heute und vermutlich auch in Zukunft- sofern nicht plötzlich erhel-lende Dokumente auftauchen- nicht mehr eindeutig klären. Sicherist jedoch, dass sie einander höchst schätzten, viel Zeit miteinanderverbrachten, sich in ihrer Arbeit gegenseitig befruchteten und öffent-lich als Paar auftraten. Sie können also mit Sicherheit als Geschäfts-und darüber hinaus als Lebenspartner bezeichnet werden.
Mit ihren Schwestern Pauline und der inzwischen verwitwe-ten Helene eröffnete Emilie Flöge 1904 den Modesalon„ SchwesternFlöge" in der Mariahilferstraße 1b- also im Zentrum der WienerTextilindustrie in der„ Casa Piccola", benannt nach dem gleich-namigen Caféhaus im Erdgeschoß des Hauses. Der Salon war vonder Wiener Werkstätte, von Josef Hoffmann und Kolo Moser, imtypischen Schwarz- Weiß eingerichtet worden( siehe Abbildung Seite13). Die drei Schwestern, besonders Pauline, hatten eine vertiefendeAusbildung im Schneiderhandwerk erhalten und bereits einenSalon in der Neubaugasse betrieben, wie Barbara Sternthal in ihrerKlimt- Biographie vermerkt.³ Emilie Flöge war die künstlerische undkunsthandwerkliche Leiterin des Unternehmens, während HeleneKlimt die Kundinnen betreute und Pauline Flöge das Büro leitetenach deren Tod übernahm Helene Klimts Tochter, die ebenfallsHelene hieß( verheiratete Donner), diese Aufgabe. Emilie Flöge fuhrmehrmals im Jahr nach Paris und London, um die neuesten Stoff-muster und Modetrends nach Wien mitzubringen, die dann auf dieFiguren der Kundinnen umgearbeitet wurden. Sie war außerdemam Zuschneiden der im Salon produzierten Kleidungsstücke maẞ-geblich beteiligt. Der Salon Schwestern Flöge war eine der erstenAdressen in Sachen Mode in Wien und beschäftigte in seiner Blüte-zeit mehr als 80 Schneiderinnen. Die Kundinnen stammten aus
1 Fischer, Wolfgang Georg: GustavKlimt und Emilie Flöge. Genie undTalent, Freundschaft und Besessenheit.Unter Mitarbeit von Dorothea McEwan.Wien 1987, S. 16-19.
2 ebd., S. 25-26; Fischer, WolfgangGeorg: Gustav Klimt und Emilie Flöge.III. Erinnerungen an Emilie Flöge.In: alte und moderne kunst, Jg. 28,1983, Heft 190/191, S. 54-59.
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Sternthal, Barbara: Gustav Klimt.1862-1918. Mythos und Wahrheit.Wien 2006, S. 50.
4 Fischer, wie Anm. 1, S. 26-40.
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