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Auflösung allüberall unvermeidlich weiter; sogar das ursprünglicheWohnhaus, dieses so bodenfeste und sonst so zäh sich erhaltendeErbe angestammter Eigenart, ist in den genannten Gebieten in denneuen Kulturformen gänzlich untergegangen und verschwunden unddie Abnahme des übrigen volkskundlichen Besitzes kommt in dersehr lehrreichen volkskundlichen Abteilung des Musée d'Éthnographieim Trocadero zu Paris deutlich genug zum Ausdruck.
Kein Wunder, daß sich verdoppelte Pietät an die konservativerenGebiete wendet, die noch ganz im romantischen Schlummer ver-gangener Zeiten verblieben scheinen, und daß unklare Sehnsucht hiernoch viel primitivere Glossar ::: zum Glossareintrag primitivere Zustände sucht, als sie die anordnende Tätigkeitwissenschaftlicher Vergleichung zu finden vermag.
Durch die freundliche Widmung des Herrn Dr. med. u. phil.R. Trebitsch in Wien ist das k. k. Museum für österreichischeVolkskunde kürzlich in den Besitz einer ziemlich umfangreichenvolkskundlichen Sammlung aus der Bretagne gelangt, die in ihrerZusammensetzung zur Vergleichung mit anderem volkskundlichenMaterial umsomehr anregt, als die volkskundliche Literatur bezüglichder Bretagne und auch der übrigen französischen Landesteile in dieserHinsicht verhältnismäßig dürftig genannt werden muß. Es mag daherangezeigt erscheinen, unsere Sammlung einer kurzen Besprechungvergleichender Art zu unterziehen. ¹)
Die Bretagne ist in den Augen des Franzosen heute noch sozu-sagen ein Stück Mittelalter, ja ein Stück heidnischer Glossar ::: zum Glossareintrag heidnischer Vergangenheit,das mit seinen wundersamen, der jüngeren Steinzeit angehörigenSteindenkmälern, seinen abenteuerlich geformten Felsbildungen, deraltertümlichen Artung seiner Bewohner und deren oft düsteren undgeheimnisvollen Gebräuchen fast unverständlich und als eine Weltfür sich in unsere Zeiten hineinragt.
Die objektive Forschung muß freilich bald erkennen, daß auchdas eigenartige Volksleben der Bretonen und was dazu gehört imGrunde genommen ein sehr vielgestaltig zusammengesetzter Komplexist, der, wie zu erwarten, neben Spuren relativ bedeutender Isoliert-heit noch viel mehr Züge universellen Charakters aufweist, die ihnmit allen möglichen näher und ferner gelegenen Gebieten in kultur-geschichtliche Beziehung setzen. Am deutlichsten tritt dies, wie wirsehen werden, am Hause und seiner Einrichtung hervor, welch letztereim bäuerlichen Milieu ja stets der Beeinflussung von Seite desBesitztums höherer Gesellschaftskreise unterliegt.
Bevor wir jedoch die einzelnen Kulturerscheinungen untersuchen,wollen wir uns ganz kurz den wirtschaftlichen Verhältnissen derbretonischen Landbevölkerung zuwenden und beginnen dabei mit derlebendigen Zelle des ganzen Wirtschaftsorganismus, dem Bauerngute.
1) Die reichliche Ausstattung mit Abbildungen wurde gleichfalls durch die Opfer-willigkeit des Herrn Dr. Trebitsch ermöglicht.