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Weihnachten - noch Fragen? : [Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. November 2012 bis 3. Februar 2013]
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2. Wann ist Weihnachten?

Weihnachten ist für viele Menschen ein ver-trautes, selbstverständliches Fest mit lieb-gewonnenen Ritualen.

Tatsächlich liegen die Anfänge des heuteso geläufigen christlichen Festes aber imDunklen. Eindeutige Zeugnisse für eine litur-gische Feier der Geburt Christi finden sicherst im 4. Jahrhundert. Dem frühen Chris-tentum lag es fern, Geburtstage feierlich zubegehen, weil man sich von den pompöszelebrierten Festlichkeiten zu Ehren derantiken Götter und Herrscher distanzierte.Nicht die Menschwerdung Christi war zen-trales Thema, sondern sein Martyrium, dasich das Erlösungsgeschehen allein durchseinen Tod am Kreuz und seine Auferstehungoffenbare. Daher bezogen sich auch dieFesttage der Apostel und christlichen Mär-tyrer auf deren Todestag. Bis ins 3. Jahr-hundert blieb Ostern das einzige christlicheJahresfest.

Durch das Konzil von Nicäa wurde 325die Wesensgleichheit Jesu mit Gott anerkanntund dadurch festgelegt, dass bereits bei derGeburt Gott wirklich im Menschen Jesusauf Erden erschienen ist. Möglicherweisewar es die Tatsache, dass sein Eintreten indie Welt fortan als Beginn des Erlösungs-mysteriums gesehen wurde, die nach einemeigenen liturgischen Fest verlangte. Jedenfallsist das Datum der Geburt Jesu nicht über-liefert. Es wird nicht in der Bibel genanntund auch die erwähnte Volkszählung istnicht nachweisbar. König Herodes kann nurbedingt zur Datierung herangezogen werden,

da er bereits 4 v. Chr. starb. Die ältesten Be-rechnungen und Spekulationen führten zuverschiedenen Terminen im Frühling. DieUnkenntnis des genauen Datums ließ im 4.Jahrhundert zwei parallele Feste entstehen:Die griechischsprachige Kirche im Ostenfeierte am 6. Jänner das Fest der Epiphanie,die lateinischsprachige Kirche des Westensbeging die Feier der Geburt Christi am 25.Dezember. Wie kam es dazu?

Eine mögliche Erklärung ist, dass eineim 2. Jahrhundert bezeugte Gruppe, Basili-dianer in Alexandrien, unter Epiphanie diesichtbare Erscheinung des Gottessohnesunter den Menschen bei der Taufe verstan-den. Ihr Tauffest Jesu ist für den 6. Jännerbezeugt. Mögliche Wurzeln des Festes am6. Jänner werden heute mit der in Alexan-drien, Ägypten, gefeierten Geburt des Son-nengottes Aion aus der Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Jungfrau Kore unddem Schöpfen des zu dieser Zeit heilbrin-genden Wassers aus dem Nil am 6. Jännerin Verbindung gebracht und in Beziehungmit dem christlichen Tauffest gesetzt. Nach-dem beim Konzil von Nicäa festgelegt wordenwar, dass Jesus bereits bei seiner Geburtwesensgleich mit Gott war, wollte die Ost-kirche durch das Fest die Menschwerdungsomit betonen. Erstmals ist das Epiphaniefestfür das Jahr 361 sicher bezeugt. Sowohl dieGeburt Christi wie auch seine Taufe werdenals Festinhalte in den Quellen genannt.

Zu dieser Zeit entstand das Weihnachts-fest im Westen am 25. Dezember. Auchhier wird als Erklärung der Einfluss anderer

Kulte auf das Christentum genannt. Wohlseit dem 3. Jahrhundert wurde an diesemTag von den Römern das Fest des Sol In-victus, des unbesiegten römischen Sonnen-gottes, gefeiert. Ob es sich dabei um einebewusste Überlagerung handelte oder derTermin nur aufgrund der ebenfalls großenRolle der Lichtsymbolik in der christlichenLehre übernommen wurde, ist Thema wis-senschaftlicher Diskussionen.

Ausgehend von Rom begann sich in derzweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts die Feierder Geburt Christi am 25. Dezember auchin der Ostkirche auszubreiten. Das Konzilvon Konstantinopel im Jahre 381 scheintbei der Verbreitung des westlichen Termins( 25. Dezember) im Osten eine wichtige Rollegespielt zu haben. Heute hält einzig die ar-menisch- orthodoxe Kirche weiterhin an derFeier der Geburt Christi am 6. Jänner fest.Da aber ein Teil der orthodoxen Kirchen dieKalenderreform im 16. Jahrhundert vom Ju-lianischen auf den Gregorianischen Kalendernicht mitgemacht hat, feiern diese nachdem Julianischen Kalender. Der 24. Dezembernach dem Julianischen Kalender ist der 6.Jänner nach Gregorianischem Kalender, der25. Dezember der 7. Jänner. Daher feiert einTeil der orthodoxen Kirchen Weihnachtenzwar am 6. und 7. Jänner des Gregoriani-schen Kalenders, aber gleichzeitig am 24.und 25. Dezember des Julianischen Kalen-ders.

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