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Bretzel, Krakeling), in der Fastenzeit vor Ostern( Palmpaasch inHolland) am häufigsten erscheint, zum Frühjahrsfestgebäck wurdeund als solches volksübliches Festgebäck auch auf der Hochzeiterscheinen kann; solche Krakeling werden aus Weizenmehl in denverschiedensten Formen( Drei-, Vier-, Fünfeck) gebacken und vonder Braut an die Gäste verteilt als Gegenspende( Schenkbrot)( sieheFig. 22). An der oberen Nahe trägt man auf einer Heugabel einenKranz aus Teiggebäck durchs Dorf( Fig. 23)( Z. f. rhein. u. westf.V. K., II, 192). Die bei der Hochzeit stets mitbeteiligten>> Kranzl-jungfern Glossar ::: zum Glossareintrag jungfern«,» Brautjungfern Glossar ::: zum Glossareintrag Brautjungfern« sind das Überbleibsel des früheren Frauen-chors, der unter Liedern und Tänzen aus dem Frauenkreise dieBraut, die in eine andere Sippe einzieht, begleitetet. Diese Begleitungfehlt natürlich beim Manne( Bräutigam); die Trennung der Braut vonden spill- magen(= Spindelverwandte; im Gegensatz zu den Ger- oderSchwert- magen, den Verwandten von männlicher Seite) macht sichbei dem germanischen Hochzeitsbrauch damit mehr bemerkbar.
7. Durch die paλóç- Form sind einzelne Hochzeitsgebäcke gekenn-zeichnet. Das öffentliche Herumtragen des palós bei Hochzeiten mitAbsingen von Liedern bildete bei den Römern und Griechen dengewöhnlichen Teil der Hochzeitsfeierlichkeit. Selbstverständlich trat imLaufe der Zeit an die Stelle des paλóç- Bildes irgendein Simulacrum,unter anderen aus Teig; ein solches ist zum Beispiel der Wecken;ein römisches Backwerk» priapus siligineus« ¹) ist bei Martial( XXIV,69) und Petronius( 60) bezeugt. Wir müssen hier den nordgermanischenBrauch einschalten. Adam von Bremen( 11. Jahrh.) schreibt( IV, 27):» Tertius est Fricco pacem voluptatemque largiens mortalibus, cujusetiam simulacrum fingunt ingenti priapo; si nuptiae celebrandae suntsacrificia offerunt Fricconi«.( Grimm, D. M., 2193). Vergl. auch denFäringerschen» Drunnur«, einen aufgeputzten Lämmerschwanz, derunter Reimgesang von Hochzeitsgast zu Hochzeitsgast wanderte( Globus, 81. Bd., S. 263), den norwegischen( 14. Jahrh.)» Völsi«<(= voluptas)( Z. d. V. f. V. K., 1903, XIII, S. 29 ff.) und den sächsischenRehschwanz( 1. eod. und A. f. Relig. W., VIII, 126; XI, 322).
Wir haben schon in der Abhandlung» Der Wecken«( in: Philo-logische und volkskundliche Arbeiten, Herrn Professor Vollmöller zumsechzigsten Geburtstag dargeboten; Erlangen 1908) den Wecken alsgermanisches Gebildbrot festgestellt, dessen häufigste und eigentlicheForm den paλós darstellen sollte. 2) Wir müssen zur Vermeidung vonWiederholungen auf diese Abhandlung verweisen und fügen nur
1) Die keltischen Allobroger in der Oberdauphiné stellten nach Plinius( XVIII, 8, 35)bereits aus Roggen pistrinarum opera laudatissima" her, also Gebildbrote, wie auch der, priapus siligineus" eines war. Nach Casaubonus( in Athenaeum, IV, 288) waren dieFadennudel( ropos) bei den Allobrogern besonders schmackhaft.
2) Selbstverständlich hat nicht jeder Wecken diese Form; die Bezeichnung, Wecken"übertrug sich auch auf andere Gebäcke.