Druckschrift 
Die Textilmustersammlung Emilie Flöge im Österreichischen Museum für Volkskunde : [Katalog zur Ausstellung ... im Österreichischen Museum für Volkskunde, 25. Mai bis 2. Dezember 2012]
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 
  

bürgertum, vor allem aus dem aufgeschlossenen Kreis der jüdischenIndustriellen, die auch Klimt förderten und seine Ideen und Werkebegeistert aufnahmen.

Obwohl Emilie Flöge selbst Reformkleider beziehungsweiseKünstlerkleider trug und diese wohl auch gerne vermehrt in ihremSalon verkauft hätte, war der Großteil der Modelle eher dem Main-stream- Geschmack verpflichtet, in den allerdings allmählicheinzelne Elemente der Reformmode- über den Umweg der Sport-mode- aufgenommen wurden. Die Reformmode wurde zunächstin den USA und England, dann vehement in Deutschland vertreten,mit der Absicht, eine gesunde, praktische und natürliche Klei-dung für Frauen zu schaffen, was in der Praxis jedoch zu ästhetischkargen Kreationen führte.' In Wien, das im 19. Jahrhundert eineModehochburg war, fand die Idee allgemein noch weniger Anklangals in den Ländern, von denen sie ausging. Doch die Künstler imKreis der Secession griffen sie auf und integrierten sie in ihr Konzeptvom Gesamtkunstwerk, das alle Lebensbereiche erfassen sollte.Etwa Alfred Roller oder Kolo Moser kreierten Künstlerkleider", diemodisch ansprechend und doch revolutionär sein sollten, allerdingsnur im kleinen Kreis der Künstler und ihrer Mäzene- meist zuhause- wirklich getragen wurden. Auch die Wiener Werkstätte, die, bevorsie 1909/10 eine eigene Textil- und Modeproduktion einrichtete, vomSalon Schwestern Flöge beliefert wurde, verkaufte hauptsächlichProdukte, die mehr mit Mode als mit Reform zu tun" 10 hatten.

In welcher Art Gustav Klimt bei den Kleiderentwürfen imSalon Flöge mitwirkte, liegt heute im Dunkeln und ist Gegenstandvon Spekulationen. Bei seinen Portraits war ihm die Bekleidung der

5

Hildebrandt, Irma: Mehr als KlimtsModell. Die Modeschöpferin EmilieFlöge( 1874-1952). In: Dies.: Hab' meineRolle nie gelernt: 15 Wiener Frauenpor-träts. München 1996, S. 121-133, hierS. 121.

6

Völker, Angela: Kleiderkunst undReformmode im Wien der Jahrhundert-wende. In: Pfabigan, Alfred: Ornamentund Askese. Im Zeitgeist des Wien der

Jahrhundertwende. Wien 1985,

S. 142-155, hier S. 149.

7

8

Völker, wie Anm. 6, S. 142-243.Brandstätter, Christian: Klimt&die Mode. Wien- München 1998, S. 7.9 Neiẞ, Herta: 100 Jahre WienerWerkstätte. Mythos und ökonomischeRealität. Wien 2004, S. 134.

10 Brandstätter, wie Anm. 8, S. 8.

14