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Winterfreuden : das Österreichische Museum für Volkskunde und die Creditanstalt präsentieren ; Ausstellung vom 5. Dezember 1994 bis zum 13. Jänner 1995 im Kassensaal der CA, Wien
Entstehung
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Winterfreuden

Zeugnisse winterlichen Vergnügens

Morgen wolln wir Schlitten fahren, morgen um halb neunespann ich meine Schimmel ein, fahr ich ganz alleine.Ganz alleine fahr ich nit, da nehm ich meine Gretel mit.

Winterfreuden: Schlittenfahrten durch tiefver-schneite, unberührte Landschaft, Schwünge imunverspurten Schnee, ein warmer Kachelofen inder zirbenholzgetäfelten Stube, der Duft vonBratäpfeln und Jagertee.... Bilder der Erinnerung,Bilder in Hochglanzprospekten. Erlebt, erträumt.Jedenfalls abgehoben vom Alltag!

Wer denkt da an die Unbill und an die Gefahrendes Winters. Wer bedenkt, daß unsere Winterfreu-den in harter Winterarbeit wurzeln. Denn die mei-sten Wintersportgeräte gingen aus Arbeitsgerätenhervor, wie sie im Winter zum Holztransport, beimHeuziehen oder bei der Jagdaufsicht verwendet

wurden. Aus den Urformen der alpinen Transport-geräte, den Schleifen und Schlitten, entstanden diephantasievoll gestalteten Gasselschlitten". Seitder Urzeit standen auch Schneereifen und Schierbei den Nomadenvölkern des Nordens als Fortbe-wegungsmittel in Verwendung. Aus vorchristlicherZeit fanden sich Röhrenknochen, die, an die Füßegeschnallt, die ersten Schlittschuhe" abgaben.Ähnlich urtümliche Beinschlitten", mit denen manbeim Eisfischen über die gefrorenen Seen stakte,haben sich allenthalben in den Sammlungen derMuseen erhalten. Vor allem die Kinder wußten mitihren primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Rutschen, Rodeln und Faẞdaubendem Winter unbeschwerten Spaß abzuringen.

Nuẞknacker, gedrechselter und bemalter Grenadier mitdem preußischen Adler auf der Kegelmütze, Thüringen,Mitte 19. Jh.

Winter( ge) nüsse

In Kindheitserinnerungen verbindet sich die Ad-ventzeit immer mit den himmlischen Gerüchen vonDörrpflaumen, Kletzen, Backwerk und Lebkuchen.Neben den diversen Ausstechformen benötigtendie fleißigen Hausfrauen zur Herstellung dieserKöstlichkeiten Muskatreiber, Zitronenpressen,Äpfelquetschen und Schälapparate. Es waren daseinfache Dinge des täglichen Gebrauchs. Dochihre handwerklich gekonnte und im Detail liebevol-le Gestaltung verlieh ihnen eine unverwechselbareIndividualität.

Solche kleine Persönlichkeiten bilden auch dieNuẞknacker: grotesk geschnitzte Männchen undWeibchen, Hexen und Mönche, oder gedrechsel-te Könige und Husaren. Letztere wurden in denHausindustriegebieten des Erzgebirges massen-haft hergestellt und auf den Adventmärkten ver-kauft. Ihr Anblick beflügelte bekanntlich den Ber-liner Dichter der Romantik E.T.A. Hoffmann so sehr,daß er den Nuẞknacker in einer Novelle, die er1816 für die Kinder seines Freundes schrieb, zumLeben erweckte. In dem berühmten Ballett DerNuẞknacker" von Peter Iljitsch Tschaikowsky ge-lang dem hölzernen Mann sogar der Sprung aufdie Bühne, wo er alljährlich zur Weihnachtszeit inder Wiener Staatsoper zu bewundern ist.

Über das Alter der Nuẞknacker gibt es keine ge-nauen Angaben, doch dürfte es sie bereits in derAntike gegeben haben. Damals knackte man dieNüsse freilich nicht mit den beweglichen Kinnbak-ken der Nuẞknacker, sondern mit Nußzangen undNußbrechern. Von diesen Typen hat sich auch ausjüngerer Zeit manch köstliche Form erhalten.