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Dalmatien und seine Volkskunst : Muster und Kunsttechniken aus altem Volks- u. Kirchengebrauch ; Spitzen, Stickarbeit, Teppichweberei, Schmuck, Trachten u. Gebrauchgegenstände der Dalmatiner
Entstehung
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Erst während der

Zusammenstellung des Mate-riales für dieses Werk be-

den kann, zu einem wirklich künstlerischen Privat-museum zu vereinigen. EineAnzahl von Objekten dieservielversprechenden Kollektion hat hier ihren Platz ge-funden. Die Verfasserin die-ses Buches endlich hat zahl-reiche seltene und charakteristische Stücke aus allenGegenden des Landes zuStudienzwecken für diesesWerk seit zehn Jahren zusammengetragen in der Ab-sicht, von jeder existierendenArt volkstümlicher Kunst diebesten Typen zu finden. In-soweit dies einer mit be-scheidenen Mitteln gemach-ten Privatsammlung möglichwar, wurde dieser Zweckauch erreicht, besonders hin-sichtlich der weniger be-

gann die Vizepräsidentin desVereines für die dalmatini-sche Spitzen- und Hausindu-strie, Baronin Hedwig vonHaas Teichen, eine An-zahl sehr schöner und kost-barer Objekte, die sie vorJahren zufällig von einerDalmatienfahrt heimgebrachthatte, zu einer größerenSammlung zu komplettieren,die aller Voraussicht nach dieschönste der bestehendenKollektionen werden dürfte,indem diese mit hervorragen-dem Geschmack und Kunst-sinn begabte Dame von demStandpunkte ausgeht, dasSchönste, Prächtigste undKostbarste, was sie auffin-suchten Landesteile. Ein Glücksstern ließ dabei die wichtigsten Dinge finden, von denen buchstäblich kein Mensch gewußt,um die sich niemand gekümmert hatte; so die prachtvollen Bauernspitzen von Pago, die primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Reticella von Capo-cesto, allerlei unbeachtete ganz originale Weißstickereikunst, die vergessenen Seidenindustrien von Scardona, neuestens dieköstlichen Holzschnitzereien mit Bleieinlagen und Zinnbeschläge auf Leder aus der Gegend von Verlika. Die Sammlung,damals noch in ihren Anfängen, hat auf der Londoner Ausstellung 1906 die Goldene Medaille erhalten. Herr kaiserlicher RatArnold Fröhlich in Wien hat die Beschickung dieser Österreichischen Ausstellung in London für Dalmatien in einemgroßen Stile ermöglicht, durch eine Spende von 26.000 Kronen. Damit wurde die Förderungsaktion von vornherein auf realenBoden gestellt und durch den Ausstellungspräsidenten des Komitees, Konsul Felix Edler von Stiaẞny, die hohe englischeAristokratie für die wiedererweckte Dalmatiner Spitze interessiert. Auf der 1907 folgenden Ausstellung Das Kind" sahen diestaunenden Wiener zum ersten Male die Spitzenproduktion der dalmatinischen Bauern in moderner Anwendung: Clou der ganzenAusstellung war ein Kinderwagen samt Baby, montiert mit Reticellaspitzen aus Pago und Spalato, im Werte von2000 Kronen.( S. 10.)

( N. Bruck- Auffenberg.)

Viehmarkt in Scardona.

Während der Zwischenpause, die in der Herausgabe dieses Werkes eintrat, hatte die Verfasserin Gelegenheit, dieSammlungen der Gemahlin des bosnischen Landeschefs, Baronin Irene von Varešanin, komplettiert und zu einem groß-artigen Innenraum vereinigt zu bewundern. Man darf diese Anordnung rein dalmatinischer Objekte in den großen Empfangs-salons des Konak von Sarajevo wohl die bedeutendste sammlerisch- künstlerische Tat zu Ehren der dalmatinischen Volksarbeit nennen.

Die zwei berühmtesten, volkstümlichen Stickkünstlerinnen Süddalmatiens, die Lehrerin Elena Miš aus Mrzine imCanaletal und Anna Hozman aus Ragusa, haben zwei erstaunliche Sammlungen aller dortigen Sticktechniken mit denbescheidensten Mitteln und sicher mit den größten persönlichen Opfern nach und nach zusammengetragen. Es ist dringendzu wünschen, daß dieser unwiederbringliche Privatbesitz dem Lande oder der Stadt Ragusa erhalten bleibe. Vielleicht wichtigerals alles von außen her Getane sind solche freiwillige Betätigungen der Dalmatiner aufzufassen, denn nur diese werden unterihren Kompatrioten vorbildlich wirken.

Der erste, der sich den ungeheueren Schwierigkeiten, der Indolenz, Bequemlichkeit und Neuerungsfeindlichkeit inden unteren Volksschichten mit einer hausindustriellen Aktion erfolgreich entgegenstellte, war der Pfarrer Kallinik Boškovićvon Scardona. Er hat im Jahre 1905, gemeinschaftlich mit der Verfasserin an der Spitze eines Lokalkomitees stehend, die erste Wieder-einführung der Seidenzucht in Dalmatien zu Scardona ausgeführt, mit durchschlagendem Erfolge und mit hohem Erträgnissegleich bei der ersten Probearbeit; als Basis für eine Wiedereinführung der Seidenfärberei nach den mehrtausendjährigenFärbevorschriften des Volkes. Denn nur auf dieser Grundlage kann sich die Regeneration der heute dekadent gewordenenStickkunst in Dalmatien vollziehen.

Das Beispiel von Scardona wirkte so zündend im ganzen Lande, daß die Verfasserin noch in demselben Jahre Seiden-baukomitees in Castelnuovo, Cattaro und Arbe gründen konnte, die im Frühjahr 1907 ihre erfolgreichen ersten Probe-aufzuchten ausführten, während gleichzeitig Prof. Paul Burič in Ragusa der schon bei den ersten Schritten zur Gründungdes Hausindustrievereines in wichtigster Weise behilflich gewesen war die Bildung der Seidenbaukomitees von Spalato,Zara, Salona, Castelvecchio und Ragusavecchia veranlaßte, so daß heute der Seidenbau in Dalmatien wieder vollkommen ein-gebürgert ist.

Eine vornehme Dame in Zara, Gräfin Itta Borelli, hatte sich, ohne jede Anregung von außen her, aus reinerPassion, mit der seit vielen Jahrzehnten erloschenen Kunst der Seidenzucht, Spinnerei und Färberei im eigenen Hause seitihren Mädchenjahren beschäftigt, ganz in häuslicher Stille, und sie hatte aus ihren Materialschätzen die prächtigsten, verschwenderisch

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