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Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten : Ein Versuch zur Erfassg ihrer Formen u. ihres Bildgutes
Entstehung
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wies darauf hin, wie sich im Berliner Passagepanoptikum vor den Tischenbirmanischen Tätowierer die Damen drängten, um sich Zeichen in die Hauteinstoßen zu lassen 96), und aus den Boxerwirren trugen nicht wenigerdeutsche wie englische Offiziere Hautbilder nach Hause"). Einmal in derenglischen Hofgesellschaft und der Aristokratie eingebürgert), erwuchseine einheimische Hautbildnerei neben den östlichen Mustern, und diekirchliche Haltung der führenden Schicht führte in England in erster LiniePassionsszenen in das Hautbildgut ein⁹⁹).

Die Wertung des Hautbildes führte schnell zum Sport, und mancheseiner Liebhaber sammelten auf Reisen, gleich den Matrosen, Täto-wierungen wie Ansichtskarten, Hoteletiketten auf den Koffern, Metall-beschlägen an den Wanderstöcken. Neben ihnen steht aber eine kleineGruppe leidenschaftlicher Sammler, wohlhabende Kunstliebhaber des Haut-bildes, die keine Reise noch Kosten scheuen, um ihren Körper mit Werkender Koryphäen der Tätowiernadel zu schmücken. Auch gibt es unterdiesen wieder Spezialsammler. So kam vor etlichen Jahren ein ameri-kanischer Offizier, der sich nur Tierbilder stechen läßt, zu Warlich, derihm Hahn und Schlange als Gegenstück zu einem Hahnenkampf Mac-donalds auftätowierte. Schließlich gibt es Tätowierwünsche, die nur alsAusdruck reinen Spleens gewertet werden können. So wenn kurz vor demKrieg ein bekannter, am Junfernstieg wohnhafter Herr sich in St. Pauli für60 Mark den Anfang des Neuen Testamentes in den Rücken stechen ließ,oder ein Graf gar 200 Mk. für ein Familienwappen" zahlte, das ausvier Käfern für ihn, drei für seine Frau und zwei bzw. einen für seinebeiden Kinder bestand¹00). So interessant auch manche dieser Gesellschafts-

96) Rudolf Virchow, a. a. O., S. 330.

97) Berliner Morgenpost, 4. Okt. 1908.

98) H. Ellis, Verbrecher und Verbrechen, 1894, S. 111, berichtet von derKundschaft eines Londoner Tätowierprofessors, die aus Lords und Ladys, Offizierenund Verwaltungsbeamten bestand.

99) Deutsche Tageszeitung, 5. Dez. 1904.

100) Das Vaterland der Spleentätowierung ist England. Am bekanntesten wurdejene Dame aus Birmingham, die sich von Alfred South in London ihr eigenesTestament in 500 Buchstaben auf den Rücken stechen ließ( vgl. Nordd. Allg. Zg.,8. Sept. 1907 und 23. Jan. 1908; Hamburger Korrespondent, 20. Jan. 1912; BerlinerBörsen- Courier, 20. Jan. 1912. O. La uffer, a. a. O., S. 13). Doch hatte sie schonein Vorbild in einem Bruststich eines reichen Amerikaners, der sein Testament vorAntritt einer Reise auftätowieren ließ( vgl. P. Cocheris, Les Parures Primitives Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitives.1894, p. 58). Übrigens behauptet auch Burchett einem Herrn ein solches Testa-ment auf den Rücken tätowiert zu haben( Hamburger Mittagsblatt, 28. Nov.1932). Eine andere Dame aus Kensington, die bei einem Preisausschreibengewonnen hatte, ließ sich den Spruch der Jury auf den Arm stechen. Häufig warenin England im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts auftätowierte Abbilder vonNoten der Bank von England sowie Bridgeprobleme. Auch das Stechen echterund fiktiver Wappen war damals beliebt. Vgl. Der Stein der Weisen, 1903-04,