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zwei bis dreimal in der Woche Bekanntschaft mit der Polizeiwachemachte, war in St. Pauli vor dem Krieg die Regel. So ist es kaum ver-wunderlich, daß viele Schlepper am liebsten den Tätowierern Kundenzuführten, die in ihrer Preissetzung am unreellsten waren, und daß sievielfach nicht den geringsten Anteil an der Ausbeutung Unerfahrener undEingeschüchterter hatten. Auch bedienten sich die Schlepper zur Ver-ständigung mit den Tätowierern meist einer rotwelschen Geheimsprache:,, Der Eff ist schesemann, er beschäunt einen Heiermann, er hegt tovLowi"( Der Mann ist betrunken, er bezahlt fünf Mark, er hat genugGeld); oder: ,, Er ist mit einem Heiermann anmalocht"
er ist fürfünf Mark angeworben). Daneben aber kam ihr unverwüstlicher Schlep-perhumor auch in harmloseren Streichen immer wieder zum Durchbruch,und viele, vielleicht die meisten Tätowierstreiche und Stücklein gehen aufihre Anregung zurück oder wären doch ohne ihre Assistenz und Über-redungskunst nicht möglich geworden.
Die Technik des Hautstiches.
Während sich Primitivtätowierungen Glossar ::: zum Glossareintrag Primitivtätowierungen mit jedem scharfen und spitzenGegenstand herstellen lassen, bedient sich der heutige Hautstecher allge-mein mindestens eines auf einem Holzstäbchen aufgereihten Systems vonNadeln. Dagegen benützt der Berufstätowierer fast stets einen Täto-wierapparat bei dem die Nadeln durch den elektrischen Strom inschnellste Bewegung gesetzt werden, wodurch besonders bei umfänglichenHautbildern, die viele tausend Nadelstiche erfordern, eine wesentlicheZeitersparnis eintritt. Erfinder dieses am 28. Dezember 189] patentiertenApparates sind die Vettern Tom Riley und O'Riley( London undNew York). Heute sind solche Apparate in fünferlei Ausführungen fürverschiedene Konturen und Schattierungen käuflich( 20-30 Mk.) 54).
Selten nur wird das Bildmuster unmittelbar in die Haut gestochen,meist dient eine Schablone zur Bildübertragung. Zu diesem Zwecküberträgt man die Umrisse des gewählten Bildes mit Hektographentinteauf ein Pauspapier( meist„ Pergamentpapier" genannt), von wo man dieZeichnung auf die Haut abdruckt55). An Stelle des Pauspapiers tritt zu-weilen die haltbarere Leinwand. Auch die Benutzung geritzter Zelluloid-patronen) dient dem gleichen Zweck; dem Vorteil ihrer Dauerhaftigkeit
54) Diese elektrischen Tätowierapparate setzten sich in Deutschland allgemeinerst nach 1922 durch.
55) Solche Papierschablonen halten bis zu 40 Abklatsche aus.
56) Zelluloidpatronen, die auch doppelseitig bebildert geliefert werden, fertigt inDeutschland besonders der Hamburger Tätowierer Christian Warlich. Die kleine-ren einseitigen Muster kosten 50 Pfg. In Amerika benützt man fast allgemein Zellu-loidpatronen, meist mit Lochung statt Ritzung.