Vorwort
,, Sammlung Emilie Flöge"- woran ist da wohl zu denken?An Gemälde und Zeichnungen von Gustav Klimt? An Werke andererbildender Künstler der Jahrhundertwende? An Haute Couture oderJugendstil- Schmuck? Schließlich war Emilie Flöge Lebensgefährtinvon Gustav Klimt, Modedesignerin und Geschäftspartnerin derWiener Werkstätte. Ein wenig von all dem Genannten hat sichin ihrem Nachlass tatsächlich erhalten. Was aber mit dem KürzelSammlung Flöge" im Österreichischen Museum für Volkskunde ge-meint ist, ist ein Konvolut von rund 350 Objekten textiler Volkskunst,die sie zusammengetragen hat- so wie es manch andere Künstlerund Künstlerinnen, Intellektuelle und Industrielle des Fin de Sièclezu ihrer Zeit getan haben. Auch zu den frühen Sammlungen desWiener Volkskundemuseums gehören zahlreiche ähnliche Objekte.
Tatsächlich ist es nicht ungewöhnlich, dass sich hier Samm-lungsgegenstände befinden, deren Vorbesitzer oder Vorbesitzerinnenklingende Namen trugen wie etwa: Franz Emmerich Graf Lamberg,Ladislaus Edler von Benesch, Natalie Bruck- Auffenberg, Alfred RitterWalcher v. Molthein, Fürst Johann 11. von und zu Liechtenstein oderKaiser Karl 1. Durch ihre Sach- oder Geldspenden oder Hinterlassen-schaften wurden einzelne Sammlungsbereiche wesentlich erweitert.Emilie Flöges Name ist hier nicht gleichzusetzen, jedoch klingendist er allemal, auf jeden Fall glamourös im Kunst- und Lebensstilkon-text der ausgehenden Habsburgermonarchie. Die Objekte, die aufUmwegen von ihr zu uns gelangt sind, stechen allerdings im Ver-gleich mit den zahlreichen ähnlichen Stücken in der Textilsammlungdes Museums nicht wesentlich hervor.
Dies kann damals wie heute zum Nachdenken über den Wertvon Dingen anregen. Dinge haben keinen materiellen oder ideellenWert per se, dieser wird ihnen zugeschrieben, zugeschrieben durchden Kontext, in dem sie stehen. Gegenstände, die Emilie Flöge oderwomöglich gar Gustav Klimt selbst verwendet haben, sind in derArt von Reliquien auratisch aufgeladen. Die vielen ähnlichen Stücke
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