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DIE FOTOSAMMLUNG DES WIENER MUSEUMS FÜR VOLKSKUNDE
Wilhelm Hein, waren zu diesem Zeitpunkt Ange-stellte in der anthropologisch- ethnographischenAbteilung des k. u. k. Naturhistorischen Hofmu-sems. Innerhalb dieser Institution erfolgte eineAufspaltung der in den anthropologischen Gesell-schaften noch vereinten Forschungsfelder bereitsin den frühen 1880er- Jahren. Neben der anthro-pologisch- ethnographischen Abteilung unter derLeitung von Franz Heger gab es unter der Leitungvon Josef Szombathy auch eine anthropologisch-prähistorische Abteilung.
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Auch wenn Michael Haberlandt untrennbarmit der Gründung, Leitung und programmatischenAusrichtung des Wiener Volkskundemuseumsverbunden ist, kann er nicht als Begründer einerWiener Schule für Volkskunde angesehen werden.Der Umstand, dass er aus einer ethnografischenund nicht prähistorischen Richtung kam und im-mer wieder noch als Völkerkundler in Erscheinungtrat, und seine Vision einer vergleichenden Völ-kerkunde Europas dürfen dennoch nicht über denstarken Einfluss, welchen etwa die Urgeschichteauf die frühe Ausrichtung des Vereins für Volks-kunde ausübte, hinwegtäuschen. Um die volks-kundlichen Anfänge in Wien zu verstehen, darf dieVolkskunde nicht als eine Schule im akademischenSinn, sondern muss eben als ein heterogener Ver-ein verstanden werden. Innerhalb dieses Vereinsspielten Ur- und Frühgeschichtler, Historiker undVölkerkundler10 über einen langen Zeitraum einebedeutsame Rolle. Einer davon, der PrähistorikerRichard Pittioni, welcher selbst 1946/47 und von1955 bis 1959 Präsident, dazwischen Vizepräsidentdes Vereins für Volkskunde war," schreibt dazuFolgendes:>> Zur Zeit der Gründergeneration unse-rer beiden Fachgebiete[ der Volkskunde und Prä-historie] herrschte noch eine gewisse gemeinsameBasis, war die Verbindung untereinander nochnicht abgerissen und konnte eine Verständigungüber Gegenwärtiges und Vergangenes noch vielleichter durchgeführt werden als zwei Jahrzehntespäter.<< ¹² Nach Haberlandts eigenem Verständniseiner Volkskunde hatte die Urgeschichte durch-aus ihren Platz. In seinem programmatischenArtikel Zum Beginn! findet sich dazu Folgendes:
>> Ausgeschlossen sind ferner Ermittlungen überdie prähistorische Bewohnerschaft Österreichs,insoferne nicht ein Faden von einer wie immer fernliegenden Vorzeit auf unsere Tage heraufführt.<< 13Und weiter:>> Um Erforschung und Darstellungder volksthümlichen Unterschicht ist es uns alleinzu thun. Das eigentliche Volk, dessen primitivem Glossar ::: zum Glossareintrag primitivemWirtschaftsbetrieb eine primitive Glossar ::: zum Glossareintrag primitive Lebensführung,ein urwüchsiger Geisteszustand entspricht, wollenwir in seinen Naturformen erkennen, erklären unddarstellen.<< 14 Ähnlich wie in anderen Ländern, indenen sich ein drängendes Sammelbewusstseinetabliert, schwingt dabei die Vorstellung einer>> untergehenden« Kultur mit. Im Falle der WienerVolkskunde reflektierte dieses>> Verschwinden<<zum einen die Landflucht, welche an zahlreichenStellen auch die Vereinszeitschrift, die Zeitschriftfür österreichische Volkskunde, thematisiert, wieetwa im Zusammenhang mit den» Maßnahmen zurErhaltung heimischer Volkstrachten<<, welche>> zurEindämmung der immer mehr um sich greifen-den Landflucht<< 15 getroffen werden sollten. Zumanderen führte dieses Suchen nach dem>> ver-schwindenden Primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag Primitiven<< an die Peripherie der>>> modernen Zivilisation<<<. Was die Völkerkunde inentlegenen Erdteilen zu finden erhofft, sucht dieVolkskunde an manchen Rändern des Habsburger-reiches und in den als» primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv<< und» urwüchsig<<bezeichneten ländlichen Gebieten.16
Besonders dieser rückwärts gerichtete Blick,welcher die frühe Volkskunde kennzeichnet,ist bereits ein wesentliches Verbindungsgliedwiederum mit der Prähistorie. Beide Diszip-linen sind bestrebt, die Reste einer bereitsverschwundenen beziehungsweise bereits imVerschwinden begriffenen Kultur zu erforschen.
Netzwerke
Einige Verbindungsstränge zu anderen Wissen-schaften deuten sich bereits aus dem eben skiz-zierten Milieu an. Viele Mitglieder entstammtender Zunft der Ärzte, Historiker, Geografen oderGeologen, welche ein gemeinsames Interessean der Ethnografie verband. Von Beginn an warder Verein weit über Wien hinaus vernetzt, was