RAUM III:
Hochzeitstruhenherstellung:
Die Erzeugung von Hochzeitstruhen ist einealte Handwerkstradition, die eng mit dem tür-kischen Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum verflochten ist. Von dengegenwärtig rund 40 Handwerksbetriebenim Stadtgebiet von Istanbul werden zwei Ty-pen von Truhen angefertigt: Truhen ausNuẞholz bzw. Imitationen derselben ausnuẞfarben gebeiztem Ulmenholz und grün-bemalte mit Spiegeln und Buntblech ver-zierte Kisten. Im kunsthandwerklichen Be-reich wurden für die Stadtbevölkerung früherauch Truhen mit Einlegearbeiten aus Elfen-bein und Perlmutter hergestellt.
Der Großteil der Handwerker stammt ausCide in der Provinz Kastamonu an der türki-schen Schwarzmeerküste, die bekannt istfür ihre hohe Abwanderungsrate und die sai-sonale Arbeitsaufnahme ihrer Bewohner inden städtischen Zentren der Türkei, vor al-lem in Istanbul. Da auch in der Schwarz-meerregion Holzbearbeitung weitverbreitetist, verfügen die Abwanderer bereits vor ih-rem Kommen nach Istanbul über ausrei-chende Kenntnisse im Tischlergewerbe, diesie durch Unterweisung von ihren Vorgän-gern im Handwerksbetrieb noch zu erwei-tern suchen. Die Fluktuation im Truhenher-stellergewerbe ist oft sehr groß, da sie ent-weder nur saisonal als Handwerker arbeitenund vor allem während der Aussaat und Ern-tezeit in ihre Heimatdörfer am SchwarzenMeer zurückkehren oder nach einigen Jah-ren der handwerklichen Beschäftigung wie-der in der Landwirtschaft tätig werden.Der Nachwuchs bei den Truhenherstellernrekrutierte sich in früheren Zeiten meist ausden Kindern und Enkeln der Kistenmacher,die den Beruf ihrerseits von ihren Vätern er-lernt hatten und ebenfalls als saisonalen Zu-erwerb ausgeübt hatten.
Bedingt durch den sozialen und wirtschaftli-chen Wandel in der Türkei scheint jedochheute vielen jungen Leuten der Beruf nichtmehr sehr attraktiv zu sein.
Dennoch erfreuen sich die Produkte diesesHandwerkszweiges noch immer einer gro-Ben Beliebtheit, vor allem unter der aus den
ländlichen Gebieten der Türkei nach Istan-bul zuziehenden Bevölkerung.
Hochzeitstruhen dürfen auf keiner Hochzeitfehlen. In ihnen bringt die Braut einen Teil ih-rer Mitgift( Kleidung, Bettwäsche, Handtü-cher, etc.) in die Ehe mit.
Die Hochzeitstruhe wird gemeinsam mit derBrautausstattung während der mehrtägigenHochzeitsfeierlichkeit öffentlich zur Schaugestellt. In einem eigenen Abschnitt derFeier erfolgt die Überführung der Brautaus-stattung vom elterlichen Haus in das Heimihres Mannes bzw. ihrer Schwiegereltern.Dies wird ceyiz gitme( das Gehen der Mitgift)und ceyiz asma( das Aufhängen der Mitgift)genannt.
Die grüne Farbe der Hochzeitstruhen sollder neuen Ehe Glück und Allahs Segen brin-gen( Grün ist die Farbe des Propheten Mo-hammed).
Später dient die Truhe der Frau zum Aufbe-wahren ihres persönlichen Eigentums, z. B.Schmuck.
Tragsattelerzeugung und Herstellungvon Tragegestellen für Lastträger:
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Früher fanden sich Hersteller aller Arten vonTragesätteln an jenen Plätzen ein, wo Vieh-märkte abgehalten wurden. Sie repariertenund nahmen Bestellungen für neue Stückeentgegen, die sie dann nach einigen Wo-chen, wenn der Markt wieder im selben Ortabgehalten wurde, lieferten. Der Semerciso lautet der türkische Name für den Trag-sattelmacher, stellte danben auch Polsterher, fertigte gewisse Typen von Reitsätteln( Palan genannt) und in der Großstadt- vorallem in dem auf sieben Hügeln gelegenenIstanbul auch die Rückentragegestelle( arkalık) der Lastträger, die dort den Güter-verkehr in den engen, vom Verkehr verstopf-ten Gäßchen zum großen Teil bewältigten.Wegen der steil ansteigenden Treppen, dieden Höhenunterschied überwinden helfen,dem modernen Kraftwagenverkehr aber er-hebliche Schwierigkeiten bereiten, sind dieLastträger aus dem Stadtbild Istanbuls nichtwegzudenken. Der Semerci war also einWanderhandwerker, der neben seiner fe-sten Werkstatt auch die Märkte seiner Um-
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