Warum also hat Emilie Flöge ausgerechnet slowakische Texti-lien gesammelt?
Die Slowakei galt- und das gehört mittlerweile zum nati-onalen Selbstverständnis 40- als das Land der Hirten und Bauern,eignete sich also ideal dafür, als besonders alt, urwüchsig und echtzu gelten. Der Ethnologe Wilhelm Hein, Mitbegründer des Österrei-chischen Museums für Volkskunde, beurteilte die slowakischenBeiträge zur Tschecho- Slawischen Ausstellung, die 1895 unter großeröffentlicher Aufmerksamkeit in Prag lief, so:„ Ja, es ist unbestreitbar,diese prächtigen Arbeiten eines Volkes, das fern von Verkehr undHandel, ohne einen Begriff von dem Werte der Zeit nur sich selbstund seinem Hausfleiße lebte, geben zu einer Fülle von ethnographi-schen und ethnologischen Fragen Anlass, deren Lösung hier leichterals bei irgend einem anderen slawischen oder nichtslawischen VolkeEuropas ist." Die Ausstellung trug wesentlich zu einer neuenOrdnung des Ruralen in Böhmen, Mähren und Oberungarn( heuteSlowakei) bei und war außerdem ein Präludium für die Ausrufungder Tschechoslowakei 42, die 1918 erfolgte.
Auch für die Prager Secessionsbewegung, mit der Emilie Flögemöglicherweise über die Wiener Secessionisten Kontakt hatte, wardie Ausstellung eine wichtige Identitätsstifterin. Der Name der Bewe-gung„ Mánes" leitete sich vom Maler und Illustrator Josef Mánesab, der unter anderem Trachtenbilder in der Slowakei malte. Sie wareine äußerst politische und bewusst„ nationale“ Vereinigung 45.
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40 Richter- Kovarik, Katharina u.Claudia Peschel- Wacha: Hirten, Räuber,Trachtenpaare. Selbst- und Fremdbilderder Slowakei und deren Prägung durchbestimmte Nationalkünstler/ Pastieri,zbojníci a krojované páry. Vlastné acudzie predstavy o Slovensku a ako knim prispeli niektorí národní umelci.In: Figurale Keramik aus der Slowakei.Der Nationalkünstler Ignác Bizmayer/ Fi-gurálna keramika zo Slovenska. Národnýumelec Ignác Bizmayer(= Kataloge desÖsterreichischen Museum für Volkskun-de, 94). Wien 2011, S. 10-51, hier S. 19.
41 Hein, Wilhelm: Die čechoslawischeethnographische Ausstellung in Prag1895. In: Zeitschrift für österreichischeVolkskunde, 1, 1895, S. 265-275, hierS. 268.
42 Clegg, Elizabeth: Art, Desing and Ar-chitecture in Central Europe 1890-1920.Yale 2006, S. 50.43 ebd., S. 64.
44 Nixdorff, Heide: Europäische Volks-trachten I. Tschechoslowakei(= Veröffent-lichungen des Museums für VölkerkundeBerlin, NF 33). Berlin 1977, S. 18.45 Clegg, wie Anm. 42.
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