Wiener klinische Wochenschrift
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Wien, IX/ 1, Wasagasse 12.Bestellungen und Geld-sendungen an die Verlags-handlung.
unter ständiger Mitwirkung der Herren Professoren Drs.
G. Braun, O. Chiari, Rudolf Chrobak, V. R. v. Ebner, S. Exner, E. Finger,M. Gruber, A. Kolisko, H. Meyer, K. v. Noorden, H. Obersteiner, R. Paltauf,Adam Politzer, G. Riehl, Arthur Schattenfroh, F. Schauta, J. Schnabel, C. Toldt,A. v. Vogl, J. v. Wagner, Emil Zuckerkandl.
Begründet von weil. Hofrat Prof. H. v. Bamberger.
Herausgegeben von
Anton Freih. v. Eiselsberg, Theodor Escherich, Ernst Fuchs, JuliusHochenegg, Ernst Ludwig, Edmund v. Neusser, L. R. v. Schrötter undAnton Weichselbaum.
Organ der k. k. Gesellschaft der Aerzte in Wien.Redigiert von Prof. Dr. Alexander Fraenkel.
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Verlag von Wilhelm Braumüller, k. u. k. Hof- und Universitäts- Buchhändler, VIII/ 1, Wickenburggasse 18.
XX. Jahrgang.
Telephon Nr. 17.618.
Wien, 7. November 1907.
INHALT:
1. Originalartikel: 1. Aus dem staatlichen serotherapeutischenInstitut in Wien.( Vorstand: Prof. R. Paltauf.) Ist die Ophthalmo-reaktion nach Chantemesse zu diagnostischen Zwecken beiTyphus verwerthar? Von Prof. Dr. Kraus, Stabsarzt DoktorLusenberger und Reg.- Arzt Dr. Ruß.
2. Aus dem pathologisch- anatomischen Institute in Wien.( Vor-stand: Hofrat Weichselbaum.) Zur Frage der Graviditäts-hypertrichose. Von Privatdozent Dr. Josef Halban.
3. Aus der Prosektur der mährischen Landeskrankenanstalt inBrünn. Zur Kasuistik der Nierendefekte und Mißbildungen desUrogenitalapparates. Von Prosektor Privatdozent Dr. CarlSternberg.
4. Aus der I. chirurg. Klinik.( Vorstand: Prof. v. Eiselsberg.) Wachs-tum und Wachstumstillstand gutartiger und bösartiger Ge-schwülste. Von Dr. Franz Orthner, Operationszögling der Klinik.5. Aus der I. mediz. Abteilung des k. k. Krankenhauses Wiedenin Wien.( Vorstand: Prof. Dr. Maximilian Sternberg.) Uebereinige neue Quellen der gewerblichen Bleivergiftung in Wien.Von Dr. Ernst Großmann, Abteilungsassistenten.6. Aus der chirurg. Abteilung des Spitales der Budapester Poliklinik.( Chefarzt: Univ.- Dozent Dr. Géza v. Illyés) Ueber Rückenmarks-anästhesierung. Von Sekundararzt Dr. Alexius Remenár.
Aus dem staatlichen serotherapeutischen Institut in|Wien.( Vorstand: Prof. R. Paltauf.)
Nr. 45.
7. Die Einführung der Impfung in Wien. Historische Skizze vonProf. Dr. Max Neuburger.
8. Die Krankheiten der Eskimos Glossary ::: show glossary-entry Eskimos in Westgrönland. Von DoktorRudolf Tro bitsch.
9. Anton Kerner von Marilaun als Mediziner in Wien. Von Doktorphil. E. M. Kronfeld.
II. Referate: Arbeiten aus dem kaiserlichen Gesundheitsamto.Atlas der klinischen Mikroskopie des Blutes. Von PrivatdozentDr. E. Meyer und Prof. Dr. H. Rioder. Maladies des artèreset de l'aorte. Von H. Roger, A. Gouget, E. Boinet. Leiperplasie, le infiammazioni croniche ed i tumori primitivi Glossary ::: show glossary-entry primitividelle chiandole linfatiche. Von Dr. Aldo Cornezzi. Ref.:C. Sternberg.- Lehrbuch der Haut- und Geschlechts-krankheiten für Studierende und praktische Aerzte. Von Dr. ErnostFinger. Ref.: Spiegler.- Die Therapie der Haut- undGeschlechtskrankheiten für praktische Aerzte. Von Dr. ReinholdLedermann. Ref.: Fasal.- Handbuch der praktischenChirurgie. Von E. v. Bergmann und P. v. Bruns. Ref:Alex. Fraenkel.
III. Aus verschiedenen Zeitschriften.IV. Vermischte Nachrichten.
V. Verhandlungen ärztlicher Gesellschaften und Kongreßberichte.
Die im Sommer in Adelsberg( Krain) aufgetretene Typhusepidemie hat eine willkommene Gelegenheit gebolen,der seit längerer Zeit im Laboratorium studierten Frage
Ist die Ophthalmoreaktion nach Chantemesse der Typhustoxine und antitoxine( Kraus und v. Ste-zu diagnostischen Zwecken bei Typhus ver- itzer), aus welcher eine antitoxische Therapie des Typhus
wertbar?
Von Prof. Dr. Kraus, Stabsarzt Dr. Lusenberger und Reg.- Arzt Dr. Ruß.In der Sitzung der Académie médecine vom 23. Juli1907 hat Chantemesse mitgeteilt, daß es ihm gelungenBei mittels konjunktivaler Instillation von Typhus-toxinen, an Typhus erkrankten Menschen Reaktionenzu beobachten, welche es ermöglichen dürften, dia-gnostische Schlüsse auf die Krankheit selbst zu machen.Diese Methode der Ophthalmodiagnose, wie sie Chante-messe nennt, ist von Wolff und Calmette zuerst fürTuberkulose angegeben. Auch Chantemesse fällt sowieCalmette das Tuberkulin, das lösliche Typhustoxin mitabsolutem Alkohol und erhält ein Pulver, von dem er0-00002 g in einem Tropfen Wasser aufgelöst, den Verzuchs-personen in das untere Augenlid einträufelt. Bei Gesundensoll die auftretende Konjunktivitis in vier bis fünf Stundenabgelaufen sein. Bei Typhuskranken erfolgt in der sechstenbis zwölften Stunde starke Rötung, Schwellung und Tränen-fluß; Temperatur und Allgemeinbefinden werden nicht be.einflußt.*)
In seiner neuesten Publikalion( Deutsche med. Wochenschrift,Nr. 89) gibt Chantemesse an, daß die Kontrollversuche bei ander-weitig erkrankten. Menschen negativ ausfielen, nur die Typhuskranken.zeiglen Reaktionen, die 24 Stunden und länger noch angedauert haben sollen.
hervorzugehen schien, auch bei der natürlichen Erkrankungnäher zu treten. Durch das besondere Entgegenkommen desHerrn Generaloberstabsarztes Dr. R. v. Uriel wurde dieMöglichkeit geboten, im Garnisonspitale Nr. 8 in Laibachdiese serotherapeutischen Versuche anzustellen. Ueber dieResultate der therapeutischen Versuche wird der eine vonuns( Kraus), in Gemeinschaft mit Reg.- Arzt Dr. Haager,berichten. Hier sollen unsere Beobachtungen über die kon-junktivale Reaktion nach Chantemesse bei Typhus mit-geteilt werden.
Vorher sei noch kurz bemerkt, daß die Nachprüfungder Chantemesseschen Angaben im allgemeinen aufSchwierigkeiten stoßen wird, da die Wirksamkeit der ge-wonnenen Präparate von der toxigenen Natur der Bazillenund von den verschieden starken Toxinen abhängig seinwird. Unsere Erfahrung geht dahin, daß, wie bei anderenBakterien auch, die Typhusbazillen verschiedenwertigeToxine produzieren. Es müßte sich also in Hinkunft darumhandeln, wenn die Resultate der verschiedenen Autorenverglichen werden sollten, ein ausgewertetes Testgift voneiner bestimmten Stärke als zu diesen Versuchen geeignetanzugeben.
Wir haben zu unseren Versuchen Stämme benützt,welche Toxine für Kaninchen liefern, von denen 1 bis2 cm³ intravenös injiziert, die Tiere innerhalb sechs bis acht