Druckschrift 
Gesammelt um jeden Preis! : warum Objekte durch den Nationalsozialismus ins Museum kamen und wie wir damit umgehen
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

Die Kommission für Provenienzforschungund der Kunstrückgabebeirat

Die Kommission für Provenienzforschung ist die zentrale Stelle fürFragen in Zusammenhang mit NS- verfolgungsbedingt entzogenemKulturgut und Rückgaben in Österreich. Ihre Hauptaufgabe ist diesystematische Beforschung der Sammlungen, die unter das Kunst-rückgabegesetz fallen. Sie wurde 1998 bereits vor Inkrafttreten diesesGesetzes gegründet. Eingerichtet ist sie derzeit beim Bundesministe-rium für Kunst, Kultur, öffentlicher Dienst und Sport. Sie bestehtaus der administrativen Leitung, der wissenschaftlichen Koordination,dem Büro und den einzelnen Provenienzforscher* innen, die in denuntersuchten Museen, Sammlungen und Bibliotheken tätig sind.

Die Provenienzforscher* innen fassen die Ergebnisse ihrer Recher-chen zu einem Verdachtsfall in einem Dossier zusammen. Die Kom-mission ist zuständig für die Endredaktion der Dossiers, sie überprüftdie Rechercheschritte, die Nachvollziehbarkeit und die Wissenschaft-lichkeit. Diese Dossiers werden dann dem Kunstrückgabebeiratzur Beratung vorgelegt. Der Beirat stellt fest, ob es sich um einenNS- verfolgungsbedingten Entzug gehandelt hat bzw. ob die Tatbe-stände des Kunstrückgabegesetzes erfüllt sind. Dementsprechendempfiehlt der Beirat die Rückgabe oder den Verbleib.

Bei der Suche nach den Rechtsnachfolger* innen bzw. Erb* innender ursprünglichen Eigentümer* innen arbeitet die Kommission engmit der Israelitischen Kultusgemeinde zusammen, unabhängig davon,warum die Eigentümer* innen vom NS- Regime verfolgt wurden.

Weitere Aufgaben der Kommission sind die Koordination derArbeiten der einzelnen Provenienzforscher* innen, die Beantwortungvon Anfragen oder die Erschließung der einschlägigen Beständedes Bundesdenkmalamts, das die Akten zu den NS- Entzugsvor-gängen und zu Restitutionsansuchen nach Kriegsende verwahrt( ,, Restitutionsmaterialien). Die steten Anfragen durch Mitarbeiter* in-nen der Kommission haben in etlichen Archiven und Bibliothekenzur Digitalisierung von Beständen geführt, die nun allen Forschendenzugutekommen. KP

56