Vogelpercht
Zu den eigenartigsten Gestalten bei dengroßen Perchtenaufzügen um den 5. Jännerim salzburgischen Pongau zählen die Vogel-perchten. Wenngleich diese fantastischenTafelkappen eine folkloristische Ausprägung desspäten 19. Jahrhunderts darstellen, werden siestets mythologisch gedeutet. Man sieht in denPerchtenläufen eine mimische Darstellung desWilden Heeres, in deren Gefolge Frau Perchtmitzieht. Die sie begleitenden Raben und Eulenunterstreichen ihre hexenhaften Züge. DiePercht( althochdeutsch ,, beraht"= weiẞleuch-tend) gilt allgemein als doppeldeutiges Wesen,mit einer schönen und einer hässlichen Seite,Unheil bringend aber auch Segen. In denUmzügen erscheint sie daher entweder alsSchiachpercht oder als Schönpercht.
Die Vogelpercht gehört dabei zur Gruppeder Schönperchten. Ihr schwerer Tafelaufsatz
ist kunstvoll mit Vögeln geschmückt.
Es handelt sich um Trophäen, die das Jahr überdie Wände der Stuben zieren.
Vogelpercht
Figurine in Pongauer Tracht( Salzburg)
mit grün bespanntem Tafelaufsatz,
darauf ein Pfau, ein Bussard, eine Seeschwalbe,
eine Auerhenne, ein Auerhahn, eine Schneehenne
im Sommerkleid, eine Schneehenne im Winterkleid,eine Löffelente, ein Fasan, eine Möwe und
ein Sperber
SMCA, Volkskundemuseum Salzburg
Pongauer Tafelperchten
2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
Foto: Salzburger Museum Carolino Augusteum, 1910
Kopie im Österreichischen Museum für Volkskunde, Wien
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