Von Vögeln undihren Häschern in der Musik
Emanuel Schikaneder war für die Zauberflöte in dreifacher Funktion tätig: als Textautor, Produzentund Schauspieler. Auf den Publikumserfolg hinzielend hatte er sich die Rolle des Papageno auf denLeib geschrieben. Die Figur des Vogelfängers war damals sehr populär; sie war in Wien schon vorder Zauberflöte einige Male auf der Bühne zu sehen gewesen. In Italien, wo der Vogelfang bis heutebesonders stark verwurzelt ist, hatte sich Carlo Goldoni dieses Themas in einem- mehrfach ver-tonten Operntextbuch angenommen.
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Die Figur des Papageno war selbst wiederum Ausgangspunkt verschiedener Entwicklungslinien, diezum Teil bis in die heutige Zeit reichen. So inspirierten die Melodien, die Mozart ihm zudachte, Gene-rationen von Komponisten zu Variationen, Paraphrasen und dergleichen Musikstücken. Daneben gabes Versuche, zur Zauberflöte eine Fortsetzung zu schreiben. Mehr Erfolg als diesen Unternehmungenwar allerdings der Operette Der Vogelhändler von Carl Zeller beschieden. Die Vogelfänger- Thematikhat darüber hinaus auch in eine Reihe von Liedern Eingang gefunden, deren bekanntestes wohl dieBallade Heinrich der Vogler von Carl Loewe ist.
Mehr noch als die Vogelfänger und-händler sind die Vögel selbst Bezugspunkt musikalischer Werkevom Kinderlied bis zur Oper, vom Klavierstück bis zur Symphonie. Der Bezug kann, wie etwa in derTanzmusik, allein in der Wahl eines fantasievollen Titels liegen, er kann aber auch viel tiefer gehen,wenn die symbolische Bedeutung des in der Komposition thematisierten Vogels angesprochen wird.Ein eigenes Gebiet ist die Nachahmung von Vogelrufen in Werken der Tonkunst; spätestens seit dem14. Jahrhundert haben sich die Musiker damit beschäftigt. Olivier Messiaen hat die Lautäußerungenvon Vögeln sogar zur Grundlage vieler seiner Kompositionen gemacht.
In jüngster Zeit hat man aber auch entdeckt, dass der Gesang der Vögel von der menschlichen Musikbeeinflusst ist und ihm ein ästhetischer Eigenwert zukommt.
T.A.
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