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Gegend noch so viele Wale, daß man sie sehr häufigaus dem Wasser auftauchen sieht. Doch nicht langedürfte es dauern und auch dieser Koloß wird ausge-storben sein, denn die Jagdlust der Menschen ist uner-sättlich, und die Vermehrung dieser Tiere sehr gering.
Am 3. August erreichten wir, nachdem uns diereizende Ostküste ganz und die Nordküste teilweisedurch Regen und Nebel unbekannt geblieben war, dasliebliche Akureyri, den größten Ort des Nordens. Erliegt am Ende des Eyjafjördur, an einer nahezu kreis-förmig abgeschlossenen Bucht. Der erste wirklich schöneTag ließ uns von hier aus die herrliche, an Bergen,Wiesen und Schneefeldern reiche Gegend genießen. Wirmieteten unser Zwei einen zweiräderigen, natürlich feder-losen, einspännigen Wagen jedes Gefährte ist indiesem äußerst straßenarmen Lande eine Rarität- undfuhren in einer Stunde auf einer der wenigen Straßenzum Rekhus( auf Deutsch: Rauchhaus). Dem Rauch derheißen Quellen, an der sie liegt, verdankt diese Nieder-lassung ihren Namen. Vermutlich hat sich der Bauer hier
Hröni. Bauerngehöft und Kirche. Ansiedlung im Inneren des Landesam Fluße Hvita gelegen.
angesiedelt, weil ihm das vorüberfließende Wasser, ver-möge seiner Siedetemperatur für die Küche dienen kann.So erspart er Brennmaterial, das in Island selten undteuer ist. Holz gibt es beinahe abgesehen von denwenigen Wäldern nur solches, das an der Südküsteder Insel durch den Golfstrom von Brasilien her ange-schwemmt wird. Darum muß Torf, der spärlich vor-kommt, aushelfen. Bei ganz armen Leuten werden sogarFischköpfe und tote Vögel zum Einheizen verwendet.
Während einer abendlichen Wanderung durch dieGassen von Akureyri fiel uns das Lokal der Heils-armee auf. Diese hätte hier ein reiches Feld ihrer Tätig-keit, wollte sie der Trunksucht, die mit Whisky undAquavit wahre Orgien feiert, mit Erfolg entgegentreten.
Nach einem Aufenthalt von einem halben Tage ver-ließen wir Akureyri und segelten längs der Nordküstenach Westen und der Westküste entlang nach Süden,auf die Hauptstadt Reykjavik los. Wir kamen dabeian malerischen Fjorden, vulkanischen Formationen, krater-
artigen Bildungen, Gletschern, einem Vogelberg undeinem Felseneiland mit Seehunden diese sprangen beiunserem Herannahen sofort ins Wasser vorüber anunser Ziel.
Reykjavik( auf Deutsch: Rauchbucht) wurdewahrscheinlich wegen der in der Nähe befindlichen heißenQuellen so benannt. Ihr warmes Wasser wird zum Be-triebe einer Wäscherei verwendet. Der Ort mit seinemGewimmel von roten Dächern liegt malerisch in derreizenden F a xabucht. Er hat merkwürdigerweise garkeinen Hafen und auch keine Landungsbrücke, so daßunser Schiff vor Anker gehen mußte. Die erwähnten Um-stände erklären sich, wie noch viele andere, aus dergroßen Armut Islands. Die Passagiere wurden in Bootenans Land gesetzt. Eine ganze Meute von Führern hattesich vorher auf unseren Dampfer gestürzt. Diese konntenwir nur dadurch loswerden, daß wir sie um eine be-stimmte Zeit in unser Hotel bestellten. Als die Aus-schiffung beendigt war, begegnete uns ein würdiger Herrin einem Uniformsalonrock mit einem Käpi, einemSpazierstock und weißen Handschuhen. Es war eine derdrei Polizeimänner, die für die Sicherheit des 8000 bis10.000 Einwohner zählenden Städtchens zu sorgen haben.Das infolge des vielen Trinkens hier herrschende regeNachtleben mag den Herren viel zu schaffen geben.
In diesem sonderbaren Erdenfleck sind die Häusermit einigen Ausnahmen ganz aus Holz. Es gibt wohleinzelne Steinhäuser, Ziegelbauten aber gar keine. Indem steinernen Parlamentsgebäude wurde unter anderemnichtssagenden Kram die Stube des ehemals größten Par-lamentariers von Island gezeigt. Sie ist bloß eine Dach-kammer, in der der bereits Verstorbene seinerzeit aufStaatskosten wohnen durfte. Man würde sie bei uns aberhöchstens als Dienstbotenzimmer verwenden. Ein ur-alter, schäbiger Zylinder soll nebst anderen Reliquien derStätte ihre historische Weihe verleihen. Das Abgeord-netenhaus hier ist ein Haus der Ordnung. Niemals störengrobe Reden, so versicherte mir ein gebildeter Ein-geborener, den Gang der Verhandlungen. Eine An-deutung unserer parlamentarischen Zustände hatte beidem braven Isländer einen Heiterkeitserfolg. Hier schließteine strenge Geschäftsordnung einen Stänkerer sofortaus. Sessionen werden nur jedes zweite oder dritte Jahreinberufen. Dem Parlament gegenüber belehrte uns eineStatue des berühmten Bildhauers Thorwaldsen, daßdieser Künstler ein Sohn Islands war. Ein Museum, imBankhause untergebracht, soll den Neugierigen und mitviel Zeit Gesegneten durch höchst primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Holz-schnitzereien, Hausrat und Utensilien aus der Stein- undEisenzeit ergötzen. Alte Münzen, Kirchenparamente undHeiligenbilder ergänzen das Ensemble.
Eine sogenannte Universität mit sieben Professorenund einigen hundert Studenten ist fakultätenweise inverschiedene unscheinbare Häuser verteilt. Kein Fabriks-schornstein verpestet durch Rauch die gute Luft; denn es