17
Ostereier
70. Osteuropäische Ostereier. Zu den eigen-artigsten und mannigfaltigsten Volkskunst-objekten sowohl in Farbe und Zeichnung alsauch in der Technik der Herstellung gehören dieOstereier. Gefärbte Eier tauchen schon in denZaubertexten des Hellenismus auf und sind auchim römisch- germanischen sowie im altslawischenBereich nicht unbekannt. Im Ferman Solimans II.aus dem Jahre 1536 wird im sächsischenBergrecht Bosniens die Zeit des Eierfärbens alsGeschenktermin erwähnt, die auch im Türkischenund Persischen Entsprechungen hat. Damitrückt die Möglichkeit der Übertragung desOstereier- Brauches durch die Türken in greifbareNähe. Um kurz die heutigen Typen zu be-schreiben, sei nur eine grobe Gruppierunggegeben. Böhmen: grob gebatikte einfärbigeOstereier; mährische Slowakei: mit feinengeometrischen Ornamenten versehene Ostereierin Gelb und Rot; Slowakei: vielfärbig gebatikteOstereier mit ornamentalen Motiven auf schwar-zem Grund; Polen: Ostereier mit einfachsterBatikverzierung auf rotem Grund; Huzulen:Ostereier mit der künstlerisch vollkommenstenAuszier; Slowenien: Blumenmotive auf flächigembraunem Grund; Dalmatien: ornamental geätzteOstereier; Serbien: Ostereier mit ausgekratztenund gefärbten Blumendarstellungen auf braunemund blauem Grund.
Volksmusikinstrumente
71. Guslen aus Jugoslawien und Albanien. DieGusle ist das volkstümlichste Streichinstrumentder Balkanländer, das sowohl den Serben undKroaten als auch einem Teil der Albaner bekanntist. Sie gehört der Klasse der sagittalwirbligenHalsgeigen an und hat ihren Ursprung imInstrumentarium Südwestasiens des ersten Jahr-tausends. Sie verdankt ihre Verpflanzung denschon vor dem Vordringen der Osmanenwirkenden älteren vorderasiatischen Einflüssen.Für ihre an die frühen Wanderungen der Süd-slawen gebundene Verpflanzung spricht vorallem ihre frühe funktionelle Bindung an denEpengesang, durch die sie als Begleitinstrumentfast tausend Jahre unverändert überdauert hat.Während die Form der Gusle selbst, die Spielsaiteaus Roẞhaaren, die Fellbespannung und derprimitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Bogen die asiatische Heimat nichtverleugnen können, weist die Spielweise sowohlorientalische Glossar ::: zum Glossareintrag orientalische als auch slawische Züge auf: DieGusle wird beim oft stundenlangen Vortrag derzehnsilbigen Verse der Heldenepen zwischen denKnien gehalten und die Saite von der Flankegegriffen. Sie wird nach der Stimme des Guslaren
gestimmt und hat die eigentliche Funktion, dieTonhöhe des Sängers zu halten.
72. Tamburizzen aus Bosnien und Dalmatien.Die Tamburica ist ein Lauteninstrument derTanbur- Gruppe mit langem Hals und kleinemeiförmigem Holzkorpus, das sich als einzigesVolksmusikinstrument der Südslawen im 19. Jahr-hundert weiterentwickelt hat. Zeitlich ist dasInstrument von der Zeit der alten Assyrer bisin die Gegenwart belegt, räumlich reicht seineVerbreitung in Europa von der Adria bis an dieGrenzen Rußlands und umfaßt praktisch ganzSüdasien. In unserem Bereich ist die Tamburicabesonders bei den Mohammedanern Glossar ::: zum Glossareintrag Mohammedanern beliebt unddient zur Begleitung beim Solovortrag vonLiebesliedern, Balladen und Heldenliedern. Ihrebalkanische Verbreitung hat sie den Türken zuverdanken.
73. Süddalmatinische Lirica und pontische Liraaus der Gegend von Xanthi. Die dreisaitigenLira- Formen mit ihrer typischen birn- bis kahn-förmigen Korpusgestalt und den beiden einandersymmetrisch zugekehrten Schallöffnungen sindtypologisch in ein geographisches Breitbandeingelagert, das von Frankreich bis in den Orient Glossar ::: zum Glossareintrag Orientreicht. Im Westen ist dieser Typus schon im12. Jahrhundert mit dem Namen Lyra mehrfachbelegt, in der arabischen Welt ist er dagegenals die ,, griechische Geige" allseitig bekannt.Die Griechen selbst verlegen die sagenhafteHeimat nach Norden. Damit kristallisiert sichByzanz als das vermutliche Ursprungslandheraus, von wo aus sie nur durch die Kreuzfahrer,vom Ende des 11. Jahrhunderts an, als Mittlerihre enorme Verbreitung erreichen konnte. Diepontische Lira wurde in den Jahren 1919 bis 1921von griechischen Flüchtlingen aus dem Pontus-Gebiet über Rußland nach Griechenland mit-gebracht.
74. Flöten aus Bosnien und Dalmatien. Dievorliegende Schnabelflötenkollektion zeigt eineAuswahl aus dem jugoslawischen Flöteninventar,die noch durch Längsflöten ohne Schnabel undQuerflöten ergänzt werden müßte. Die ersteGruppe bilden Flöten mit hinterständigem Auf-schnitt, die besonders für den serbischen Ostteildes Landes charakteristisch sind. Eine eigeneGruppe bilden die Fünfloch- Flöten aus Schilf-rohr mit vorderständigem Aufschnitt. Die Lang-flöte mit vorderständigem Aufschnitt und sechsGrifflöchern ist in Dalmatien beheimatet undnach der Form des Kopfes mit der von Slawonienbis Dalmatien verbreiteten Gruppe der Sviralaverwandt, die sich durch das weit ausladendeMundstück und einen Wulst am Unterendeauszeichnet.
75. Doppelflöten aus Bosnien und Dalmatien.Die Doppelflöten, Dvojnice genannt- in diesemFalle alles Schnabelflöten mit vorderständigemAufschnitt und 4+ 3 Grifflöchern-, sind inganz Jugoslawien bekannt. Ihre Geschichte istnoch kaum erarbeitet, doch wird verschiedentlichvermutet, daß sich ihre Entwicklung aus derurslawischen Schnabelflöte erst im dinarischen