Kolomusikanten in Verlika.
( Momentaufnahme von Bruck- Auffenberg.)
II. Volkskunstgebiete und Lokalverhältnisse.
Ein Blick in die vorliegende Sammlung zeigt, wie ganz und gar das Leben des dalmatinischen Volkes mit künstlerischen Bedürfnissen durchsetzt ist. Selbst die einfachsten Gebrauchsgegenstände sind edel in Proportion und streng zusammen-gefaßter Form. So liegt auch die Schönheit der dalmatinischen Tracht nicht bloß im Reichtum der Ausstattung und Zusammen-stellung, sondern in dem feinen Zueinanderstimmen und in dem erstaunlichen Schnitt und Sitzen der Kleidungsstücke, wodurchselbst der Bauer bei der Feldarbeit, jeder Fuhrmann und Fischer den Eindruck eines geschickt angezogenen Menschen macht;geschweige dem das imponierende Volk in Festtracht. Vom Kostümlichen muß eben vor allem gesprochen werden; dennder dalmatinische Bauer besitzt sozusagen kein Interieur und trägt alles Schöne, was er hat, auf dem Leibe oder hält es inseinen geschnitzten Truhen verschlossen, die eigentlich das einzige gute Möbelstück des Hauses ausmachen. Die schönen,geschnitzten Dreifuẞlehnstühle, von denen gewöhnlich nur ein Stück vorhanden ist, als Ehrenplatz des Hausvorstandes oderdes vornehmsten Gastes, sind wahrscheinlich nur deshalb reich ornamentiert, weil man sie gewöhnlich vor der Haustür stehenhat, die Truhen, weil sie bei der Hochzeit Parade machen müssen. Was innerhalb der vier Wände bleibt, braucht keinenSchmuck, denn das echt dalmatinische Bauernhaus hat keine Fenster. Jede Hütte hat nur einen einzigen Raum( höchstensmit Unterabteil), der durch die offene Tür sein Licht erhält. Bei größerem Wohlstande gehören mehrere solche Hütten, durcheine Steinumfriedung vereinigt, zu einem Hauswesen. Kommt im Winter die furchtbare Bora, wird die Tür geschlossenund alle sitzen im Finstern. Deshalb konnten in strengen Wintern Stickereibestellungen viele Monate lang nicht ausgeführtwerden, weil die Türen zu sein mußten! In solcher Häuslichkeit bedarf es keines künstlerisch geformten und geschmücktenMobilars, das in anderen Ländern vorzugsweise die Volkskunst ausmacht. Tisch und Bank, gewöhnlich aber nur primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Dreifuẞ-schemel, leere Fässer und Kisten als Aufbewahrungsorte, eingeschlagene Nägel zum Aufhängen von Kleidern und Gerätengenügen. Bei besseren Bauern gibt es auch Bettstellen, doch in der Regel liegen nur Kranke darin, sonst dienen sie alsAufbewahrungsort für alles Mögliche, denn Matratzen und sonstiges Bettzeug enthalten sie ohnehin nicht; man schläft aufebener Erde oder einer ringsum laufenden Mauerstufe, einen Stein unter dem Kopf, in den Kleidern, und deckt sich mit demMantel zu.Das ist nicht Armut, sondern spartanische Lebensgewohnheit. Ein sehr wohlhabender Wirt auf einem Dorfe,der sich ein neues Gasthaus baut, wird wütend bei der Zumutung, doch endlich einmal ein Fenster machen zu lassen. EineWöchnerin, die mit ihrem Neugeborenen auf nackter Erde halbgebraten neben der Feuerstelle liegt, weist eine ihr angebotene
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