Druckschrift 
Beiträge zur bretonischen Volkskunde : Erläuterungen zur bretonischen Sammlung des k. k. Museums für österreichische Volkskunde in Wien
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

18

der Spindeln ähnliche durchlochte Scheiben, an denen jedoch längs-seitig ein Brett zum Anhängen an die Hauswand angebracht ist. BeideVorrichtungen sind zweifellos stammverwandt und wir werden wohlnicht fehlgehen, wenn wir in ihnen alteuropäisches Kulturgut sehen.

Auf der Kaminbank steht ein Holzgestell zum Trocknenvon Kinderstrümpfen.( Taf. IV, Fig. 4.) Wir würden die Vor-richtung kaum besonders erwähnenswert finden, wenn nicht W. Peßlereinen jedenfalls ganz ähnlichen Behelf,» hosen- péleken«<, Strümpfchen-Pfählchen genannt, zum gleichzeitigen Trocknen von sechs Kinder-strümpfen beim Hausrate des niedersächsischen Hauses aufzählenwürde. ¹)

Der Konservierung von Fleisch und Speck endlich dient eineeiserne Speck hänge, in identischer Form über weite GebieteFrankreichs verbreitet.( Taf. I, Fig. 8.)

Wir wenden uns nun kurz dem Beleuchtungswesen imbretonischen Hause zu. Aus einem in der Sammlung des Museumsbefindlichen Klemmleuchter scheint hervorzugehen, daß auch imbretonischen Hause der Leuchtspan das älteste und primitivste Glossar ::: zum Glossareintrag  primitivsteBeleuchtungsmittel ist; die breiten, flach zusammengehenden Backendes Leuchters( Taf. II, Fig. 5) können schwerlich zum Festhalten einesanderen Objekts als eines Holzspanes gedient haben. Heute ver-wendet man in erster Linie Harzkerzen, aus einem Hanfdocht mitHarzüberzug bestehend,» goulou rousin« oder» goulou lutig«< genannt,die in höchst primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiver Weise in einem röhrenförmigen Rindenstückmöglichst trocken beim Herdfeuer aufbewahrt werden. Sie werden.entweder in ein» bécasse«( Schnepfe) genanntes, gespaltenes Holzstückeingeklemmt, das an der Kaminwand befestigt ist), oder man ver-wendet hierzu Holz- und Eisenleuchter, die bisweilen zugleichauch für Talgkerzenbeleuchtung eingerichtet sind. Diese Leuchterheißen ki- lutig( ki= Hund), also Leuchthunde, was eine interessanteParallele zu unserem Ausdrucke» Feuerhund« darstellt.( Taf. II, Fig. 4,Taf. IV, Fig. 2.) Außerdem kennt man auch Kerzenständer aus Holzund Zinn, die unzweifelhaft dem bürgerlichen Milieu entstammen.

Eine dritte Kategorie von Beleuchtungsgeräten bilden dieÖllampen, von denen mindestens zwei Typen bekannt sind, beidevon weiter Verbreitung in Frankreich und darüber hinaus. Den Typusder Hängelampe mit doppelter Schale führt H. d'Allemagne unter denBeleuchtungsgeräten des 17. Jahrhundertes an ³), er ist oder war bis vorkurzer Zeit in der Gascogne noch ebenso anzutreffen wie in dem hierbesprochenen Gebiete; die eiserne Hängelampe von römischer Form

1) Dr. Willi Peßler: Das altsächsische Bauernhaus in seiner geographischen Ver-breitung", Braunschweig 1906, S. 33.

2) Trebitsch a. a. O., S. 217.

3) Henry- René d'Allemagne: Histoire du Luminaire depuis l'epoque Romaine jus-qu'au XIX siècle, Paris 1891, Fig. S. 279.