getriebenen und mit bunten Schmucksteinen besetzten aus dem ober-österreichischen Innviertel gegenüber 14).
Das Hochzeitsmöbel ist in der neuen Aufstellung nur durchein, freilich sehr erfreuliches Beispiel vertreten, nämlich durch denneuerworbenen Ybbstaler Hochzeitskasten. Das niederösterreichischeYbbstal hat um und nach 1800 eine sehr eigenartige Möbelmalerei her-vorgebracht 15). Die ornamentale Bemalung scheint von gediegenenHandwerkern durchgeführt, die vier Türfelder dagegen sind offenbarvon der Hand eines liebenswürdigen Laien bemalt. Er hat in die zweioberen Felder zwei Wallfahrtsstätten der Landschaft gesetzt, in daslinke untere den Empfang des Brautpaares im Wirtshaus, und in dasrechte untere den Beginn der Arbeit in der Werkstatt des jungen Paares.Es handelt sich um eine Schneiderwerkstatt, die junge Meisterin bringtden Gesellen gerade ihr Essen, und so wird der Kasten also zur Hoch-zeit eines heimischen Schneiderehepaares bemalt worden sein.
Altes Handwerk kommt auch zur Geltung, wenn wir weiter zurVitrine„ Liebe und Ehe auf Krügen der altösterreichischen Volks-majolika" gehen. Vor allem die Gmundner Keramik um undnach 1800 hat die verschiedensten Motive dieses Gebietes behandelt 16).Die kostbaren Krügeln sind offenbar zur Hochzeit geschenkt worden,manche sehr seriös, einige mit leicht erotischen Andeutungen, besondersdie Traunseer Fischer- und Schifferkrüge 17).
Der Bild- und Spruchgehalt der Gmundner Majolika ist bisher nochdurchaus nicht zureichend untersucht. Es finden sich jedenfalls mitunterElemente verwendet, die beträchtlich älter als die jeweilige Keramiksind. Das gilt auch beispielsweise für den Krug Inv. Nr. 32.001, auf dessenWandung eine Zille mit zwei Schiffleuten und drei Mädchen dargestelltist, worunter der Reimspruch steht:
Wunder über Wunder,
hat das schiff so vill löcher
und gehet doch nicht unter.
Der Spruch nimmt ein Schwankmotiv auf, das schon im 17. Jahr-hundert bezeugt erscheint. Der„ närrische Rat" des Dresdner Hofes,Friedrich Taubmann( 1565-1613) benützte das Motiv zu einem seinerStreiche. Die„ Taubmanniana"( Frankfurt und Leipzig 1703. III. Teil,S. 139 f.) berichten darüber folgendermaßen:„ Das Hoff- Frauenzimmerin Dreẞden satzte sich zur Sommers- Zeit in einen Kahn/ und wollte einwenig zu Wasser sich erlustigen. Da sie aber in Kahn getreten waren/fängt Taubmann an zu rufen: Ach ihr lieben Kinder! euer Kahn hat vielLöcher/ Worauff alle Jungfern Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfern ins Wasser sprungen, meinende/ alswenn der Kahn Wasser zöge/ da doch nur in dem Kahn solche durch-löcherte Personen anzutreffen waren."
Viele Krüge zeigen wie andere Volkskunstgegenstände die Motivedes Sprosses, des Baumes, des Ehebaumes, in den verschiedensten Aus-formungen. Diesem Motivkomplex ist die ganze nächste Vitrine ge-
14) Arthur Haberlandt, Gürtel als Heiltum( Volkskundearbeit.Otto Lauffer zum sechzigsten Geburtstag. Berlin 1934. S. 83 ff.).
15) Vgl. Helmut Nemec, Alpenländische Bauernkunst. Eine Dar-stellung für Sammler und Liebhaber. Wien 1966. Farbtafel II.
16) F. H. König, Alt- Gmundner Fayencen. Eine Handwerkskunstaus dem Salzkammergut( 17.- 19. Jahrhundert). Linz 1964.
17) Ernst Neweklowsky, Die Schiffahrt und Flößerei im Raumeder oberen Donau. Bd. II, Linz 1954, S. 258 f. und Abb. 268, 269.
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