Systematische Provenienzforschung
im Volkskundemuseum Wien
Seit der NS- Zeit war den Mitarbeiter* innen des VolkskundemuseumWien bewusst, dass sich unter den verwahrten Objekten etlicheaus Unrechtszusammenhängen befinden. Einige wenige Rückgabenänderten daran nichts. Der Wunsch des Museumsteams nach ver-stärkten Forschungen und Restitutionen wurde in den 2000er Jahrenimmer drängender. Dies auch, nachdem sich im Zuge des Kunst-rückgabegesetzes mit der Kommission für Provenienzforschung diesystematische Erforschung der Archive und Inventare in den Bundes-institutionen etabliert hatte.
Das Team des Volkskundemuseum Wien wollte nicht länger vonUnrecht profitieren, wollte keine Objekte mehr in den Sammlungenhaben, die dort nicht hingehören, weil sie ihren ursprünglichen Eigen-tümer* innen abgepresst, geraubt oder abgenommen worden waren.Von nun an sollten diese Objekte nicht länger unkommentiert Pub-likationen und Ausstellungen bereichern, sondern endlich restituiertwerden. Aufgrund von Verfolgung oder Ermordung und aufgrund derlangen Zeit, die vergangen war, sind viele der Eigentümer* innennicht mehr am Leben. Das ändert nichts daran, dass die entzogenenDinge ihnen gehörten, dass also ihre Erb* innen nun die eigentlichenEigentümer* innen sind.
Sammlungsmitarbeiterinnen und der Bibliothekar begannengemeinsam, die Inventare und Eingangsakten des Archivs undder Bibliothek zunächst für die Jahre 1938 bis 1945 zu durchforsten.Verdächtige Objekte wurden ins digitale Inventar aufgenommen,falls diese dort noch nicht verzeichnet waren. Sie alle wurden als„ Bedenkliche Erwerbung" gekennzeichnet. Mit diesem Zusatz wurdenrund 2.500 Objekte versehen. Dies war die Grundlage, auf der dieProvenienzforscherin der Kommission, die 2015 ihre Arbeit im Volks-kundemuseum Wien aufnahm, unmittelbar aufbauen konnte. Bisheute ist die Provenienzforschung keineswegs abgeschlossen. KP
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