BILDKAPITEL- EIN ETHNOGRGRAFISCHES DORF
Ein ethnografisches Dorf
Die Tschechoslawische ethnografische Ausstel-lung in Prag 1895 war ein über drei Jahre hinwegin über 200 Kleinpräsentationen vorbereitetesAusstellungsgroßprojekt. Im Stil der Weltaus-stellungen baute man auf freiem Feld riesigeAusstellungshallen, die Objekte der materiellenSachkultur von Kleidungsstücken über Werkzeugebis zu anderen Erzeugnissen des Handwerks ver-sammelten. Die Ausstellung umfasste aber auchein inszeniertes ethnografisches Dorf, für daszum Teil ganze Gebäude von ihrem Ursprungsortauf das Ausstellungsareal versetzt wurden. Einreges Medieninteresse und unterschiedliche Pu-blikationsformate begleiteten die Unternehmung.Unter anderem gab es eine üppige fotografischeDokumentation. Sie hielt nicht nur die exponier-
ten materiellen Güter fest, die dem Versuch, das>> čechoslawische Volk<< zu definieren, dienten.In der Ausstellung wurden Figurinen in Trachtin unterschiedlichen Situationen präsentiert,auch diese fanden sich ausführlich abgebildetim Katalog wieder. Im Besonderen schlug sichauch das ethnografische Dorf in der Publikationbildlich nieder: Dabei lichtete man die Personen,die in den Gebäuden werkten, stets in Trachtab. Der hier abgebildete Katalog ist voll vondiesen Bildern. Wiederum diente die Fotogra-fie als Verbreitungsmedium dazu, eine Gruppezu definieren. Ausstellungen dieser Art und daspublizistische Begleitmaterial agierten als we-sentliche Komponenten im Prozess der Heraus-bildung der Nationalstaaten im 19. Jahrhundert.
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