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Die ethnographische Abteilung des ungarischen Nationalmuseums in Budapest
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Nr. 50

Urania

Einkerbungen in eine Stiege verwandelt ist, lehnt in einerEcke. Dieses Objekt erinnert sofort an analoge Vorkomm-nisse in Polynesien. Aeste mit aufgebogenen Zweigenwerden hier sowohl als Heutrage wie als Aufhängevorrichtung, die an der Decke der Stube befestigt ist, fürallerei Gegenstände benützt. In solcher Weise ist auchgewöhnlich die höchst primitive Glossar ::: zum Glossareintrag  primitive Wiege über dem Bett derEltern angebracht. Sie wird zumeist von der Mutter inder Art in Bewegung gesetzt, daß ein Strick von derRuhestätte des Säuglings zu ihrer großen Zehe gespanntist. Nach einem Vorbilde aus höherer städtischer Kulturist vermutlich der Stehstuhl zu deuten. Es ist dies einGegenstück zur bekannten Gehschule. Allerdings ist aberdas Problem in ganz urtümlicher Weise gelöst: Ein Holz-klotz ist in der Mitte durchbohrt. Er ruht auf vier inVertiefungen dieses Stückes eingefügten Zweigen. DasKind, welches vor sich in dem Klotz eine Grube hat,kann sie als Teller benützen. Es ist anzunehmen, daßdie ursprünglichen Tische in der Prähistorie auch solcheHolzklözze darstellten, die mit Vertiefungen als Teller ver-sehen waren. Ein derartiges Eremplar im ZüricherMuseum macht diese Vermutung wohl wahrscheinlich.

Von europäischen Völkern sind zu Vergleichszwecken,begreiflicherweise die finnisch- ugrischen Stämme am meistenberücksichtigt. So sehen wir reichliche Sammlungen vonden Finnen, den Lappen Glossar ::: zum Glossareintrag  Lappen, und auch den Baschkirender Wolga. Die letzteren sind ein mit den Türken,mithin indirekt auch mit den Magyaren verwandter Volks-stamm. Sie leben in filzzelten, sogenannten Jurten, wiemanche ihnen nahestehende Steppenvölker Asiens. BunteStickereien, meist mit pflanzlichen Motiven, füllen da einenKasten. Sie zeigen teilweise als Ornament auch dieSpirale, die häufig ebenfalls bei den Bast- und Holz-arbeiten sibirischer Völker als Zierrat verwendet ist. Aus-gestellte Bogen, Pfeile, Lederköcher und Tierfallen beweisen,auf wie urtümlicher Stufe die Baschkiren noch stehen.Diese Sammlung ist deshalb besonders erwähnenswert,weil sie in europäischen Museen vielleicht Rußlandnicht leicht ihresgleichen finden dürfte.Ethnographische Gegenstände aus allen Konti-nenten, die Graf Eugen Zichy von einer Weltreiseheimgebracht hat, füllen eine eigene Abteilung. Im übri-gen finden wir auch sonst noch außereuropäische Länderberücksichtigt; besonders gut scheint das KunsthandwerkJapans und Chinas vertreten zu sein.

ausgenommen

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Nach einer Mitteilung des Direktors, Herrn Dr. Willi-bald Se mayer, blickt das Museum auf eine erst zwanzig-jährige Vergangenheit zurück. In dieser verhältnismäßigkurzen Zeit wurde hier wirklich Großes geleistet.Dr. Rudolf Trebitsch.

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Vorträge der Urania.

Universitäts Professor Dr. Paul von Zimmermann:Optimismus und Pessimismus in unserenTagen.( 16. November.)

Das Thema zu diesem Vortrage flog dem Redner, wie er ein-leitend bemerkte, auf der Straße- ,, Ibam forte via.

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zu,da er hinter zwei Männern herging, von denen der eine sagte: Be-zwingen werden uns unsere Feinde doch nicht", worauf der andereerwiderte: Ich fürchte sehr, daß wir ihrer ungeheuren Übermachterliegen müssen"; in solcher Weise wurde das Gespräch eine Weilefortgesetzt und endete mit dem spöttischen Ausrufe Du bist eben einunverbesserlicher Optimist!" hier, mit der unwilligen Antwort: Unddu ein elender Pessimist" dort. Es erinnerte Paul v. Zimmermannan ein Erlebnis seiner Knabenjahre: mit seinem Vater stand erauf einem Berg im Böhmerwalde, in einem Aussichtshüttchen, dessenFenster verschiedenfarbig verglast waren, vom hellsten Rosa bis zumtiefsten Schwarz. Und als der Knabe seiner Verwunderung überdie so sehr von einander abweichenden Bilder derselben Landschaft,die er hinter den einzelnen Scheiben gesehen hatte, Ausdruck gab,empfing er folgendes unvergeßliches väterliches Lehrwort: Es hängteben stets nur von den Brillen ab, durch die man die Welt betrachtet.

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Schaff dir niemals schwarze an, mein Sohn!" Das Wort Opti-mismus wurde zuerst von unserem großen Philosophen GottfriedWilhelm Leibniz angewendet, dessen zweihundertsten Todestag wiram 14. November begangen haben, und zwar auf sein philo=sophisches System, das die Welt als die denkbar beste von allen( mundus optimus) bezeichnete, da Gott vermöge seines Wesensüberhaupt keine andere als die beste habe erschaffen können. WieLeibniz diese Behauptung scharfsinnig begründete, wie er mit derVortrefflichkeit der Weltanordnung und der Harmonie des Weltalls"die vielfachen, auch von ihm zugegebenen, physischen, metaphysischenund moralischen Uebel zu vereinbaren trachtete, das wurde vomVortragenden des längeren ausgeführt. Leibniz war in seinemLeben und Handeln das, was wir heute einen Optimisten vomreinsten Wasser zu nennen pflegen. Das beweist u. a. sein großerPlan, die drei Hauptkonfessionen zu versöhnen und zu vereinigen,ein Plan, der an dem Widerstande des päpstlichen Stuhles scheiterteund durch seine Unausführbarkeit allerdings dem Pessimisten rechtzu geben schien. Als hervorragendsten philosophischen Gegner desunsere Welt als die schlechteste galt, der die Selbstvernichtung als ein-Leibniz'schen Systems können wir Schopenhauer bezeichnen, demziges Mittel gegen ihre Schlechtigkeit empfahlwendung dieses Mittels zurückschreckte: als die Cholera in Berlinausbrach, flüchtete er eiligst nach Frankfurt. Es gibt aucheine Tragödie des Pessimismus, Shakespeares Hamlet", undeine Tragödie des Optimismus, Goethes Egmont". Den Würmernals Speise zu dienen, das ist nach Hamlet unser Endzweck. Egmontaber geht mit der frohen Zuversicht in den Tod, daß die Zukunftvollenden werde, was die Gegenwart unvollendet lassen mußte. Unddamit haben wir, wie Zimmermann sagt, auch die Grundlage derpessimistischen und der optimistischen Weltanschauung vor uns. Dennwer nicht an ein besseres Jenseits glaubt, dem werden freilich leichtdie Uebel des Diesseits unerträglich; wer aber mit Schiller ruft:der ist" Brüder, überm Sternenzelt muß ein guter Vater wohnen!"Pessimismus in der Zeit des gegenwärtigen Weltkrieges? An seinemWie zeigen sich nun Optimismus und

und bleibt ein Optimist.

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aber vor der An-

Anfange machte sich nicht nur bei unseren Feinden, sondern auchbei uns selbst ein ausschweifender, abenteuerlicher Optimismus laut.Jene dachten, sozusagen binnen fünf Minuten als Sieger in Berlinund in Wien einzuziehen, wir aber vertrauten allzusehr auf Ver-sprechungen und Verträge. Das hat sich nun gründlich geändert,außen und innen. Französischer Revanchetaumel, britischer Hochmut,russische Überzahl haben sich als eitel und ohnmächtig erwiesen. Aber