Die Beziehung von Menschen zu Dingen
Die systematische Enteignung, das Abpressen und der Raub durchdas NS- Regime und gedeckt vom NS- Regime betrafen nicht nurkulturgeschichtlich oder kunsthistorisch interessante bzw. wertvolleGegenstände. Museen und andere sammelnde Institutionen undPersonen haben sich aktiv um den Erwerb dieser Dinge bemüht.
Aber der weitaus größte Teil der entzogenen Dinge waren Alltags-und Gebrauchsgegenstände, die verschiedene Bedürfnisse deckten,darunter Kleidungsstücke, Hausrat, Möbel oder Arbeitsgeräte. IhreStückzahl geht weit in die Millionen, genaue Zahlen fehlen. Nurwenige Dinge wurden den verfolgten Menschen gelassen, ab 1942durften sie nichts mehr besitzen.
Dinge sind nicht nur Mittel, um Grundbedürfnisse zu decken. Siebilden für Menschen ein Netz aus verschiedensten sozialen, symbo-lischen, kollektiven und individuellen Bedeutungen und Funktionen.Sie dienen dazu, sich geborgen, verstanden, zugehörig, angenom-men oder wohl zu fühlen. Menschen definieren sich über Dinge,über ihre Beziehungen zu den Dingen und über die Beziehungen derDinge zueinander. Dinge sind Materialisierungen von Gefühlen, vonErinnerungen, von Sinnzusammenhängen und von Status. Der Verlustdieser Dinge gefährdet nicht nur das Überleben, sondern auch dieSelbstgewissheit.
Mit der Aneignung von Dingen haben die Nationalsozialist* innenund ihre Nutznießer* innen sich nicht nur materiell bereichert. Sie istein Teil der systematischen Demütigung. KP
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