Kreuzessemmeln für 21 Witwen auf seinen Grabstein imKirchhofe bei der Kirche des Bartholomäus im Smithfield, LondonsOstende, gelegt werden sollten.«< Hier ist also die Kreuzessemmel eindeutliches Totenspendebrot, das man sonst auch wie die Braun-schweiger Knappe- Krengel gegen häusliches Unglück in den Zimmernaufhängt. Auch auf den Grabsteinplatten in den römischen Katakombenist die Kreuzessemmel oder das Kreuzbrot ein Seelenbrot( sieheAbbildungen 8, 9 und 11); sicher kam es aus Italien durch das Christen-tum als Totenspende mit dem als signum crucis gedeuteten dekora-tiven Innenkreuze und als antidämonisches Saatbrot nach Süd-germanien und zu den Nordgermanen. Ein königliches Mandat vomJahre 1252 verbot diese Kreuzbrote; trotzdem fuhren die zünftigenBäcker fort, auf ihre Good- Friday- Buns das Kreuz einzutreiben, ehediese in den Ofen kamen( Hazlitt, 1. c. I, 283). Es ist dort auch all-gemeiner Volksglaube, daß man solches Karfreitagbrot als Glückfürs ganze Jahr( also wie ein Julbrot) von einem Gutfreitag zumnächstjährigen aufbewahren soll. In Dorsetshire backt man für diesenguten Freitag Brotlaibe, die in die Räucherkammer gehängt werden,um das Haus während des kommenden Jahres vor dem Verderbenzu bewahren. Ein wenig von diesem Gutfreitaglaib in Wasser ein-geweicht, ist ein unfehlbares volksmedizinisches Mittel gegen Diarrhöe( l. eod.) Eine Abart dieser englischen Kreuzbrote sind sicher diecross- marked wafers: Waffeln mit einem Kreuze markiert( Hazlitt, I,283), die wohl im 16. Jahrhundert dort aufkamen. Aus den unterden Weihnachtsgebäcken( 1. c.) und hier unter Karfreitaggebäckenangeführten Belegen erhellt deutlich genug, daß die zur christlichenOsterzeit gebackenen Kreuzbrote auch ein die bösen Geister und üblenVegetationsdämonen abwehrendes, für das Glück des Hauses und denSaatsegen verwendetes christliches Heilbrot, beziehungsweise einSeelen- oder Totenbrot sind, dessen Kreuzfigur aber mit dem Sonnen-kult in keinem Zusammenhange steht, sondern nur mit der Ver-wendung des christlichen Kreuzeszeichens als Apotropaeon sich er-klären läßt, das am Karfreitag besonders leicht volksüblich geworden ist.Drei Kreuze auf den Brotteig gedrückt sind ein Mittel gegen Hexen.( Staub, 1. c., 22.)
Ein sehr primitives Glossar ::: zum Glossareintrag primitives Karfreitaggebäck waren ehemals die inTölz( Oberbayern) üblichen sogenannten» Karfreitag- Häute«<, hefelose,derbe, zähe, runde kleine Zelten oder Fladen mit blasenartig abge-hobener oberster Rinde( siehe Abbildung 33), auf der Butter( früherwohl Lein- oder Hanföl) mit Salz oder Kümmel aufgestrichen wurden