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es gilt ,,, tote" Dingwelt als Formung einer lebendigen Geistigkeit zu er-kennen. Persönliche Besuche bei den Hautstechern, Gespräche mit Täto-wierern, Schleppern und Tätowierten, Motivaufzeichnungen nach denMusterbüchern und Kartons sowie der Erwerb charakteristisch erscheinen-der Vorlagebücher und Blätter rundeten langsam das Bild der heutigenTätowierung an der Wasserkante. Dabei erschwerten die Verwertungmündlicher Berichte nicht selten Renommiersucht und Phantasie derBefragten. Romantik und Sehnsüchte des Hafenstadtlebens verführenTätowierer wie Tätowierte immer wieder zu langen und detaillierten Be-richten über ihre Weltreisen sowie ihre Abenteuer in der Fremdenlegion,die sich bei einer Nachprüfung als Phantasiegebilde erwiesen. So mußtenalle diese Behauptungen in oft mühseliger und zeitraubender Arbeit nach-kontrolliert werden, was zumeist durch Befragungen im Bekannten- undKollegenkreis, gelegentlich auch durch Inanspruchnahme der zuständigenBehörden geschah. Aus solchen Feststellungen erwuchs ein psychologischnicht uninteressantes Bild des reichen Legendenkranzes, der das Hautbildwie die Hautstecher der Seestädte schmückt.
In all dieser zeitlichen und örtlichen Beschränkung des Beobachtungs-raumes liegt doch zugleich schon ein gutes Stück Geschichte, da Motivevieler Zeiten und Völker im heutigen Formengut des Hautbildes neben-einander leben. Dazu zeigen die älteren der noch nicht dem Gebrauchentzogenen Musterbücher vielfach den Vorkriegsstand bzw. die Vorwürfeder Kriegsjahre. Schließlich führt uns die Heranziehung eines zeitlichfrüheren Vorlagebuches von Rodemich( Hamburg) mindestens bis an dieJahrhundertwende zurück, so daß wir vom Heute aus ein paar Jahr-zehnte rückwärts überschauen. Eine Einbeziehung des allgemeinen Schrift-tums schien uns, selbst zwecks einer Parallelensammlung zu unseren Bild-motiven, untunlich, da es allzuleicht die Züge unserer Arbeit entstellthätte. So ist nur in verhältnismäßig seltenen Fällen auf die Ergebnissedieses Schrifttums verwiesen. Unter solchen Umständen ergab sich derVerzicht auf alle abstrakte Formulierung zu Gunsten einer schlichtenSchilderung erschauter und erfragter Tatbestände.
III. Tätowierer und Tätowierte.
Die Tätowierer.
Gelegenheitstätowierungen primitivster Glossar ::: zum Glossareintrag primitivster Art finden sich überall, unterSchulkindern wie Erwachsenen. Auch der gewerbsmäßig ausgeübte Haut-stich durchläuft die volle Skala vom Zufallsstechen als Gelegenheits-verdienst bis zum Berufstätowierer ohne Nebenbeschäftigung, vom Täto-wieren in Toreinfahrten, Hausgängen und versteckten Winkeln bis zuröffentlich betriebenen Tätowieranstalt, so in zahlreichen Stufen den Auf-