Druckschrift 
Die Tätowierung in den deutschen Hafenstädten : Ein Versuch zur Erfassg ihrer Formen u. ihres Bildgutes
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

25

geworden sind65). Wärend meiner Dienstzeit in der Algerie und Maroko habe ichviele zu gesehen wie man Tätowierte, als ich in der 1. Compani Monte[?] nachMarocko kam sah ich einen Spanier der sich aus langer weile Schnurbart& Spitz-bart Tätowieren ließ, in Marakesch sah ich zu wie man einen Holänder eine volleKapietanus Uniform auf dem Körper tätowierte mit Epauletten Portopee Degen und2 großen Sternenorden auf der Brust66)."

Auch von sich berichtet er später nochmals:

,, Ich habe mir mal vor Jahren eine Tätowierung ausschneiden lassen die[ ich]an der Stirn hatte. Prf. Dr. Sück, Eppendorfer krankenhaus, hat sie mir entferntes war ein ganz ordinäres Bild mit den Ich doch blos Aergernis herforgerufen hätte67)."

Noch seltener und gleichfalls zumeist außerdeutscher Herkunft ist dieBebilderung des Schädels und Hinterkopfes bei abrasierten Haaren 8).Fuẞtätowierungen findet man meist nur bei Volltätowierten in derForm von Schuhen oder Stiefeln. Die in Amerika und auch England nichtganz seltene Tätowierung der Fußsohle ist bei uns so gut wie unbekannt.Doch ließen sich vor einigen Jahren die Mitglieder eines nach Hamburggereisten Londoner Verbrecherklubs sämtlich ein Schwein auf die Fußsohleeinstechen, vermutlich als Amulett und Organisationsmarke zugleich. Sel-ten ist der Bildstich der Gesäßbacken, der sich fast ganz auf Voll-tätowierte sowie Päderastenkreise beschränkt. Scherzhafte Darstellungenbilden in ihm die Regel, besonders zwei sich zugewandte, auf Lauerstehende Schupogestalten mit gezücktem Gummiknüppel bzw. einem Re-volver oder ein Schupo als Gegenstück eines keulenschwingenden Wilden;beidesmal mit der Beschriftung: Durch diese hohle Gasse muß er kom-men❝69).Zu den Ausnahmen gehören auch Tätowierungen der Ge-

65) In Wirklichkeit war M. K. nie in der Fremdenlegion, so daß der Bericht indiesem Punkt eines der oben erwähnten Phantasie gebilde ist. Die folgende Schilde-rung stimmt dagegen im Sachlichen selbst.

66) Aufgestochene Tressenepauletten waren früher häufig. Unter den 64 Photo-graphien im Museum für Hamburgische Geschichte finden sich acht Tätowierte mitbetreẞten Schulterblättern. Ein Berliner Tätowierer trägt den Spitznamen, Epau-lettenwilli" wegen seiner in Gold und Silber tätowierten Epauletten. Fast alle dieseSchulterblätter geben sich als ,, Schwalbennester der Spielleute" oder Generalstressen.Sehr beliebt waren früher auch ganze Uniformen( Husar, General, Admiral) imHautstich, wofür Lombroso, Bär, Kurella, Leppmann und Tardieu( Annales d'yg. publ.1855, 2. R., Bd. 3) Beispiele geben. Vgl. Paul Wahl, Verbrecher- Tätowierungen( Nordd. Allg. Ztg., 24. Dez. 1904), der auch auf russische Parallelen solcher Surro-gate der Großmannssucht verweist( Krönungsmantel des Zaren, Ornat eines Metro-politen). Vgl. auch Pauline Cocheris, Les Parures Primitives Glossar ::: zum Glossareintrag  Primitives, 1894, p. 59 f.

67) Max Hirsch berichtet von einer obszönen Gesichtstätowierung, die maneinem jungen Berliner im Rausch beigebracht hat.( Scherls Magazin, a. a. O.)

68) Vgl. Kap. III S. 49. Ein anderer Fall von Tätowierung des Hinterkopfesist im Archiv für Kriminalanthropologie, Bd. 45, 1911, S. 60-80 beschrieben. DerVerfasser dieses Aufsatzes, Wolfgang Hauschild, gibt anschließend einen gutenÜberblick über das Schrifttum zur europäischen Tätowierung.

69) Dieser Bildtyp hat die früher beliebte Jagd der Katze auf die sich ver-schlüpfende Maus abgelöst, die auch als Frauentätowierung vorkommt.