Anregungsquellen erschließen zu können, die im Gegensatz zu denWerken des Historismus, von denen man sich gerade lossagen wollte,aber auch zu den als„ seelenlos“ und hässlich empfundenen Massen-produkten der Fabriken stehen. Etliche KünstlerInnen aus dem Kreisder Secession und der Wiener Werkstätte legten selbst Sammlungenan, die ähnlich in der Ausrichtung waren wie jene von Emilie Flöge, soetwa Josef Hoffmann 32 oder die Malerin Mileva Stoisavljevic- Roller ³³,die mit dem Bühnenbildner Alfred Roller verheiratet war.
Sammlungen richteten Ende des 19. Jahrhunderts aber nichtnur KünstlerInnen ein, sondern auch die Wissenschaft, die sich inden neuen Zweigen der Volks- und Völkerkunde ebenfalls mit denProdukten von Hausfleiß und Hausindustrie auseinandersetzte.Diese jungen Wissenschaften institutionalisierten sich anfänglich vorallem in Museen, die eifrig zu sammeln begannen- auch, um dieDinge vor ihrem drohenden Untergang durch die Industrialisierungzu bewahren. Unter ihnen war an prominenter Stelle das 1895 ge-gründete Museum für österreichische Volkskunde( das heutige Öster-reichische Museum für Volkskunde), das sich als zentrales Museumim gesamten cisleithanischen Gebiet der Monarchie positionierte,und unter dessen frühen( und auch späteren) Objekteingängen sichzahlreiche ähnliche Objekte finden, wie sie Emilie Flöge in ihrerSammlung hatte. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, dass sie sogarvon denselben Händlern kaufte wie die Mitarbeiter des Museums.Die Sammeltätigkeit von Wissenschaftlern, Künstlern undvielen Angehörigen des Großbürgertums wirkte auf die Produktionund auch Verwendung der gesammelten Güter zurück. Sie rücktenstärker ins Blickfeld ihrer ursprünglichen VerwenderInnen als etwasBesonderes und Eigenes, und sie akzentuierten, veränderten undstandardisierten das Gesammelte, so dass Wolfgang Brückner inZusammenhang mit diesen Dingen auf Eric Hobsbawm34 rekurrie-
32 vgl. Josef Hoffmann. Die Samm-lung von folkloristischen Textilien imGeburtshaus in Brtnice.[ Brtnice] 1997.
33 Mileva Roller( 1886-1949). Samm-lung von Reformkleidern des fin- de- sièc-le und von textiler Volkskunst[ unveröf-fentlichtes Manuskript].
34 Hobsbawm, Eric J.: The invention ofTradition. Cambridge 2003( 10).
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