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ganz England von hier aus gedeckt wird. Das ziemlich eintönige Landschafts-bild wird zumeist etwas durch die auf den zahlreichen Wiesen grasenden Pferdebelebt. Man beschäftigt sich hier hauptsächlich mit der Aufzucht von schwerenWagenpferden. Wo nicht gerade Wälder oder Berge der Gegend ein eigenesGepräge verleihen, sieht es im Innern der Bretagne, wohl mit einigen Varianten,so aus wie hier.
In Guingamp, in St. Brieuc und noch an allerlei anderen Orten erfuhrich Interessantes über die Hochzeits gebräuche in der Bretagne. Bei wohlfituiertenLeuten soll es nicht gar zu selten sein, daß 1000 Gäste und darüber der Feierbeiwohnen. Dabei dient der erste Tag der kirchlichen Einsegnung des Paaresim Angesichte eines im Gotteshause aufgestellten Sarges, damit man bei dieserGelegenheit an die teuern bereits verstorbenen Angehörigen denke. Der zweiteTag ist hauptsächlich den Vorbereitungen zum eigentlichen Hochzeitsschmausegewidmet. Es werden die Tiere geschlachtet, die dazu notwendig sind. Amdritten Tage werden dann im freien Felde tiefe Furchen gezogen und die aus-gehobene Erde zwischen zwei Furchen aufgeschüttet und so ein langer Tischimprovisiert. Die Gäste ſizen, indem sie ihre Beine in diese tiefen Furchenhineinhängen lassen. Diese Art der Bewirtung ist wohl nur in der warmenJahreszeit ausführbar. Dabei haben die Frauen die anwesenden Männer zubedienen und sehen sich erst selbst nach getaner Arbeit zum Mahl. Zwischenden Mahlzeiten wird fleißig getanzt, und zwar unter den Klängen der Cornemuse,eines Dudelsackes, und der Bombarde, eines holzpfeifenartigen Instrumentes.Oft wird das Paar vor den anwesenden Gästen, in seinem Ehebett hingestreckt,vom Geistlichen gesegnet, wobei sich einige Kinder, fünftigen Kindersegen an-deutend, hinzulegen. Die erste Nacht nach der Hochzeit ist gewöhnlich der heiligenJungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau geweiht, die zweite dem heiligen Josef, hingegen wird dann erst inder dritten an die Consumptio matrimonii geschritten. Zu den spaßhaftestenGebräuchen gehört wohl das Schlürfen der Milchsuppe mit durchlöchertenLöffeln, welches das Ehepaar, im Bette liegend, vor den versammelten Gästen vollzieht.
Von Guingamp aus ging es nach Lannion, einem friedlichen am Léguergelegenen Städtchen. Der Stolz des Ortes ist das Haus eines Hutmachers aufdem Hauptplate. Seinen hölzernen Erkern und seinem vorspringenden Giebel-dach glaubt man ein Überdauern von Jahrhunderten. Wie wohltuend wirkt inLannion etwas Vergangenheit, da die Gegenwart hier so wenig bietet!
Ein Ausflug in das Tal des Léguer führt uns mehrere alte Schlösservor Augen. Das Schönste ist wohl Tonquédek. Sehr zerfallen und von Efeuumranft, prangt es majestätisch über dem Fluß. Ein gar stolzer Kavalier, dersich nicht einmal vor seinem König beugen wollte, hat dereinst hier gehaust.Kardinal Richelieu, ein treuer Diener seines Herrn, ließ das Felsennest darumeines schönen Tages von einem Trupp Soldaten zerstören. Seit jener Zeit alsosoll es nur mehr als Ruine bestehen.
An diese Sehenswürdigkeiten im Süden von Lannion schließen sichwürdig die im Norden gelegenen an. Hier gruppiert sich alles Besuchenswerteum den kleinen Hafen Perros- Guirec. Zur Zeit meines Besuches lagen alledie vielen hier sicher geborgenen kleinen Segelschiffe im Trockenen. Währendder Ebbe gibt es hier nämlich gar kein Wasser, ein merkwürdiger, etwastrauriger Anblick. Hieran schließt sich das kleine Seebad Tregastel, beinahenur von Engländern besucht. Dann verliert sich der Blick im Verlaufe derweiteren Wagenfahrt in einer Unzahl von ganz wildromantisch übereinander ge-