Druckschrift 
Eine Krippe aus Rohholzstücken : = <<Un>> presepio di pezzi di legno grezzo = <<Une>> Sainte Crèche en morceaux de bois brut = <<A>> crib obtained from pieces of raw wood
Entstehung
Wien [1959]
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fand ich auf den Hügeln in der Umgebung meiner Heimatstadt einherrliches Ungeheuer mit menschlichem Leib und Löwenkopf. Im Jahre'55, gerade am letzten Tage eines Aufenthaltes im schönen Kärnten,stiess ich auf dem Görlitzen, oberhalb der« Kanzel», auf das wert-vollste Stück meiner Sammlung: einen herrlichen Dante- Kopf, der dem« Dante>> von Raffael( Vatikan) treffend ähnlich sieht. Auf dem Gör-litzen fand ich ausserdem zwei weitere Prachtstücke: eine lieblicheMariä- Verkündigung und ein Elefantenpaar: Mutter und Junge.

Auf dem Patscherkofel( Tirol,'53), war ich eines Tages im Begriff,mit dem Fuss zwei grosse dürre Baumäste vom Pfad wegzuräumen undsie in den Abgrund fliegen zu lassen, der sich auf der Talseite auftat,aber ich hielt mich davon rechtzeitig zurück: die dünneren Enden derzwei Aeste stellten, das eine die Heilige Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau, das andere den Hei-ligen Joseph dar.

Diese köstliche« Erfindung»( ich gebrauche das Wort in seinerdoppelten Bedeutung, denn zu solchen Funden gehört auch ein bisschenPhantasie) brachte mich auf den Gedanken, aus den Stücken meinerschon ansehnlichen Sammlung eine Krippe zusammenzustellen. Es fehltemir aber noch der Stall. Da machte ich mich auf den Weg die Idee,eine Krippe zu bauen, kam mir Dezember'54 und durchwandertejene Gegenden von der Vizentiner Umgebung, die sehr reich an Weidensind, denn diese Bäume, die viele Höhlungen aufweisen, hätten mirleichter als andere Baumarten das Gewünschte liefern können. Ich sahmir Tausende und aber Tausende von diesen Pflanzen an, aber immervergeblich. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben, als ich währendeines Spaziergangs, in einem Vorort meiner Stadt eine Weide sah, diein meinen Kram passte. Zwei kräftige Bauern, mit Leiter, Trummsäge,Beil, Hebeln und anderen Werkzeugen versehen, vermochten einewunderbare Hütte herauszubekommen: die Krippe war vollständig. Voll-ständig eigentlich nur bis zum Dreikönigsfest, denn es fehlten mirund fehlen mir noch heute eben die Dreikönige, und Weihnacht'54wurde sie in meinem Studierzimmer eröffnet. 1955 und'57 wurde siein einem Schaufenster einer Tuchhandlung in der Hauptstrasse von Vi-cenza, Corso Palladio, ausgestellt.

Es gibt Briefmarken-, Münzen-, Raritäten-, Kunstsammler u. a. m.;der Schreiber dieser Zeilen ist ein Natur- Plastikensammler. Viele fandenmeine Sammlung sehr interessant und meinten, es wäre schade, wennsie eines nicht fernen Tages( ich habe sehr viele graue Haare) verlorenginge. Ich bot sie daher als Spende dem Museum meiner Stadt an, dassie aber ablehnte. Da dachte ich an meine Wahlheimat, Wien, wo das« Oesterreichische Museum für Volkskunde» eine wertvolle Krippen-sammlung besitzt. Von diesem Museum wurde sie gern angenommen undwürdig untergebracht. Es war übrigens durchaus billig, dass meine Holz-stücke, die ich meistenteils auf österreichischem Boden gefunden habe,in ihre Heimat zurückkehrten.

M. A.