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Gestellt : Fotografie als Werkzeug in der Habsburgermonarchie ; [dieser Katalog erscheint als Nachschrift zur Ausstellung ..., die vom 29. April bis 30. November 2014 im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien gezeigt wurde]
Entstehung
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REINHARD BLUMAUER

Einsatzgebiete der Fotografie

Für die noch junge Ethnologie- sie umfasstebesonders in ihren Anfängen sowohl die sich aufEuropa konzentrierende Volkskunde als auch dieauẞereuropäische Völkerkunde-² bot die Fotogra-fie eine Fülle von Anwendungsgebieten, zualler-erst für ethnografische Untersuchungen, also dasSammeln von Daten zu Gesellschaften und Kul-turen. Aus diesen Beschreibungen versuchte dieEthnologie theoretische Aussagen zu gewinnen,insbesondere zur Entwicklung oder Verbreitungeiner Kultur. So konnten im konkreten Fall einesMuseums die>» Lücken« in der Objektsammlungvorerst durch Fotografien ergänzt werden.³ Gänz-lich und auf Dauer ersetzten fotografische Bilderjene Objekte der materiellen Kultur, die sich nichtals Objekte in einem musealen Kontext sammelnund präsentieren ließen. So basiert bis heute dievolkskundliche Hausdokumentation zentral aufFotografien. Darüber hinaus versetzten einen dieLichtbilder in die Lage, Inhalte zu visualisieren,welche sich über Objekte kaum darstellen ließen.Das betrifft etwa alle Formen des» gelebtenBrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtums<<.

Fotografien und noch viel mehr deren foto-mechanische Reproduktionen in Zeitschriftenund Büchern sorgten für eine merklich steigendeVerbreitung von ethnografischen Beschreibun-gen, die durch die bildliche Komponente nochan Präzision und Lebendigkeit gewannen. Die ausvolkskundlicher Sicht wegweisende Publikation DieÖsterreichisch- ungarische Monarchie in Wort und

Bild oder

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nach seinem Anreger Kronprinz Rudolf

- kurz» Kronprinzenwerk«<, welche zwischen 1886und 1902 erschien, war bereits durchgehend mit( teils nach Fotografien gefertigten) Holzstichenillustriert und setzte darin Maßstäbe.

Das Volkskundemuseum nutzte fotomechani-sche Drucke, um seine Bestände einer breiterenÖffentlichkeit näherzubringen. Die Bücher TextileVolkskunst aus Österreich( 1912) 4 und Werke derVolkskunst( 1914-1917) 5 mögen hier als Beispielegenügen. Neben den Funktionen, Objekte visuellzu vertreten, transitorische Aufführungen festzu-halten und textliche Darstellungen zu illustrieren

und damit offensiver zu veranschaulichen, dientenFotografien auch der Popularisierung volkskund-lichen Wissens. Lichtbildervorträge gewannenrasant an Beliebtheit. Michael Haberlandt undsein Sohn Arthur hielten an verschiedenen WienerVolksbildungseinrichtungen wie etwa der Uraniazwischen 1890 und 1936 nicht weniger als 75populärwissenschaftliche Einzelvorträge undKurse, in denen zum Teil auch Bildmaterial zumEinsatz kam.

Die Metapher des» Knotenpunktes<<' trifftaber auch auf die beginnende Wiener Volkskundeim Allgemeinen zu, da sie, anfänglich als Vereinkonstituiert, verschiedene Wissensfelder und Wis-senschaften miteinander in Verbindung setzte. Umnachvollziehen zu können, welche Forschungsfel-der für die erst im Entstehen begriffene Volks-kunde den Ausgangspunkt bildeten und welcheParadigmen und methodischen Werkzeuge be-reitstanden, muss das Netzwerk näher betrachtetwerden, aus welchem heraus sich die Volkskundeals wissenschaftlicher Knotenpunkt entwickelte.

Ein anthropologisch- ethnologisch-prähistorisch interessiertes MilieuDie Anfänge der Volkskunde, nicht nur in Wien,liegen in einem breit gefächerten interessiertenMilieu, welches sich sowohl aus Personen ausder akademischen Sphäre als auch engagiertenLaien zusammensetzte. Aus diesem Umfeld herausentstanden zunächst in mehreren Städten anthro-pologische Gesellschaften, wie 1869 diejenige inBerlin. Im Jahr darauf folgten bereits die Deut-sche Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologieund Urgeschichte sowie die AnthropologischeGesellschaft in Wien. Gemeinsam war diesenGesellschaften die( physisch-) anthropologische,ethnologische und urgeschichtliche Ausrichtung;erst später gingen daraus einzelne Lehrstühleund in weiterer Folge eigenständige universitäreDisziplinen hervor.

Wie erwähnt, gründete sich 1895 in Wien auchder Verein für Volkskunde, dessen Mitglieder sichaus einem vergleichbaren Umfeld zusammenfan-den. Die beiden Gründer, Michael Haberlandt und

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