Überlegungen
Das Volkskundemuseum Wien beherbergt in seinen Sammlungenüber 300.000 Objekte. Das Wissen um diese und die Erforschungder eigenen Sammlungs- und Institutionengeschichte gehört zurKernaufgabe des Museums. Der für lange Zeit vorherrschende, beimanchen Volkskundeprotagonist* innen beinahe manisch wirkendeSammeleifer, das Finden- und Bewahren- Wollen einer präindustriel-len, rural- bäuerlich gedachten Welt wurde bereits bei der Gründungvon Verein und Museum für Volkskunde 1894 deutlich. Dieser Eiferzeigte sich unter anderem in ausgedehnten und gierigen„ Samm-lungsfahrten" in die nahen sowie abgelegenen Teile der Habsburger-monarchie und führte zu„ Sammlungsexpeditionen“ in von k. u. k.Truppen besetzten Gebieten Bosniens oder während des ErstenWeltkriegs in Albanien. Den derzeitigen Mitarbeiter* innen des Volks-kundemuseums ist bewusst, dass Objekte unter verschiedenen- auch gewaltvollen- Umständen in die Sammlungen eingebrachtwurden. Durch den lange Zeit wirkmächtigen Museumsgrundsatz,dass alle Objekte, wie auch immer sie ins Museum kamen, dorthingehören, verblieben sie dort. Oftmals lassen sich heute Freiwilligkeitund Spendenfreude nicht mehr eindeutig von Bedingungen persön-licher oder finanzieller Not der Einbringer* innen unterscheiden. Häufigist nicht klar, ob Herkunftsgeschichten von Objekten problematischund deshalb besonders untersuchenswert sind.
Zwar sind die Hintergründe mancher Sammlungszuwächse unklar,aber in Bezug auf das NS- Regime werden die bürokratischen Pro-zesse, die die staatlich- administrativ organisierte Beraubung vonverfolgten Personen durch das NS- Regime kennzeichneten, speziellnachvollziehbar. Diese Prozesse, deren gesellschaftliche sowieauch staatliche Aufarbeitung bis in die Gegenwart und die konkreteAbbildung dieser in den Beständen des Volkskundemuseums( Sammlungen, Bibliothek und Archiv) sind Kern dieser Ausstellung.
Als Kuratorinnen der Ausstellung Gesammelt um jeden Preis!nähern wir uns also den Umständen,„ warum Objekte durch denNationalsozialismus ins Museum kamen und wie wir damit umgehen“.Das Wir" im Untertitel ist bewusst offengelassen
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wir Kuratorinnen sein, alle derzeitigen Mitarbeiter* innen unseres
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