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Die volkskundlichen Sammlungen von Prag
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Nr. 39

Urania

einer Wand hängende, auf Holz gemalte Bild derHeiligen Dreifaltigkeit dar, welches wir hier inder Abbildung bringen. Von Böhmen ist uns aus demGebiet der höheren Kunst eine derartige Darstellung auseinem Gebetbuch des Erzbischofs Arnestus von Pardubit,aus dem 14. Jahrhundert bekannt. Analoge Bilder findensich vom frühen Mittelalter an allenthalben in Europa.Bei dem Objekt in dem erwähnten Gebetbuch handeltes sich um drei in den Wolken schwebende Köpfe nebeneinander, die ein Kind, einen Jüngling und einen Greiszur Anschauung bringen sollen. In neuerer und neuesterZeit wurden volkstümliche Bilder dieser Art in zahlreichenExemplaren in den slavischen Gebieten Böhmens gefun-den. Die uns in Europa bekannt gewordenen Darstellun-gen lassen sich auf folgende Typen zurückführen: 1. dreiKöpfe nebeneinander; 2. drei ganz gleiche Gestaltennebeneinander; 3. eine Gestalt mit drei Oberleibern unddrei Köpfen; 4. eine Gestalt mit einem Oberleib unddrei Köpfen; 5. eine Gestalt mit einem dreigesichtigenKopf. Dieser Kopf hat; a) nur zwei Augen, b) vier Au-gen, je nachdem sich die seitlichen Gesichter in vollständiger oder Dreiviertel- Profilstellung befinden. Es ist höchstwahrscheinlich, daß diese Erzeugnisse der Volkskunst, dasie auf allgemein verbreitete Anschauungen zurückgehen,nicht zuerst in einem bestimmten Gebiet entstanden, son-dern allenthalben in Europa primär aufgetreten sind.Läßt es sich doch aus dem Beiwerk verschiedener dieserKunsterzeugnisse nahezu erkennen, daß es sich ursprünglichum die Veranschaulichung der Zeit handelt. So findenwir an einer Reliefdarstellung von Donatello auf demTabernakel der Kirche Or San Michele in Florenz neben-bet noch drei Räder angefügt. Das Rad ist auch ein un-zweifelhaftes Symbol der Zeit. An manchen Trinitäts-bildern konnte aus der Art der Zeichnung auf den Zu-sammenhang mit dem Mond, dem geläufigsten Zeitmesser,geschlossen werden, da daran deutlich der zunehmende, derVoll- und der abnehmende Mond zu erkennen war. InMitteleuropa finden sich sogar ganz analoge Kunstwerkeschon in der Prähistorie. Jm alten Griechenland wurdenin der Mythologie der Höllenhund und noch andere Ge-stalten dreiköpfig. dargestellt. Die drei Nornen der germa-nischen Götterlehre verwandelten sich später in drei Nonnen,oder auch drei heilige Jungfrauen Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrauen, die wir in manchenGebieten Deutschlands als Altarbilder auftreten sehen. Diel-fach findet sich, aus denselben Gründen, der Teufel mit dreiKöpfen abgebildet. Diese Darstellungen traf man zumeistentweder als Malereien in Gebetbüchern, als Skulpturen inKirchen, oder in Form von Anhängseln( Amuletten) an. Daßsie im allgemeinen Raritäten bilden, erklärt sich daraus, daß siewegen ihrer Zusammenhänge mit antiken und heidnischen Glossar ::: zum Glossareintrag  heidnischenVorstellungen wiederholt von der Kirche verboten wurden.*)

*) Nähere Belehrung über das Thema bringt der Artikel vonDr. Karl von Spieß: Trinitätsdarstellungen mit demDreigesicht, in Werke der Volkskunst", Verlag 3.Lowy, Wien, 1914.

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Jm Naprstek Museum sehen wir aus demGebiet der Tschechoslaven Aehnliches wie im tschecho-slavischen Museum. Die Tertilien sind hier viel-leicht noch schöner als dort, weil sie aus älterer Zeitstammen. Besonders gut sind die Choden aus der Gegendvon Taus mit Schwarzstickereien vertreten.

Jm kunstgewerblichen Museum finden wirbesonders schöne Eremplare tschechoslavischer Keramik;einzelne Stücke stammen aus dem 17. Jahrhundert.Aus Holitsch in Mähren begegnen wir mehreren Dar-stellungen der heiligen Veronika mit dem Schweißtuch alsWeihwasserkessel; sie sind in typischem Barockstil gehalten.Die Stickereien, die leider verräumt waren, konnten wirnur einer oberflächlichen Musterung unterziehen. Siezeigen uns in ziemlicher Reichhaltigkeit dieselben formenwie die anderen Museen.

In keiner dieser Sammlungen Pragssind volkskundliche Erzeugnisse der Deutschen berücksichtigt. Dies erscheint als eine Ungerechtig-keit, besonders, wenn man bedenkt, daß in Böhmen2,468.000 Deutsche wohnen( laut Volkszählung vomJahre 1910). Der Wissenschaft steht es doch wohl nichtan, ein Volk gegenüber dem anderen zu bevorzugen.Hoffentlich wird da auch die alles heilende Zeit Abhilfechaffen.Dr. Rudolf Trebitsch.

Astronomische Rundschauder Urania Sternwarte.Oktober 1917.

( Angaben in Mitteleuropäischer Zeit.)

Sonne: Seit dem 23. September wandert unser Zentral-gestirn auf der Südhälfte der Himmelskugel immer tiefer herab. Am1. Oktober beträgt die südliche Abweichung vom Aequator, dieDeklination, 3° 03', sie gestattet noch eine Mittagshöhe vonringert sich entsprechend auf 33° 01', am 1. November sind die Da-38° 44'. Am 16. zähit die Deklination 8° 46', die Mittagshöhe ver-

ten 14° 20' südlich und 27° 27' Höhe über dem Horizont.Wir haben Sonnenaufgang: Sonnenuntergang: Tageslänge:Am 1. Oktober 5 Uhr 53 Min. 6 Uhr 35 Min.11 St. 42 M.10 51

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16.

6

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61. November

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Monatsunterschied:

58 Min.

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46 min.+

1 St. 44 m.

Der helle Tag nimmt rapid ab und ist am 1. des nächstenMonats bereits 14 Stunden fürzer als am 1. Oktober.

Fixsternhimmel( bei Monatsbeginn um 10 Uhr, um die Mitteum 9, gegen Ende um 8 Uhr abends): Tief im Süden leuchtet ein

weißlicher Stern, es ist Fomalhaut im Südlichen Fisch, kaum 10 Gradüber dem Horizont; hoch über ihm, genau im Aequator, finden wirdas Dreieck mit dem Zentralstern, das die Urne des Wassermannsdarstellt. Die Hauptsterne dieses Bildes, Alpha und Beta, liegen inschräger Linie, die in der Verlängerung nach rechts abwärts überdie Hauptsterne des Steinbocks hinweg nach dem Südwestpunkt desHorizontes weist. Von der Urne aus zieht sich in sanftem Bogendie Sternlinie der Fische über den Walfischsternen dahin. Jm SternAlpha der Fische biegt die Linie jäh in äußerst spitzem Winkel um