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Die volkskundliche Abteilung am Joanneum in Graz
Entstehung
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2335

POR OSTERREACT

SKUNDE

Urania

Wochenschrift für Volksbildung

Schriftleitung: Hofrat Dr. Eugen Guglia, Reg.- Rat Prof. Dr. Friedrich Umlauft. Ständige Mitarbeiter: Kustosadjunkt Dr. Hans von Unkwicz, Hochschul.Prof. Dr. Mar Bamberger, Univ.- Prof. Dr. Robert Bartsch, Univ.- Prof. Dr. Stephan Braßloff, Univ.- Prof. Dr. Alfons Dopsch, Dozent Dr. Oskar Ewald,Schriftleiter Hugo Gerbers Hofrat Hochschul- Prof. Udolf R. v. Guttenberg, Hofrat Univ.- Prof. Dr. Rudolf Hermann zu Herrnritt, Dozent Kustos Dr. H. JuliusHermann, Univ.- Prof. Dr. Georg Joannovics, Univ.- Dozent Dr. Paul Kammerer, Schriftsteller tais. Rat Dr. Ludwig Karel Archiv- Dir. Univ.- Prof. Dr. HeinrichKretschmayr, Hofrat Hochschul- Prof. Dr. Josef Neuwirth, Univ.- Prof. Dr. Eugen Oberhummer, Prof. Dr. Paul Pfurtscheller, Univ.- Prof. Dr. Rudolf Poech, Hoch-schul- Prof. Dr. Rudolf Saliger, Seftionschef Dr. Karl Schreiber, Univ. Prof. Dr. Emil Schwarz, Hochschul- Prof. Dr. Franz Strunz, Kustos Prof. Dr. Heinz J. Tomaseth,Reg.- Rat Prof. Eduard Valenta, Univ.- Prof. Dr. Franz Werner, Ob.- Komm. Jng. G. A. Witt.

X. Jahrgang. Nr. 6

Inhalt:

Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.

10. Februar 1917

Die volkskundliche Abteilung am Joanneum in Graz. Von Dr. Rudolf Trebitsch.( mit 4 Abbildungen).Von Gustav Herlt, Konstantinopel.- Kleine mitteilungen.- Mitteilungen der Urania.

Die volkskundliche Abteilungam Joanneum in Graz.

( mit 4 Abbildungen.)

Am 2. Juni 1913 wurde mit Bewilligung der zu-ständigen Behörden in der steirischen Landeshauptstadt dieim Titel erwähnte Sammlung gegründet. Jm Herbst 1914waren dann tatsächlich schon die Gegenstände in dem Ge-bäude in der Paulusthorgasse 13 zu sehen. Der Vorstanddieses Museums, Kustos Dr. Viktor v. Geramb, hatbei der Aufstellung der Objekte zum erstenmal in Oesterreicheine reichsdeutsche Methode nachgeahmt. Auf eine Anregungdurch Kurse des königlich bayrischen GeneralkonservatorsDr. Georg Hager, ist hier auf künstlerische bäuerlicheAusschmückung der Räume und darauf Wert gelegt, daßdie Dinge möglichst in einen Rahmen gebracht werden,der dem gleicht, in dem sie sich ursprünglich befanden. DieVermeidung einer Flucht von Sälen und eine anheimelndeAufeinanderfolge von winkligen Gängen und Plätzchenverleiten den Besucher sicherlich zu nachdenklichem Verweilen.Die Nähe des Schloßberges und die Aussicht auf ihnträgt ohne Zweifel dazu bei, den Gast in eine für allesSchöne empfängliche Stimmung zu bringen. Auch dasaltertümliche Gebäude selbst wirkt wohl in diesem Sinne,war es doch ursprünglich ein Kloster, das dann später alsKrankenhaus diente.

Wir treten zuerst in den Hof, der eine Nachahmungdieser Lokalität, wie sie bei alten steirischen Pächtern üb-lich war, darstellen soll. Fresken an den Wänden, einealte Linde und ein Ziehbrunnen in der Mitte vereinigensich hier zu einer anheimelnden Stimmung. In einemWinkel unter einem Dach ist eine Sammlung land.wirtschaftlicher Geräte untergebracht: Pflüge,ein Getreidestampfer, Bienenkörbe und dergleichen mehr.Selten wird uns, wie an dieser Stelle, Gelegenheit gebo-ten, die Entwicklung des Pfluges zu studieren.Wir wissen, daß er ursprünglich auf den Grabstock zurück-geht, der, oft mit einem Stein beschwert, dazu diente, denBoden einfach aufzuwühlen. Aus dem Aste mit einem

Vom türkischen Handwerk.

schief abgehenden Zweig entwickelte sich dann die Hacke,die im Gegensatz zu dem früher erwähnten Requisit mitkräftigem Schwung gehandhabt werden konnte, was dieArbeit erleichterte. Wenn wir zu diesem Werkzeug eineVorrichtung hinzufügen, mittelst derer wir den ganzenApparat über das Feld ziehen können, so haben wir denHakenpflug vor uns. Diese formen finden wir alle nochheute bei verschiedenen Naturvölkern Glossar ::: zum Glossareintrag  Naturvölkern. Der für denPflug im engeren Sinne bezeichnende Bestandteil ist derSterz oder die Pflugschar, ein zugeschärftes, ungefähr kegel.förmiges Holz oder Eisenstück, das das Eindringen in denBoden zu besorgen hat. Unter dem erwähnten Dach sehenwir nun vorerst einen Pflug mit einem Sterz, dann einen,bei dem außerdem noch ein sogenanntes Reißmesser, dassenkrecht steht, das Auseinanderreißen der Schollen er-leichtert. Bei einer noch ausgebildeteren form könnenwir außer diesen Bestandteilen noch einen oder zuei, flügel"feststellen, die zum Beiseiteschieben der Erdmassen dienen.Denken wir uns alle Bestandteile zweimal vorhanden, sogelangen wir zum Doppelpflug. An Modellen, die imHause selbst untergebracht sind, sehen wir ganz aus Holzgefertigte Pflüge, wie sie noch anfangs des 19. Jahrhundertsin der Steiermark zur Zeit ihres Wohltäters, des Erz-herzogs Johann, vorkamen. Ebensolche finden wir janoch jetzt bei den Großrussen, in Bosnien und noch ineinigen anderen rückständigen Gebieten Europas.

Vom Hofe erreichen wir, an dem Viehzeug undStallgerät" vorbei, das Prachtstück der Sammlung, dieRauchstube" mit dem Vorraum, der sogenannten,, Labm". Eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Stiege aus Holz die Stufensind roh behauene Klötze führt da in ein hinzu-zudenkendes Obergeschoß. Es ist dem Kustos Dr. v. Gerambgelungen, diese ganze Einrichtung, die von einem Ge-birgsdorf bei Köflach in Steiermark herrührt, un-versehrt nach der Landeshauptstadt zu transportieren undhier im Museum naturgetreu wieder aufzubauen. Diestark rauchgeschwärzten Bretter, die wir da sehen, lassenes uns glaubhaft erscheinen, daß diese ganze bäuerliche