ZUM GELEIT
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Im österreichischen Kulturleben ist es seitgeraumer Zeit zu einem sinnvollen Brauchgeworden, historische Jubiläen auch durchbedeutende Ausstellungen zu begehen. Wiekaum ein anderes geschichtliches Ereignisist Wiens zweite Türkenbelagerung im Be-wußtsein der Bevölkerung verankert. Die Zu-rückschlagung der osmanischen Expan-sionsbestrebungen nach Europa vor den To-ren Wiens war auch eine Entscheidung vonnachhaltigster kultureller Tragweite.Bereits bei den ersten vorbereitenden Ge-sprächen im Historischen Museum der StadtWien wurden zahlreiche Museen und Doku-mentationszentren aufgefordert, zu einemAusstellungskranz beizutragen, der sichwenn möglich nicht nur auf Wien, sondern-eher dezentralisiert auch auf die östlichenBundesländer erstrecken sollte. Für dasWiener Völkerkundemuseum erhob sich dieFrage, entweder in seinen beiden nieder-Österreichischen Außenstellen Schloß Mat-zen und Kartause Gaming oder in Zusam-menarbeit mit dem Ethnographischen Mu-seum Kittsee eine thematisch einschlägigeAusstellung zu gestalten. Die Wahl fiel aufSchloß Kittsee, nicht zuletzt, weil es sich inseiner Dokumentations- und Ausstellungs-tätigkeit insbesondere mit dem ost- und süd-osteuropäischen Raum befaßt, und auchwegen seiner geographischen Lage im Bur-genland, das ja in jenen Jahrhunderten zumAufmarschgebiet osmanischer Heere ge-worden war. Kittsee, nahe der HainburgerPforte gelegen, ist heute das östlichsteSchloß Österreichs.
Es war naheliegend, daß eine völkerkundli-che Ausstellung sich vornehmlich mit Aspek-ten der türkischen Kultur befassen würdesoweit diese aus den im Museum vorhande-nen Beständen darstellbar ist- und so ka-men wir auf das Thema„ TraditionellesHandwerk in der Türkei". Einem glücklichenUmstand ist es zuzuschreiben, daß geradeim letzten Jahrzehnt durch mehrere For-schungs- und Sammelreisen die diesbezüg-lichen Bestände wesentlich erweitert wer-den konnten. Die meisten der in dieser Aus-stellung gezeigten Gegenstände sind in
fruchtbarer Zusammenarbeit mit dem Institutfür Völkerkunde der Universität Wien erwor-ben worden. Sie werden bei dieser Gelegen-heit erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.In Tahtakale in Istanbul findet sich bis heuteeine Konzentration von handwerklichen Be-trieben, die teilweise aus dem Mittelalterstammende Traditionen fortsetzen. Zwar ha-ben sich technische Ausrüstung und Qualitätder Ausführung vielfach modernen Gege-benheiten angepaßt, Material und Form derProdukte sowie ihr Gebrauch im Alltagsle-ben stehen aber im großen und ganzen inder Überlieferung. Es ist das Bemühen die-ser Ausstellung, soweit wie möglich Objekt-gruppen in ihrem ursprünglichen Werkstatt-zusammenhang zu zeigen und damit aucheinen Einblick in Leben, Tätigkeit undBrauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum der Handwerker von Tahtakalezu geben. Darüber hinaus werden auch Ar-beitsprozesse durch Halbfertigprodukte unddie bei der Herstellung in Gebrauch stehen-den Werkzeuge dokumentiert sowie durchFotos, Filme und Beschreibungen veran-schaulicht und erläutert.
Mit Freude möchte ich darauf hinweisen,daß dieses Gemeinschaftsprodukt aucheine neuerliche Manifestation der fortwäh-renden Zusammenarbeit zwischen dem Mu-seum für Völkerkunde in Wien und dem Eth-nographischen Museum Kittsee bedeutet.Bereits seit der Gründung des Ethnographi-schen Museums Kittsee im Jahre 1972 be-steht diese Zusammenarbeit durch Überlas-sung von volkskundlichen Beständen, Expo-naten, Büchern und Archivfotos aus demRaum der alten Donaumonarchie als Dauer-leihgaben, die ursprünglich im Völkerkunde-museum gelagert waren, sowie durch denUmstand, daß Völkerkundler im Kuratoriumdes dortigen Vereins vertreten sind und derDirektor des Wiener Völkerkundemuseumsderzeit Präsident dieses Vereins ist. Mögedieser Ausstellung ebenso wie allen ande-ren, die zu Anlaß dieses historischen Ge-denkjahres gezeigt werden, gebührenderErfolg beschieden sein.
Hofrat Univ.- Prof. Dr. Hans Manndorff,Direktor, Museum für Völkerkunde WienPräsident Verein
,, Ethnographisches Museum Kittsee"
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