nicht wissen können, es ja nicht glauben wollen, daß es sich selberund damit ein Eigenverhältnis zu seiner Geschichte, zu seinem„ Geist" wiederfinden werde, der viele Länder im weiten Rund derAlpen- und der Donauländer zwischen Bodensee und Karpaten,zwischen Riesengebirge und Adria im Kulturellen durch lange Jahr-hunderte und heute noch ganz unverkennbar, wenn auch nichtimmer dankbar anerkannt, entscheidend mitgeprägt hatte.
Solche Persönlichkeitshaltung in schwerer Zeit, wie sie den we-nigen Kennern schon aus Leopold Schmidts liebenswertem Büchlein,, Geliebte Stadt. Briefe an Wien"( 1947) entgegenleuchtete, auch dennicht sonderlich„, wienfreundlichen" Angehörigen des„ wilden Berg-stammes hinter dem Semmering" und wohl auch noch manche an-dere Kollegen aus den Bundesländern zu besinnlichem Denken undDanken anregte, ist aber doch nicht selbstverständlich. Sie warLeopold Schmidt auch nicht in die Wiege gelegt, als er vor fünf-undsechzig Jahren am 15. März 1912 als Großstadtkind kleinbürger-licher Beamtentradition in Wien das Licht dieser damals nochheiter scheinenden, aber für die Einsichtigen dennoch schon vonErfülltheits- und Untergangsstimmung getragenen Welt der Herz-mitte des Vielvölkerreiches am Vorabend der ersten großen Tragö-die unseres Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes in diesem von manchem Wahn geblende-ten Jahrhundert erblickte.
Aber liebevolle Elternfürsorge und das Gottesgeschenk hoherBegabung ließen ihn wie seinen Bruder durch die Wirrnis der er-sten Nachkriegsjahre finden, den üblichen Schulweg über das Huma-nistische Gymnasium mit seiner damals noch unglaublichen Krafteiner wirklichen Persönlichkeitsbildung. So konnte er ans Studiuman der Universität Wien gehen, zu Germanistik, Volkskunde, Völ-kerkunde und ― was heute den jungen Menschen gerade von den,, Reformern" her so unsinnig schwer gemacht wird, ihnen wirklichvorenthalten wird! zu so vielen„ nicht anrechenbaren Neben-fächern" finden, die dem aufgeschlossenen jungen Menschen so un-glaublich viel an Anregungen verschafften: die Klassische Philologie,als Kulturwissenschaft betrieben; so auch die Kunstwissenschaft, dieHistorie und das weite Feld der Vor- und Frühgeschichte in einerwirtschaftlich notvollen, politisch immer unruhiger werdenden, inihren Profilen und Wesenskundgebungen schwer und nirgends ein-heitlich bestimmbaren Zeit. Aber diese frühen dreißiger Jahrehatten dennoch eines vor den unseren voraus: daß sie nämlich denjungen Menschen eine Hohe Schule als universitas litterarum zubieten hatten, nicht bloß eine höhere Fachlehranstalt mit der trost-losen Gejagtheit der Studierenden nach Scheinen, Zulassungen,Terminen...
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