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Gebildbrote der Hochzeit
Entstehung
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mit, das reichlich mit roten Bändern geziert ist; dann wird um denSchoren, somit um das damit verbundene Tuch, von den Kindernund dann von den erwachsenen Mädchen ein Wettlauf(» Schorenlauf«<)gehalten( Schmidt, Sitten und Gebräuche bei Hochzeiten, 1863, p. 40;H. B., 160; Schoren fissura, rima vulvae).

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3) Das thüringische( Ruhla)» Eierschiet« früher ebenfallsein im Wettlauf errungenes, mit Eigelb gefärbtes Spaltgebäck( H. B.,160). Schietchen Geschiedenes, Gespaltenes, fissura etc.( Schmidt,1. c. p. 40); auch im hochzeitlichen Kartenspiel erhielt das siegendeMädchen dieses Gebäck, mußte aber die ganze Gesellschaft mitKonfekt bewirten.

7) In der Mark Brandenburg und in Sachsen herrschte derBrauch, daß die jungen Männer am zweiten Hochzeitstage denBrautlauf anstellten; der Sieger erhielt von der Braut und denBrautjungfern Glossar ::: zum Glossareintrag Brautjungfern drei große» Braut- Stollen« und durfte mit ihnentanzen; nur mußte das, auch wenn es mitten im Winter war, mitbloßen, das heißt nackten Füßen geschehen( Kultische Stellvertretungder freien Liebe; H. B., 216; Kühnau, Mitteilungen, 33; Z. d. V. f. V.-K.,1893, S. 14). Stollen längliches Spaltgebäck.( Über den Stollen sieheWeihnachtsgebäcke Z. f. öst. V.-K. 1895, XI). Die weißen, aus Weizen-mehl mit Korinthen hergestellten» Braut- Stuten« sind in Westfalen,Minden, Mecklenburg etc. ein von den Hochzeitsgästen geschenktesund in der Familie hochgeschätztes Süßbrot, nach welchem auch derHonigmonat mit den Flitterwochen» Stutenmond« heißt. Der ersteBissen des jungen Brautpaares im neuen Hause wird geradezu zumFruchtbarkeitsorakel. In Oldenburg hält der erste Knecht, der so-genannte Bauschulte, den jungen Eheleuten einen Stuten zumAbbeißen hin; je nachdem der Biß ausfällt, ist auch das zukünftigeSchicksal der Ehe( Kühnau, Mitteilungen, 35). Die Stuten haben wiedie Stollen die Form eines langen Spaltgebäckes.

e) Im Elsaß gibt es sogenannten Motzen. Wir haben sie inden Gebildbroten der Faschingszeit( Z. f. öst. V.-K., XIV, Suppl. V,p. 42) als rhombus veneris gedeutet, der vom Motzenbäcker( Muscha-bäck, Mutschelbäck, Muschaweg etc.) gewerbsmäßig hergestellt wurde;als sogenannte Flecken entsprechen sie den( Tiroler)» Braut-Flötschen«, die wir oben schon einmal erwähnt hatten, und denböhmischen» Flecken«( John, Sitten, 132).

) Die altbayrischen, böhmischen, sächsischen, kärntnerischenund Tiroler Hochzeitsflechten, Jungfernkränze Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfernkränze( Fig. 23),dem Brautkranze nachgebildete Teigringe oder Flechtgebäcke, dieaber eigentlich als solche im übrigen Deutschland nicht volksüblicheHochzeitsgebäcke sind; nur in Tirol und in Altbayern war( nachSchmeller- Fromann I, 376, H. B. 195) unter dem Namen>> Kränzlein<<(» Kranzl«) eine Art Mehlspeise üblich, die auf ländlichen Hochzeits-

1) Damit hängt wohl auch das oberbayrische Kranzlschießen beim sogenanntenHochzeitsschießen, das der Bräutigam spendiert, zusammen.