Druckschrift 
Gebildbrote der Hochzeit
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

21

wagen und zerschlägt am letzten Hinterrad den Teller in klirrendeScherben( zum Zeichen, daß sie das Opfer für die ins neue Heimmitziehenden Hausgeister dargebracht¹) habe; das Brautbrot aber machtdie Pferde des Fruchtbarkeitssegens teilhaftig); an anderen Ortendieser Gegend ist es eine Schüssel Milch, die über das Gespann aus-gegossen wird. In Böhmen läßt die Braut, die schon schwanger ist,ein Stück Brot aus ihrem fruchtbaren Schoße von den Pferdenfressen, sonst könnten diese mit dem Brautwagen nicht von derStelle( Wuttke 3371,§ 562)[ weil die segensreiche Opferpflicht nochnicht erfüllt wäre]. In Schlesien tritt die Schwiegermutter der jungenFrau an der Türe entgegen mit dem Brautbrot, einem Messer undeinem Salznäpfchen; die Schwiegermutter, 2) die sonst kaum eine Rolleim hochzeitlichen Volksbrauch spielt, muß hier als Vertreterin desmatriarchalischen Hauses das Brot anschneiden und einen Bissen davonzuerst selbst essen, dann erhalten das Übrige die Armen( Kühnau,Mitteilungen, 35). In Freiburg i. B. empfängt der Wirt den Hochzeits-zug vor seinem Hause mit Wein und Brot, das mit geweihtem Salzebestreut ist( Meyer, B. V. L., 300). In Waldeck tut man der Brautheimlich Brot und Salz in die Schuhe, das bringt Segen( Kühnau,1. c. 30). Bei Amberg( Oberpfalz) legt man der Braut, um sie vor bösenLeuten( bösen Blicken) zu schützen, in das mitgenommene Täschchenein Stückchen Brot und Salz, damit sie nicht verarme( H. B. 130).In Schlesien iẞt jeder Hochzeitsgast ein Stückchen Brot, das er vorherin das auf der Mitte jedes Tisches, in einem hölzernen Teller befind-liche Salz getunkt hat( H. B. 201).» Wenn Du zur Trauung gehst,nimm ein paar Brotkrümchen vom Tisch und Salz und Dill, wicklealles in ein Bündlein und stecke es zu Dir, so kann Dir kein Mensch( mit dem bösen Blicke) etwas anhaben, anheften oder anzaubern<<( Mark.)[ H. B. 217]. In Hessen erhält die Braut von den Brautjungfern Glossar ::: zum Glossareintrag  Brautjungferndas sogenannte Salzbrot( Z. f. d. Myth., II, 79). In Bayern tut dieBraut in alle Hochzeitsspeisen etwas geweihtes Salz, so bewahrt siedie Gäste vor Blitz und Krankheit( bösem Blick). Im Mansfelder See-kreis muß man, wenn man Milch zum Hochzeitskuchen kauft, unddabei über einen Kreuzweg gehen muß, etwas Salz in die Milchgeben, das bringt Glück in die Ehe( Z. d. V. f. V. K., 1909, S. 440).Die Aufnahme in die Sippe mit gleichem Ahnenkult durchden Genuß von Brot und Salz ist bei den Serben viel deutlicher;die Braut setzt sich, einen Teller mit Brot und Salz( und Wein)in der Hand, dem Schwiegervater auf die Knie( die Wiedergeburtinnerhalb der Sippe wird damit symbolisiert), küßt ihm die Hand

1) Nach der sächsischen Sage schenken auch die Zwerge( Hausgeister) bei ihrerHochzeit drei goldene Brote als Familienglück für das Geschlecht der Ponikau( Sächsisches. Sagenbuch 321).

2) Die Mutter der Braut und die des Bräutigams beteiligen sich in vielen Tirolerund oberbayerischen Orten überhaupt nicht bei der Hochzeit; sie spielen förmlich dieRolle eines tabu".