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Winterfreuden : das Österreichische Museum für Volkskunde und die Creditanstalt präsentieren ; Ausstellung vom 5. Dezember 1994 bis zum 13. Jänner 1995 im Kassensaal der CA, Wien
Entstehung
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Gasselfahren

,, Im alten Wien, wo noch viel auf prunkvolle, rau-schende Lustbarkeiten gehalten und verwendetwurde, waren die großen öffentlichen Schlittenfahr-ten eine der vornehmsten winterlichen Unterhaltun-gen", schreibt Johann Pezzl 1803 in seinen Wie-ner Notizen". Er schildert darin eine nächtlicheSchlittenfahrt bei Fackelschein durch Wien. Beson-ders zur Zeit Maria Theresias waren derartige,, Schlittagen" beliebt. Dazu mußten tausende Fuh-ren von Schnee in die Stadt verfrachtet werden.Die adeligen Teilnehmer überboten einander in derVerwendung aufsehenerregender Schlitten undhelltönenden Schellengeläutes. Das schaulustige

aus dem Österreichischen Museum für Volkskundezeigt eines Damhirschen. Die vorne zu einemSpitz zusammenlaufenden Kufen waren mit Vogel-köpfen bekrönt, sie trugen Mohren Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohren, Jäger, einenBergmann mit Triangel oder die Allegorie des Win-ters. Im Fasching präsentierte man sich dazu inphantasievollen Kostümen. Nach dem Vorbild desAdels fanden die Gasselschlitten auch auf demLande Verbreitung. Unter der bäuerlichen Bevölke-rung galt der Stefanitag als beliebter Termin füreine winterliche Ausfahrt.

Publikum sah Gasselschlitten in Gestalt von Löwen, Wintersport

Schwänen, Seeungeheuern oder wie das Beispiel

Schlittenkopf, Allegorie des Winters,

Mann mit Zipfelmütze und Muff, Tirol, spätes 18. Jh.

Im Gegensatz zum Schlittschuhlaufen oder zumRodeln blickt der Schilauf in den Alpen auf einerecht junge Geschichte zurück. Erst nachdem derNorweger Fridtjof Nansen im Jahr 1888 Grönlandmit Schiern durchquert hatte, brach im Alpenraumeine große Begeisterung für das Schneeschuh-laufen" aus. Dieses, Nansen- Fieber" erfaßte auchden aus Mähren stammenden und auf einem Bau-ernhof bei Lilienfeld lebenden Naturfreund MathiasZdarsky( 1856-1940), der nun begann, das Schi-fahren in Österreich zu propagieren. Obwohl zurselben Zeit auch an anderen Orten erste Versucheim Schilaufen unternommen wurden, ist Zdarskyals der Vater des Schilaufes in Österreich anzuse-hen, weil er eine eigene Technik entwickelte, diees jedem ermöglichte, auch steile Hänge mit Schi-ern zu bewältigen. Mathias Zdarskys Lebenswerkbesteht darin", heißt es in einer Würdigung, daß erdie Möglichkeit erdacht und verwirklicht hat, dieunerschöpfliche und völlig einzigartige Kraftquelledes winterlichen Gebirges einem ganzen Volkezum Jungbrunnen werden zu lassen." Der RuhmÖsterreichischen Schilaufs wurde dann freilich vonden bekannten Schigrößen des Arlbergs in alleWelt getragen und damit der Ruf Österreichs alsWintersportland Nr. 1 begründet.

Die Zeugnisse winterlichen Vergnügens aus derSammlung des Österreichischen Museums fürVolkskunde dokumentieren ein Stück österreichi-scher Kulturgeschichte. Sie machen deutlich, daßunsere Winterfreuden einer dem winterlichen All-tag enthobenen Sichtweise eines vormals adeligenund in der Folge städtischen Publikums entstam-men.

Franz Grieshofer