Brüder fort und eine Unzahl von Werkstättenim ganzen Lande- der Töpfer wird in Mährennoch heute Toufar, d. h. Täufer, genanntbilden allmählich eine selbständige Art derBemalung aus. Besonders bemerkenswert sinddie hier ausgestellten Erzeugnisse der Rotmaleraus Olmütz und Sternberg.
3. Mährische Schwarzhafnerware. Das Schwarz-hafnergefäß aus Nova Ves( Neudorf) beiEibenschitz wurde für die Powidlerzeugungverwendet. Es ist zweihenkelig und weist alsWandverstärkungen neben umlaufenden Ring-wülsten auch die seit dem Neolithikum üblichenFingertupfenwülste auf.
4. Slowakische Keramik. Bei der slowakischenFayence handelt es sich einerseits um dieslowakisierte Fortsetzung der Habaner Werk-stätten vor allem im mittelkarpatischen Raumund anderseits um slowakische Ableger imGebiet der Kleinen Karpaten, wo Modra( Modern)und Štupava( Stampfen) eine beachtliche Rollebis in die Gegenwart spielen. Das slowakischeElement ist in der Fayence wie bei den Stickereienam Überbetonen der gelben Farbe erkennbar.Besondere Formen der slowakischen Fayencensind die Eule- das ist ein Krug mit einer eineenge, das heißt, verstoppelbare Öffnung tragen-den Abdeckung, die sie mit ungarischenErzeugnissen gemeinsam hat und der Plutzer,der noch im 17. Jahrhundert eine von Ober-Österreich bis Rumänien reichende Verbreitungbesaß, heute aber auf den östlichen Raumbeschränkt ist und nur in Stoob auf Österreichübergreift.
5. Polnische Hafnerware. Die Töpferei nimmtim Rahmen der polnischen Volkskunst eineeher bescheidene Stellung ein. Typenmäßig fügtsie sich in den Formenschatz des Karpaten-bogens ein, so sind hier die Dwojaki genanntenDoppelgefäße ebenso vertreten wie Krug undSchüssel, doch ist außer der Fließdekorierungdie geringe unbeholfene Blumenbemalung derGefäße die einzige Auszier der bleiglasiertenWare, die hier durch Beispiele aus Rabka,Zakopane und Rzeszów belegt ist.
6. Ukrainische Hafnerware. Wesentlich reich-haltiger wird der Formen- und Ornamenten-schatz bei den ukrainischen Hafnern des Tief-landes, den sogenannten Ruthenen der altenMonarchie. Irdengefäße mit einfacher Rädchen-und Farblinienmusterung sowie einfache Ge-brauchsformen mit teilweise oder gänzlich dieOberfläche bedeckender Bleiglasur in Gelb,Grün und Braun sind in der Gegend von Brodyund Lwiw( Lemberg) die gängigste Marktware.Davon heben sich die Gefäße mit dunkelgezeichneter Auszier auf Pfeifentonschlicker( oder umgekehrt) aus Kolomea und der mitweißem Wellenornament bedeckte braune Krugaus Sucha bei Ciesanow als bessere Ware ab.In diesem Gebiet ist auch das Zentrum dersogenannten gefladerten oder Kammkeramik,wie sie der ausgestellte bleiglasierte Flaschen-topf aus der Umgebung von Lemberg aufweist.
7. Huzulische Keramik. Die als huzulischeKeramik bezeichnete charakteristische Gruppevon bleiglasierten Gefäßen und Kacheln mitgelb- braun- grüner Bemalung auf weißer sgraffi-tierter Schlickerunterlage wurden zwar für dieHuzulen, aber nicht von den Huzulen hergestellt.Meist sind es Flachland- Ukrainer, wie PetroKošak, aber auch ein Pole, Alexander Bachmiński- um nur die beiden prominentesten Töpfer zunennen, und vielleicht auch andere Volks-zugehörige zählen zu ihren Herstellern. Um sicheine Vorstellung von der Massenproduktiondieser Waren zu machen, sei angemerkt, daßum 1900 in dem Städtchen Pistyń, wo PetroKošak arbeitete, insgesamt 27 Töpfer, in derBezirksstadt Kossów und ihren Vororten StaryKossów, Smodna, Moskalówka und Monasterskozusammen 23 und im Städtchen Kuty 63 Töpfersaßen. Ihre Verleger waren jüdische Händler( hurtownyky), die die Waren auf die Märkte imganzen Huzulenland brachten.
Während drei einfach bemalte Schalen mit einerWellenlinie, mit einem Bäumchen und einemVogel und die primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv bemalten Ringflaschenund Tschutren einen Begriff der huzulischenKeramik vor 1890 geben, sind alle anderenGefäße von Töpfern erzeugt, die ihre Kunst aufder Landeskeramikschule in Kolomea erlerntoder vervollkommnet, jedenfalls aber ausgerichtethaben. Deshalb ist die Zuordnung zu einzelnenTöpfern meist unmöglich, weil man die Schule,aber nicht die Handschrift der einzelnen Töpfererkennen kann.
Besonders die ausgestellten Bildkacheln undBildteller geben einen guten Überblick über dasKönnen einer ganzen Töpfergruppe, aber aucheinen guten Einblick in das Volksleben derehemaligen Nordbukowina. Die huzulischenKachelöfen, wie der berühmte Kachelofen vonPetro Košak von 1895 aus der ehemaligenSammlung Sandor Wolf in Eisenstadt, sind wahreBilderbücher und reichliche volkskundlicheQuellen.
8. Ukrainische Schwarzhafnerware. Aus demukrainischen Dorfe Czepiele bei Brody, also ausdem nordöstlichsten Winkel der alten Donau-monarchie, stammt eine Kollektion, die dieEthnographische Abteilung des NaturhistorischenMuseums in Wien im Jahre 1890 erworben hat.Diese Schwarzhafnerware ist aus hellgrauemTon hergestellt, der erst durch Schmauchungim Brennofen geschwärzt wird; die Musterungerhält die Oberfläche durch Glättung mit Kiesel-steinen vor dem Brennen. Obwohl Schwarz-hafnerwaren auch im bukowinischen Raumerzeugt wurden, so im berühmten TöpferdorfMargina, waren die Erzeugnisse von Czepieleihrer dünnen Wandung- meist nur 3 mm beiGefäßen von 30 bis 40 cm Höhe! und dergeradezu klassischen Formen wegen sehr ge-fragt: neben doppelhenkeligen Gefäßen, Plutzern,eulenartigen Topfflaschen und dem im Ostraumobligatorischen doppelgefäßigen Essenträgerkommen auch archaische Formen vor, wie hier
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