Nicht nur die Prager Ausstellung machte eine breitere Öf-fentlichkeit auf die slowakischen Produkte aufmerksam, auch dieWeltausstellung 1873 in Wien stellte die Slowaken prominent in denVordergrund. Von den Ausstellungsorganisatoren war die Präsenta-tion von Musterbauernhäusern der einzelnen teilnehmenden Ländervorgesehen, die eine Vorstellung von der Lebensweise der Bevölke-rung geben sollten. Im Prater wurde ein„ internationales Dorf"eingerichtet, das aus Bauernhäusern aus Vorarlberg, Siebenbürgen,Kroatien, Galizien, Russland und dem Elsass bestand. Dazu kamein Haus aus Kľačno in Oberungarn, das großen Anklang fand. Eswar für die Dauer der Weltausstellung bewohnt und zwar von einemdeutschsprachigen Ehepaar und ihrem Kind aus dem nahe Kľačnosgelegenen Tužina. Laut Karl Julius Schröer strahlte es„ den Charakterder Abgeschiedenheit vom Weltverkehre, wie ein Wohnhaus eines aufeine Insel verschlagenen Robinson“ aus, wie er im offiziellen Ausstel-lungsbericht schrieb."
Auch andere Ausstellungen rückten die slowakische Volks-kunst, vor allem die textile, ins Zentrum der öffentlichen Wahrneh-mung, wie die Ausstellung slowakischer Stickerei 1887 in TurčianskySvätý Martin, die vom Verein slowakischer Frauen Živena gestaltetworden war. Dieser Verein propagierte außerdem das Tragen vonslowakischer„ Tracht“ bei gesellschaftlichen Anlässen.48 Tracht istein Begriff, der im Laufe des 19. Jahrhunderts zwar nicht wie„ Volks-kunst" neu gebildet worden war, aber in Zusammenhang mit diesereine wesentliche Bedeutungsverschiebung und-verengung erfahrenhatte.49 Gerade die Kleidung der Landbevölkerung, als besonderer Teilder Volkskunst, schien den Charakter einer Nation ideal zu bündelnund augenscheinlich zu machen.
Die Kleidung der slowakischen Landbevölkerung war selbst-verständlich nicht, ebenso wenig wie jede andere ländliche Kleidungbis zum Ende des 19. Jahrhunderts, unverändert über Jahrhunderteoder auch nur Jahrzehnte oder unabhängig von städtischer und
46 Wörner, wie Anm. 22, S. 405-408.47 zit. nach Wörner, wie Anm. 22,S. 408.
48 Richter- Kovarik u. Peschel- Wacha,wie Anm. 40, S. 17-18.
49 vgl. Keller- Drescher, wie Anm. 35,S. 25-34.
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