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Erinnerungen aus der Bretagne
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chen St. Pol de Leon. Zwei ganz nahe voneinander gelegene, sehr hübsche altegotische Kirchen sprechen deutlich für den Glaubenseifer der Bretagne. In derKathedrale wird eine Glocke aufbewahrt, die vor undenklichen Zeiten ein Fisch ausEngland herüber gebracht haben soll. Sie ist der Gegenstand inbrünstigster Ver-ehrung und findet sich in zahlreichen Abbildungen in den Auslagen vieler Geschäfte.An der Kathedrale selbst fiel mir noch die kleine, ganz bescheidene neben demHauptportal gelegene Tür der Aussäßigen auf, ein beredtes Zeugnis für dieScheu, mit welcher die armen Leprösen im Mittelalter gemieden wurden. Dieschreckliche Krankheit dürfte wohl heute noch sporadisch in der Bretagne vorkommen.

Den 17. August benutzte ich zu einem Tagesausflug nach dem reizendgelegenen Huelgoat. Eine mehrstündige Bahnfahrt brachte mich nach Locmaria.Von hier aus ging es mit Wagen und zum Teil zu Fuß durch eine abwechs-lungsreiche Gegend nach Huelgoat. Zuerst an Wiesen vorüber, im HintergrundeHügel, deren Gipfel von kleinen aus dem umgebenden Grün schüchtern hervor-lagernden Felsen gebildet werden, dann geht es durch eine enge Felsschlucht,dann wiederum durch dichten Laubwald, an einem kleinen Tümpel vorüber,genannt ,, la mare du sanglier". Endlich durch das sogenannte Chaos", einin einem Flußbett gelegenes, weit sich hinziehendes Gewirre von Felsblöcken.Eine Partie darin heißt le mènage de la vierge"; man steht hier dieromantischesten Höhlungen in den Felsen, die als Schüssel und Teller derheiligen Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau gedeutet werden. Doch eine kleine naturhistorische Überlegungkann uns in dem Chaos" nur die Spuren einer auch hier überstandenen Eis-zeit und in den eigentümlichen Höhlungen Gletschermühlen vermuten lassen.Nachdem man unter nicht ganz ungefährlichen Klettereien all diese Naturwundergenossen, liegt plötzlich, lieblich an einem Teiche hingegossen, das DörfchenHuelgoat vor uns. Hier erwartete mich der überaus liebenswürdige Artillerie-major Alfred Querneau, in dessen reizender Gesellschaft ich den Nachmittag ver-brachte. Ich war von einem meiner französischen Bekannten an den Offizierempfohlen worden.

Als ich mit meinem freundlichen Cicerone nach dem ungefähr eine Stundeentfernten, abseits vom Welt- und Bahnverkehr gelegenen St. Herbot fuhr,besuchte ich mehrere Bauernhäuser, deren Inhaber uns alle auf das freundlichstewillkommen hießen. Es zeigte sich, daß alle nach einem Typus gebaut und ein-gerichtet waren. Ich hatte das bretonische Haus des Landmannes vor mir,wie es in früheren Jahrhunderten in derBretagne noch allenthalben anzutreffenwar, heute aber nur mehr in entlegeneren, verkehrsarmen Gegenden zu findenist. Es ist aus Granitblöcken erbaut, sein Dach besteht zumeist aus Tonerdeund Stroh. Modernere Häuser haben bereits Schindeldächer. Durch die Tür ein-tretend, gelangt man in einen für Mensch und Tier gemeinsamen Gang, vondem nach links, nur durch eine Holzwand getrennt, der Stall, rechts die Wohn-stube gelegen ist. In dieser erblicken wir zuerst im Hintergrunde, dem einzigenFenster gegenüberliegend, das Bett, ein ,, lit à coulisse". Es ist ein Bett mitzwei Stockwerken; in der unteren Abteilung liegen gewöhnlich die Kinder, oben dieEltern. Es läßt sich meist durch Schiebetüren, selten durch einen Vorhang, beiTag ganz verschließen und gleicht dann einem Schranke. Dieses Möbelstückzeichnet sich meist durch reiche Holzschnitzereien aus, hat sich oft durch Jahr-hunderte hindurch in der Familie vererbt und erreicht so oft einen Wert vonvielen 1000 Francs. Armut und allzu reicher Kindersegen dürften die Ursacheder Einführung dieses mit dem verfügbaren Raum so sehr sparenden Utensils