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Erinnerungen aus der Bretagne
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unscheinbaren ,, Lycee", das mir gezeigt wurde, vollzogen sich diese hochdrama-tischen Gerichtsverhandlungen. Ein ebenfalls ganz nüchterner moderner Bau wurdemir als die Universität vorgestellt. Zahlreiche Fabriken, besonders Gerbereienvervollständigen das nicht sonderlich anmutige Stadtbild. Selbstredend fehlt auchein Champ de Mars", das Ererzierfeld, nicht; es ist ganz nahe beim Bahnhofgelegen. Durch die Gassen schlendernd, bemerkte ich in vielen Auslagen Bre-tonischen Schmuck", nicht besonders originelle Objekte aus Altsilber, die wohlnur mit einem klingenden Namen bezeichnet werden, um die Kauflust der Vor-übergehenden zu steigern. Gerne verließ ich nach Erledigung aller BesorgungenRennes, dessen allzu große Ruhe bereits auf mir zu lasten ansing. Um derStadt aber nicht unrecht zu tun, muß ich bemerken, daß viele ihrer Bewohnerin der Sommerfrische weilten.

Nach ungefähr vierstündiger Bahnfahrt erreichte ich am 2. August dieStadt St. Malo, wo ich teils wegen meiner wissenschaftlichen Arbeit, teils derschönen Umgebungen halber acht Tage zubrachte. Schon am Bahnhof an-tommend, hatte ich eine Augenweide. Man sieht da gleich eine größtenteils ausdem 16. Jahrhundert stammende Festung, am Meere gelegen, mit einer Kirchein der Mitte, ganz aus Granit, vor sich. Eine Mauer, die diese Häusergruppemit ihren 10.000 Einwohnern umschließt, eröffnet uns bei halbstündigerWanderung über sie die lieblichsten Fernsichten. Bei der dem Bahnhof zugekehrtenPorte St. Vincent beginnend, sehen wir mehrere romantische Felseninseln mitfleinen Befestigungen. Hier erblicken wir außerdem noch im Sande viele astloseeingerammte Baumstämme, Wellenbrecher, dazu bestimmt, die Wucht der oft hiersehr hochgehenden See abzuschwächen. Weiter gegen Westen und Süden folgendann die Hafenanlagen und in weiterer Ferne leuchtet, der schöne Strand desberühmten Seebades Dinard, genannt la grêve de l'Écluse, mit seinem weißglitzernden großen Hotel herüber. Im Süden erblicken wir die SchwesterstadtSt. Servan; nach Osten zu zeigen sich uns die minder interessanten Hafenbassins.Und doch dürfen wir an einem dieser nicht achtlos vorübergehen, es trägt dieInschrift ,, Expedition Mr. Charcot". Hier wurde das Schiff gebaut, auf welchemder kühne Forscher im Sommer 1908 dem Südpol zusteuerte. Die Bewohnervon St. Malo gelten nämlich als ausgezeichnete Schiffsbauer. Durch diesenRundgang sind noch nicht alle Reize dieses Ortes erschöpft. Wenn wir dieengen Gäßchen von St. Malo durchwandern, so werden wir an den heißestenTagen durch Schatten und Kühle erfrischt und genießen fortwährend den An-blick von Häusern, die den Jahrhunderten getrozt haben. Ganz anders zeigtsich uns das Bild der Uferlandschaft zur Zeit der Flut und zur Zeit der Ebbe.Das Meer zieht sich nämlich bei Ebbe soweit zurück, daß man einige der Inselntrockenen Fußes erreichen kann. Ein Teil der Stadt, so das Kasino mit seinemRoulette und einige ganz moderne Bauten liegen außerhalb der Festungsmauern

Heiße Kämpfe gab es hier zu wiederholten Malen mit dem ErzfeindeFrankreichs, den Engländern, und noch sieht man an einzelnen Häusern Spurenvon englischen Kanonenkugeln. St. Malo wird auch heute noch vielfach vonEngländern belagert, aber in ganz friedlicher Weise bei den Hôtel- Table d'hôtes.

Ein Kuriosum findet sich noch im Kasino: Le musée breton". Gleichbeim Eingang wird unser Blick durch eine Bauernstube gefesselt, wie ich siespäter in natura zu sehen bekam. Das Auffallendste darin ist wohl ein Holz-tisch, der Vertiefungen trägt, welche beim Essen die Teller ersetzen sollen. Siebesigen Ablaufhähne. Dieses primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Möbelstück dürfte auf mehrere Jahr-